Aachen - Kam, sah und siegte: Kristina, der neue Star

Kam, sah und siegte: Kristina, der neue Star

Von: Helga Raue
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So schön kann Dressurreiten s
So schön kann Dressurreiten sein: Kristina Sprehe ist auch außerhalb des Sattels ein echter Hingucker. Foto: Holger Schupp

Aachen. Diese Augen nehmen einen gleich gefangen - groß, strahlend blau, mit einem intensiven Blick. Dazu ein gewinnendes Lächeln in einem überaus hübschen Gesicht. Kristina Sprehe ist nicht nur ein echter Hingucker, ihre bescheidene und sympathische Art nimmt ihre Gesprächspartner gleich für sie ein.

Doch die 25-Jährige ist mehr als nur hübsch, sie ist der Shootingstar der Dressur-Saison: 2011 noch im Piaff-Förderkreis für den Nachwuchs bis 25 unterwegs, winkt ihr nun bereits ein Ticket für die Olympischen Spiele in London.

„Das wäre natürlich ein Traum. Hätte man mir im Winter gesagt, dass ich Chancen habe, hätte ich gedacht, lass die mal reden”, sagt Kris-tina Sprehe lachend. „Aber mit den Erfolgen sind natürlich auch die Erwartungen gestiegen. Ja, London ist mein großes Ziel, und ich werde in Aachen angreifen, um das zu erreichen.” Ihre Chancen sind bestens, belegte sie bei den Deutschen Meisterschaften in Balve doch drei Mal Platz 3, in der Kür nur 0,250 Prozent hinter Matthias Alexander Rath (Kronberg) und Totilas.

Schon in der U 25-Tour hatte Desperados im vergangenen Jahr sein Potenzial gezeigt, über den Winter reifte der nun elfjährige Rapphengst. Endgültig horchte die Konkurrenz auf, als Sprehe und Desperados das Meggle- Champions-Finale im März in Dortmund gewannen - vor der favorisierten Team-Europameisterin Laura Bechtolsheimer (Großbritannien) auf Mistral Hoijris. Dritte Plätze in Hagen, wo Totilas bei seinem Comeback gewann, folgten - und die DM zeigte endgültig, dass der Weg wohl Ende Juli auf die Insel führen wird.

Zwillingsschwester springt

Chancen, einen anderen Sport zu ergreifen, hatte Kris-tina Sprehe eigentlich nicht. Die gesamte Familie ist pferdeverrückt - und der Name Sprehe hat im Reitsport einen guten Klang. Vater Paul und Onkel Albert, die auch die gleichnamige Sprehe Unternehmensgruppe leiten, führen in Löningen-Benstrup ein großes Gestüt mit zahlreichen Deckhengsten. Cousin Jan und die bayerische Cousine Jörne reiten erfolgreich Springen, eine Disziplin für die sich auch Kristinas Zwillingsschwester Tanja mehr erwärmt. „Wir sind ziemlich unterschiedlich - und das nicht nur, weil Tanja braune Augen hat”, sagt Kristina Sprehe lachend. „Meine Schwester ist viel ruhiger, kann sich lange mit einer Sache beschäftigen, das liegt mir nicht so, ich bin immer schneller.”

Erfolge im Jugendlager

Bei diesem Temperament hätte man eher vermutet, dass die Vorlieben für die Disziplinen genau andersherum wären. „Ach, das hat sich so entwickelt. Als ich fünf, sechs Jahre alt war, bekam ich ein Dressurpony. Und mit zwölf Jahren habe ich schon die erste ,Deutsche geritten.” Die Erfolge kamen, und so blieb sie beim Dressurreiten, wurde 2003 bei der DM in Aachen Junioren-Meisterin, holte bei den Ponys, Junioren und Jungen Reitern jeweils Team-Gold und zwei Mal -Silber sowie drei Mal Einzel-Bonze und ein Mal Silber.

Auf der Suche nach einem neuen Pferd für den Seniorenbereich wurde die BWL-Studentin, die nur noch ihre Bachelor-Arbeit schreiben muss, im eigenen Stall fündig: Dort stand der bildschöne Desperados, ein De-Niro-Sohn, der über Donnerhall und mütterlicherseits Weltmeyer feinstes Dressurblut aus Oldenburg und Hannover vereint. „Zweieinhalbjährig hat mein Vater ihn auf der Auktion gekauft, Holga Finken und später Falk Rosenbauer haben ihn ausgebildet. Seit eineinhalb Jahren reite ich ihn. Und es ist schon etwas ganz Besonderes, einen eigenen Hengst von unserer Station zu reiten”, sagt Kris-tina Sprehe, die bei Jürgen Koschel (Hagen) trainiert.

Der bildschöne Hengst begeistert durch tolle Grundgangarten und eine faszinierende Leichtigkeit, die sich zum Beispiel in den Piaffen besonders zeigt. Bessere sah man auf der DM nirgends. „Desperados ist immer motiviert. Und er bleibt im Viereck ganz gelassen, das gibt mir Sicherheit, da mir ja noch einiges an Erfahrung fehlt”, gerät Kristina Sprehe ins Schwärmen über ihr Pferd.

Die Vorfreude auf den CHIO Aachen ist riesengroß: „Vergangenes Jahr bin ich erstmals dort in der U 25-Tour geritten. Es ist einfach ein super tolles Turnier, absolut einmalig. Und ich habe schon etwas Respekt, dass ich ausgerechnet dort meinen ersten Nationenpreis bei den Senioren für Deutschland reiten werde”, gesteht Kris-tina Sprehe, die erstmals in die Equipe berufen wurde. Doch wo kann man eine bessere Generalprobe für Olympia absolvieren als in Aachen?
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