Reit-Team für EM: Schüler Weishaupt statt Chef Beerbaum?

Von: Michael Rossmann, dpa
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Balve/Riesenbeck. Zwei krasse Außenseiter aus Bayern sind die neuen Hoffnungen für die Europameisterschaft der Springreiter - ein Nachwuchsreiter und ein Amateur. Mit dem beinahe sensationellen Sieg bei den deutschen Meisterschaften ist vor allem der Newcomer Philipp Weishaupt in den Blickpunkt gesprungen.

Ausgerechnet der 23 Jahre alte Youngster könnte seinen Chef Ludger Beerbaum ersetzen, der derzeit fürs Nationalteam gesperrt ist. Aber auch der genauso überraschende zweite Platz des Hoteliers Thomas Mühlbauer eröffnet Bundestrainer Otto Becker neue Perspektiven.

Weishaupts Hoffnungen haben ein pikante Note. Zum einen kommt der Nachwuchsmann aus dem Stall von Beerbaum, der mit seinen Geständnissen über den Umgang mit Medikamenten für schwere Erschütterungen im Pferdesport gesorgt hat. Zum anderen ist genau dadurch ein weiterer Platz im Nationalteam frei. Der aus dem bayrischen Jettingen stammende Weishaupt besitzt schon jetzt das nötige Selbstvertrauen. „Ich glaube, als deutscher Meister kann man da mit einem Auge hinschauen”, sagte er zu seinen EM-Chancen.

Wenngleich das Beispiel des Dreifach-Meisters Rene Tebbel (Emsbüren) zeigt, dass ein Titel nicht automatisch zur EM führt, sind Weishaupts Chancen auf einen Start im August in Windsor nicht schlecht. Denn in der dezimierten deutschen Mannschaft sind derzeit mehrere Plätze vakant. Sein Chef ist für das Nationalteam vorläufig suspendiert und Christian Ahlmann (Marl) wegen seines olympischen Dopingfalls für zwei Jahre gesperrt. Zudem droht Marco Kutscher (Riesenbeck), der ebenfalls bei Beerbaum arbeitet, wegen einer nicht angemeldeten Medikation seines Olympiapferdes Cornet Obolensky eine Strafe durch den Weltverband FEI.

Zumindest das Gerüst des EM-Teams steht bereits. Europameisterin Meredith Michaels-Beerbaum (Thedinghausen) ist mit ihrem Top-Pferd Shutterfly gesetzt, Marcus Ehning (Borken) und Carsten-Otto Nagel (Wedel) sind die weiteren „heißen Kandidaten”, wie der neue Bundestrainer sagt. Becker freut sich nun auf „neue Gesichter” und betonte, dass „jeder eine Chance hat, der Leistung zeigt.

Das gilt nicht nur für den Beerbaum-Schüler Weishaupt und die erst neunjährige Stute Souvenir, sondern auch für Thomas Mühlbauer mit dem 14-jährigen Hengst Asti Spumante. „Wenn ich irgendwie infrage komme und Otto sich meldet, dann bin ich bereit”, sagte der 37- Jährige, der sich selbst als „professionellen Amateur” bezeichnet. Der im bayrischen Kötzting lebende Vizemeister machte aber auch klar: „Das Hotel hat Priorität.”

Ein weiterer EM-Kandidat ist zugleich ein Problemfall: Daniel Deußer. Der in den Niederlanden lebende Hesse lieferte sich wegen eines Dopingfalles bei einem US-Turnier eine monatelange juristische Auseinandersetzung mit dem Verband. Deußer gehört zu jenen Reitern, bei denen die unabhängige Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) bei der Befragung Mitte Juli ganz besonders genau zuhören dürfte. Erst danach weiß der Bundestrainer, wer wirklich für die EM infrage kommt.
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