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CHIO im globalen Wandel des Reitsports

Von: Manfred Kutsch
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Countdown für den CHIO 2013, Pläne für die EM 2015 und die strategische Ausrichtung des Aachener Reitturniers: Vermarkter Michael Mronz (l.) und Vorstand Frank Kemperman. Foto: Michael Strauch

Aachen. Steigende Millionendotierungen beim diesjährigen CHIO, Pläne für die Europameisterschaften 2015, harter Wettbewerb der Top-Turniere im expandierenden globalen Markt, die Sichtweise des Aachen-Laurensberger Rennvereins (ALRV) auf das Schicksal seines sportlichen Nachbarn Alemannia Aachen – an Fragen hat es nicht gemangelt beim Gespräch mit Frank Kemperman, dem Vorstandsvorsitzenden des ALRV, und dem CHIO-Vermarkter Michael Mronz.

 53 Tage vor dem CHIO standen die beiden Sportmanager Rede und Antwort.

Beim Weltcup in Göteborg gaben Sie am Freitag bekannt, dass das Preisgeld im Großen Preis auf eine Million Euro fast verdreifacht wird und der CHIO mit Genf und den Spruce Meadows in Calgary den „Rolex Grand Slam“ ausrichtet. Was sind die Hintergründe?

Mronz: Sportlich ergibt das eine deutliche Aufwertung. Die Kooperation mit den beiden anderen renommierten Turnieren und die Einführung des Grand Slam mit der Möglichkeit zusätzlicher Bonuszahlungen von bis zu einer Million Euro wird eine neue Fokussierung auf den Reitsport mit sich bringen, auch medial. Das Finale in Aachen am Sonntag wird den Spannungsbogen der Turnierwoche enorm steigern.

Kemperman: Natürlich ist der Große Preis von Aachen für die Reiter auch ohne Geld etwas Besonderes, aber diese Dotierung macht das Ereignis noch attraktiver. Man muss einfach sehen: Der Sport entwickelt sich, die Preisgelder gehen hoch, Wimbledon zum Beispiel steigerte in diesem Jahr seine Dotierung um 40 Prozent auf 26 Millionen Euro.

Woran machen Sie die Entwicklung speziell im Reitsport fest?

Mronz: Der befindet sich in einem großen Wandel. Noch vor 15 Jahren wurde die Hälfte der Preisgelder in Deutschland ausgeritten, der Rest in Europa und der Welt. Heute entfallen auf Deutschland nur noch 15 Prozent. Damals gab es fünf 5-Sterne-Turniere, heute 55. Das heißt, das Thema Belastung der Spitzenpferde und Reiter ist ein ganz anderes geworden. Früher sind sie von Hannover nach Donaueschingen gefahren, dann vielleicht mal über die Grenze. Heute fliegt man nach Doha, Peking oder Shanghai, der Reitsport ist global geworden. Damit wird es auch Veränderungen im Einsatz des Pferdemanagements geben.

Aber Aachen ist doch Aachen, nämlich einmalig, sagen die Reiter.

Mronz: Richtig. Deshalb ist es so wichtig, einerseits die Wurzeln des CHIO zu pflegen, nämlich Tradition und Volksfest, sich andererseits aber auch für die Zukunft aufzustellen. Auch kleinteilig. Vor dem Hintergrund ist zum Beispiel eine Neuerung am Turnier-Dienstag zu sehen, wenn Spitzenreiter ein moderiertes Training im Stadion abhalten werden. Das hat zwei Vorteile: Das Publikum erfährt mehr über Hintergründe im Pferdesport, und die Top-Reiter haben die Möglichkeit, ihre Pferde an die große Arena der Soers zu gewöhnen.

Wie kompatibel ist das hochsensible Pferd im Leistungssport mit dem globalen Business? Wie verdaut es die langen Flüge, den Klima- und Zeitzonenwechsel?

