Sieg in der Vielseitigkeit, Schock in der Dressur

Von: Michael Rossmann, dpa
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Chio Aachen - Ingrid Klimke
Die deutsche Vielseitigkeitsreiterin Ingrid Klimke springt beim Geländeritt mit seinem Pferd Abraxxas durch ein Wasserhindernis. Foto: dpa

Aachen. Jubel bei den Vielseitigkeitsreitern, Schock in der Dressur: Während Bettina Hoy und ihre Teamkollegen den Hattrick beim CHIO in Aachen feierten, herrschte am Dressur-Viereck blankes Entsetzen. Ulla Salzgebers Pferd Herzrufs Erbe begann am Samstag beim Einritt zum Grand Prix Special zu lahmen und droht nun für die Europameisterschaften auszufallen.

„Ich bin am Boden zerstört und total enttäuscht”, kommentierte Salzgeber. „Es gab überhaupt keine Anzeichen, dass irgendetwas nicht stimmt.” Marcus Ehning dagegen beendete die schwarze Serie der deutschen Springreiter.

Die Zuschauer zuckten zusammen, als der zehnjährige Wallach der Reiterin aus Bad Wörishofen unversehens humpelte. Bei einer Untersuchung wurde eine Zerrung des Fesselkopfes am rechten Hinterbein festgestellt. Die zweimalige Team-Olympiasiegerin und ihr Pferd waren für die EM Ende August in Windsor eingeplant, doch ihre Teilnahme ist nun unwahrscheinlich. „Es ist nicht zu glauben”, sagte Verbandschef Breido Graf zu Rantzau: „Es ist einfach furchtbar.”

Wie lange die Regeneration des Pferdes dauern werde, sei nicht abzusehen, sagte Verbands-Tierarzt Michael Düe. „Manchmal dauern Zerrungen aber länger als Brüche”, erklärte der Tierarzt. Wenn die Schwellung abgeklungen sei, „kann man mehr sagen”. Die Reiterin reiste noch am Nachmittag ab.

Den Wettbewerb gewann der US-Amerikaner Steffen Peters. Der in Deutschland geborene Dressurreiter setzte sich im Sattel von Ravel (76,917) durch. Hinter den Niederländern Anky van Grunsven mit Salinero (76,583) und Hans Peter Minderhoud mit Nadine (74,500) war Heike Kemmer beste deutsche Reiterin. Die Olympia-Dritte aus Winsen an der Aller erhielt für ihren Ritt im Grand Prix Special mit Bonaparte 73,792 Prozent und kam auf Rang vier.

Für den ersten Team-Sieg der Gastgeber beim diesjährigen CHIO sorgten derweil die Vielseitigkeitsreiter. Trotz eines Patzers von Bettina Hoy schafften sie den Hattrick. Mit 140,40 Strafpunkten setzte sich die deutsche Mannschaft vor Großbritannien (173,90) und Neuseeland (250,30) durch. In der Einzelwertung gab es einen Dreifach-Erfolg: Andreas Dibowski (Egestorf) siegte mit Serve Well vor Ingrid Klimke (Münster) mit Abraxxas und Dirk Schrade (Sprockhövel) mit King Artus.

Die zuvor führende Hoy kam nach einer Verweigerung von Ringwood Cockatoo nur auf Rang 17. „Ich bin unglaublich enttäuscht”, sagte Hoy: „Ich hatte mir sehr, sehr große Hoffnungen gemacht. Ich weiß nicht, warum es passiert ist.” Besonders glücklich war natürlich Andreas Dibowski. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich gewinne”, sagte der 43-Jährige zum größten Einzelerfolg seiner Karriere: „Die Leistungsspitze ist so eng.”

Anschließend gewann Ehning das Springen mit Siegerrunde. Im Sattel von Plot Blue setzte er sich nach fehlerfreiem Ritt in 44,38 Sekunden durch. Hinter Pénélope Leprevost (Frankreich) mit Mylord (44,72) kam der in den Niederlanden lebende Hesse Daniel Deußer mit Ornella (46,11) auf Rang drei. Zuvor hatte es in zehn Springen keinen deutschen Sieg gegeben.
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