Aachen - Müller trifft, Wind stürmt, Guerdat jubelt

Müller trifft, Wind stürmt, Guerdat jubelt

Von: Thorsten Karbach
Letzte Aktualisierung:
aufmacherbild
Immer wieder unvergesslich und mit Gänsehautgarantie: das große „Winke-Winke” zum Abschied der Nationen. Foto: Michael von Fisenne

Aachen. Der Torschützenkönig war der Volltreffer. Fußballer Thomas Müller hat zum Auftakt des CHIO am Dienstag nicht nur den Reitern die Show gestohlen. Auch der Kanzlerin. „Diese Medienresonanz war schon extrem, und wir sind schon viel von der Bundeskanzlerin gewohnt”, sagt ALRV-Protokollchefin Gina Klaassen. Mit dieser Reaktion hatte auch sie nicht gerechnet.

Und dann waren Müller und seine Frau Lisa auch noch „super entspannt”, erzählt sie. Ein toller Moment war es, den Stürmer in der Soers zu treffen, den sie kurz zuvor noch bei der Fußball-WM in Südafrika treffen sah. Es war mit Sicherheit einer der Momente, die vom Concours Hippique International Officiel 2010 haften bleiben. Zumindest bei Gina Klaassen.

Klaassen traf Müller am Dienstag, Christian Graf Plettenberg das Unwetter am Mittwoch. Ein Orkan fegte die Sportler aus dem Stadion, die Menschen rückten auf den Rängen zusammen - und feierten. „So was habe ich auch noch nie erlebt”, sagt Graf Plettenberg. Und er ist mit seiner Stimme irgendwie immer schon fester Bestandteil des Turniers.

Doch selten - vielleicht sogar noch nie - hat er es so geprägt wie an diesem Abend. Von Plettenberg kommentierte das Nichts im Springstadion mit Charme und Brillanz und zitierte ein Heinz-Ehrhardt-Gedicht. Auswendig. Früher, als aktiver Reiter, habe er auf Turnierabenden „das Kasperle” gemacht. Anderthalb Stunden Ehrhardt konnte er problemlos vortragen. In Aachen dachte er, „Mensch, du hast doch das Gewitter drauf”.

Nur die zweite Strophe wollte ihm nicht einfallen. Egal, schon die erste Strophe war erstklassig. Und die Stimmung daraufhin nicht minder. „Es ist immer eine Herausforderung für einen Sprecher, wenn nichts passiert. Ich kann das Publikum ja nicht einfach sitzenlassen. Aber mit so einem Publikum ist es geradezu ein Vergnügen. Ich war fast dankbar für das Unwetter”, sagt er. Fehlerfrei - Leo Pennings sagte dies der deutschen Equipe am Donnerstag voraus.

Pennings von der 24 Mann starken Fahrbereitschaft war bereit für einen ganz besonderen Moment, saß am Steuer eines weit mehr als 300 Pferdestärken starken Cabrios und fuhr Ludger Beerbaum, Marcus Ehning, Janne Friederike Meyer und Marco Kutscher bei der Reiter-Präsentation durch das Stadion. Zufall war das -die Schlüssel wurden verlost.

Und Pennings hatte mehr Glück als später die Reiter im Parcours. „Die waren alle ganz natürlich, mit Ludger Beerbaum habe ich über Fußball gesprochen”, erzählt der Fußballtrainer Pennings. „Das war schon Wahnsinn, wie die Menschen auf den Tribünen den Reitern zugejubelt haben. Ein paar haben aber auch Leo gerufen.” Eine unvergessliche Runde war das. Und: Null Fehler, in der Zeit, mag man mit den Worten Graf Plettenbergs sagen.

Null Fehler und was für eine Zeit - das durfte Steve Guerdat am Freitag erleben. Zwölf Hundertstelsekunden war er schneller als die Konkurrenz. 0,12 Sekunden. Sein Lächeln dauerte dagegen eine gefühlte Ewigkeit. Der junge Schweizer Springreiter, Jahrgang 1982, gewann mit Ferrari den wichtigen Preis von NRW. Schon sein zweiter Sieg bei diesem CHIO - und er stand nie zuvor in Aachen auf einer Siegerliste.

„Null und schnell in Aachen ist schon ein geiles Gefühl”, sagt er entsprechend. Seine Augen strahlten bei diesen Wochen wie die Sonne am Freitagnachmittag. „Und so eine Ehrenrunde macht sehr viel Spaß”, fügt er hinzu - vergessen werde er sie gewiss nicht mehr.

Und dann war da noch Calimero. Genauer Calimero vanÔt Roth, achtjähriger Wallach von Jos Lansink. Samstag nominierte der Weltmeister von Aachen 2006 Calimero für die Best-of-Champions-Prüfung, bei der vier Reiter ihre Pferde tauschen, bis jeder jedes geritten hat. Herausforderung dieses Wettbewerbs ist es, mit den Pferden der anderen Reiter klarzukommen.

Doch Calimero überraschte alle - auch seinen eigenen Reiter und bescherte ihm einen Abwurf. Aber damit der nicht böse ist, ließ er sich auch von Denis Lynchs freundlichem Tätscheln nicht erweichen - vier Fehlerpunkte. Warum, wollte der Wallach aber nicht verraten. Er wehrte alle Fragen mit einem Wiehern ab.

Und dann? Natürlich der Sonntag, der Große Preis von Aachen, Eric Lamazes Triumphritt, die Taschentücher, der Abschied der Nationen. Ein wundervoller Moment - für alle und jeden Einzelnen. CHIO 2010, das waren seine großen Momente.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert