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Beerbaum, Dreher und das Preisgeld

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
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Sie nehmen das „Geld-Hindernis“: Ludger Beerbaum (links) und Hans-Dieter Dreher. Fotos: sport/René Schulz/rau/imagebroker; Montage: Hans-Gerd Claßen

Wann genau und wo das war, als sich der Erfolg erstmals im wahren Wortsinn auszahlte, daran kann sich Ludger Beerbaum nicht mehr erinnern. Aber er weiß noch heute: „Ich habe darüber Buch geführt – zehn Mark, 15 Mark, 20, 25, dann sogar 100 Mark bei einer Prüfung. Ich habe gedacht: Ich bin reich!“ Da war er höchstens 14 Jahre alt, Beerbaum ritt für einen Bekannten aus dem Dorf, doch von den ersten Preisgeldern blieb nichts übrig.

„Da gab es nichts zu verteilen“, der Reichtum war eher eine Geschichte fürs geduldige Papier, und irgendwann unterwegs, als die Karriere einen steileren Verlauf nahm, hat Beerbaum das dann auch abgebrochen mit der Buchführung. Wie viel er bislang im Springsattel eingeritten hat? „Keine Ahnung, das kann ich beim besten Willen nicht sagen.“ In diesem Sport werden Geldranglisten nach Pferden geführt, nicht nach denen, die auf ihnen sitzen.

Ein festes Einkommen

Hans-Dieter Dreher, den sie in der Szene nur „Hansi“ rufen, ist erst vor drei Jahren auf die große Bühne getreten. Er reitet sein Leben lang, 15 Jahre nun ist er Leiter des Gestüts Grenzland von Hans Brändlin. Dreher bekam ein paar gute Pferde, „Glück gehört dazu“, mit 41 ist er „froh, dass ich das machen darf und kann“ als Profi.

Doch die Preisgelder – alleine rund 60.000 Euro an den Pfingsttagen in Wiesbaden – sind nicht Drehers Thema. „Ich bin angestellt“, er hat sein festes Einkommen, die Prämien gehen an die Pferde-Besitzer. Er schätzt, dass etwa 30 Prozent der Starter auf internationalem Niveau auf dieser Basis unterwegs sind. „Um den Unterhalt des Betriebs, um Sponsoren und alles weitere kümmert sich der Chef. Da halte ich mich raus.“

Ludger Beerbaum kennt beide Seiten. 1985 holte ihn Paul Schockemöhle als Bereiter in seinen Stall, 1989 wechselte er zu Alexander Moksel. „Da war ich mit zehn bis 15 Prozent an den Preisgeldern beteiligt.“ Im April 1994 machte sich Beerbaum selbstständig, er beschäftigt die Berufsreiter Marco Kutscher, Philipp Weishaupt, Henrik Eckermann, insgesamt rund ein Dutzend, dazu 25 Mitarbeiter, in den Ställen stehen 90 Pferde.

Höchstens mal eine Statue...

Mit den Besitzern gibt es „ganz unterschiedliche Regelungen“ über die Preisgeld-Verteilung – „halbe-halbe, zwei Drittel, drei Viertel, bestimmt zehn Varianten“. Was letzten Endes nach Riesenbeck fließt, „geht alles in einen Topf. Die Gewinnsummen sind nur eine Säule, alleine damit kämen wir vorne und hinten nicht hin.“ Rund zwei Millionen Euro pro Jahr kostet der Unterhalt der Anlage; Handel und die Hengststation machen die Sache erst zum Geschäft.

„Ich bin zufrieden“, sagt „Hansi“ Dreher, er lebt jetzt, „was immer mein Traum war.“ Selbst Ehrenpreise, die eigentlich dem Reiter zustehen, gibt er ab wie den repräsentativen Chronometer aus Wiesbaden, „ich behalte höchstens mal eine Statue“.

Mehr als 80 Autos... 

Gleichwohl begrüßt Dreher die Entwicklung auch beim CHIO, wo in dieser Woche knapp 2,7 Millionen Euro ausgeschüttet werden. „Vielleicht lassen sich durch höhere Preisgelder Pferde halten, die sonst verkauft würden.“ Das sieht Beerbaum anders: „Es ist überfällig, dass die Gewinnsummen angehoben werden, weil die Kosten bislang in keinem Verhältnis zum Aufwand stehen. Die deutsche Zucht könnte profitieren. Doch an der Grundkonstellation ändert sich nichts – ein Pferd, das viel gewinnt, steigt im Wert, ausländische Investoren kaufen dann halt teurer ein.“

Oft gibt es mit einer Pferdestärke – statt Geld – ganz viele PS zu gewinnen. „Ich komme in meiner Karriere auf mehr als 80 Autos“, sagt Ludger Beerbaum. Die werden dann auf der Siegerrunde bewegt und gleich verkauft – für den Topf in Riesenbeck. „Zum Fahren brauche ich nur ein Auto.“ 

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