Reiten und Party sind keine Gegensätze

Von: Günter Kirschbaum
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Eindrucksvolles Ambiente für einen stimmungsvollen Abend: Ein fast volles Stadion im Flutlicht. Foto: Thomas Rubel
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Hier der Sport, dort die Party: Remko Hoeven und Brenda Vrijens mit einem Gläschen Rosé am Sattelplatz. Foto: Michael von Fisenne

Aachen. Die Tribünen sind fast voll besetzt. Das Publikum jubelt, schreit entsetzt auf oder unterstützt die Protagonisten bei der Hatz über Gräben und Wälle durch rhythmisches Klatschen. Zehntausende genießen diesen Samstagabend im Reitstadion, den angenehme Temperaturen und spektakulärer Springsport im Flutlicht der Soers zu einem stimmungsvollen Event werden lassen.

Es ist diese besondere Mischung aus Sport und Party, die das CHIO-Flair ausmacht. Zwei Parallelwelten, die zu einer friedlichen Koexistenz gefunden haben. Die Champagner-Zelte, Bier-Stände und Imbissbuden sind fast ebenso belagert wie das Reitstadion, im Village sind die Läden bis spät in die Nacht geöffnet. Und je weiter die Zeit fortschreitet, desto lauter wird es abseits des Springplatzes. Die Bässe dröhnen aus zahlreichen Lautsprecherboxen, das Party-Volk stürmt die Zelte. Hier geht bis in die Morgenstunden die Post ab.

„Dieser Samstagabend mit so vielen Veranstaltungen ist ein echtes Highlight“, sagt Peter Weinberg. Und ein schneller Blick über das Areal lässt den ALRV-Aufsichtsrat lächeln. „Das ist für die Zuschauer ein Fest.“

Drei Springen am Abend. Das ist viel Sport in knapp drei Stunden. Auch wenn es nicht die absolute Spitze der Sparte ist, die sich im stimmungsvollen Ambiente präsentiert. „Für uns Reiter ist der Samstag etwas anders“, schildert Dirk Demeersman die Sicht der Aktiven. „Da hast du etwas mehr Ruhe, alles geht etwas langsamer, und du hast ein bisschen Zeit, durchzuatmen.“

Dass dieses Turnier die Synthese von Sport und Kommerz ist, schreckt den Belgier nicht. Im Gegenteil. Demeersman hat dafür Verständnis. „So ist das Leben eben. Das hier kostet doch alles sehr viel Geld“, gibt der Flame zu bedenken. „Das muss eben wieder reinkommen.“ Seine Meinung über Aachen beeinflusst das allerdings nicht. „Für uns Ausländer ist das Turnier ein Fest“, spricht Demeersman auch für seine Kollegen. „Die Stimmung im Stadion ist super. Uns stört es auch nicht, wenn ein Teil der Zuschauer lieber eine Party feiert, während im Stadion spektakuläre Prüfungen stattfinden.“

Bitte Ruhe am Abreiteplatz

Großen Wert legen die Reiter darauf, sich auch an diesem Abend konzentriert auf ihre Ritte vorbereiten zu können. „Die Leute sollen doch ihren Spaß haben. Hauptsache, wir haben am Abreiteplatz unsere Ruhe.“ Und der Champions Circle, der dort steht, ist an diesem Abend im Vergleich zum restlichen Turniergelände vergleichsweise ein Ort der Stille. Dort, wo sich ansonsten Reiter, Trainer, Besitzer, Funktionäre und VIPs zu Fachgesprächen oder Smalltalk treffen, geht es in diesen Stunden eher weniger geschäftig zu.

Selbst einer wie Ludger Beerbaum steht lässig im schwarzen Anzug auf den Stufen am Eingang des Champions Circles. Ungestört. Später, wenn die letzte Siegerehrung beendet ist, wird sich der Primus der deutschen Springreiter ins innere begeben. Gesellschaftliche Pflichten abseits der CHIO-Party warten.

Peter Weinberg ist Pferdemann durch und durch. Seine Entscheidung zwischen Party und Sport: „Ich bin für den Sport.“ Der frühere Springreiter aus Kohlscheid kennt aber auch die andere Seite. „Zum Aachener Turnier kommen viele, die nur am Bierstand stehen“, sagt er. „Und wenn das Turnier zu Ende ist, gehen diese Leute nach Hause, ohne ein Pferd gesehen zu haben. Aber sie waren beim Turnier. Das ist dann auch so in Ordnung.“

Es gibt allerdings auch die Grenzgänger. Die, die beides gleichzeitig haben wollen. Wie beispielsweise Brenda Vrijens und Remko Hoeven. Das junge Paar aus Kerkrade kommt jedes Jahr am CHIO-Samstag ins Stadion. Den Rosé, den sie kaufen, nehmen sie mit auf den Sattelplatz. Champagner, Springreiten und ein Stehplatz – in Aachen ist das in diesen Tagen kein Gegensatz.

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