Kemperman: Wenn ich Pferd wäre, würde ich lieber sieben Stunden nach Peking fliegen als viel mit dem Lkw unterwegs sein. Bei Flügen fallen keine Kurven, Ampeln oder andere Stopps an. Wenn die Pferde in der Luft sind, dann geht es nur noch geradeaus. Was Klima und Zeit angeht: Die Reiter sagen, den Pferden merke man die Umstellung nicht an. Sie würden auf jeden Fall aber viel Ruhezeit auf den Reisen bekommen.

Was kostet von Deutschland aus ein Pferdeflug nach Peking?

Kemperman: Bis zu 15.000 Euro.

Die Europameisterschaft 2015 in Aachen wirft ihre Schatten voraus. Wie ist der Stand der Planungen?

Kemperman: Auf jeden Fall erweitern wir das Deutsche-Bank-Stadion und bauen auf der offenen Seite eine Tribüne. Weitere Maßnahmen fließen in die Infrastruktur, allem voran unter dem Boden in die mediale Verkabelung, W-Lan wird im kompletten Stadion eingerichtet, der Technologie gelten große Anstrengungen. Der Komfort auf der Aachen-Münchener-Tribüne soll größer werden, behindertengerechte Wege werden ausgebaut, wie immer sind auch die Toiletten ein Thema. Kurzum: Wir wollen das gesamte Stadion schlicht verschönern.

Wie sehen Sie den Stand des Kampfes gegen Doping?

Kemperman: Der Pferdesport hatte 2008 nach den Olympischen Spielen, ganz offen gesagt, Probleme. Die sind der Nationale und Internationale Verband in Ruhe und sehr erfolgreich angegangen. Es wird sicherlich immer wieder mal einen Fall geben, denn die Kontrollen sind – auch beim Training – endlich so engmaschig geworden, wie wir das von Beginn an gefordert haben. Fakt ist, dass es in Aachen keinen Fall gab und es im Pferdesport ein funktionierendes System gibt, das permanent verbessert wird.

Der ALRV fordert mehr Fläche für sein Gelände, zumal die FEI seit Jahren für den CHIO nur Sondergenehmigungen erteilt, weil unter anderem die Pferdetrucks verbotenerweise im Stallbereich stehen. Was hat sich getan?

Kemperman: Unsere Gespräche mit der Stadt befinden sich in der finalen Phase. Wir erwarten in Kürze eine Entscheidung.

Wie wäre es denn mit dem benachbarten Tivoli?

Mronz: Der ist gebaut worden, damit Alemannia Aachen erfolgreich Fußball spielt. Und ich bin überzeugt davon, dass der Verein nach seiner Krise wieder den Weg nach oben findet. Im Übrigen ist das Stadion ausschließlich für Fußball konzipiert worden.

Wie sehr betrifft den ALRV das Schicksal der Alemannia?

Mronz: Es ist nie gut für eine Region, wenn ein wichtiger Imageträger Probleme hat. Aber manchmal bleibt das leider nicht aus, wie Beispiele anderer Fußballvereine mit neuen Stadien auch zeigen – wenngleich nicht in so extremer Form wie in Aachen. Aber ich habe das Gefühl, dass die Dinge am Tivoli – auch mit dem neuen Wirtschaftskreis – zügig und professionell angegangen werden. Es wäre zu wünschen, dass dies so bleibt. Das war nämlich nicht immer so.

Wie erklären Sie sich die Dramatik der Krise? Wo lag der Anfang?

Mronz: Es war von Beginn an klar, dass die Erschließungskosten für den Neuen Tivoli an diesem Standort wesentlich höher werden. Die das so nicht gesehen haben, haben einfach weggeschaut. Das muss man im Rückblick verurteilen. Aber das ist vergossene Milch, man ist gut beraten, nach vorne zu schauen. Der Verein hat mit seiner Ausstrahlung weiterhin genug Potential. Davon bin ich überzeugt.

Herr Mronz, eine Frage an Sie als Vermarkter von Totilas: War der Kauf des vermeintlichen Wunderpferdes für Paul Schockemöhle und Ann Kathrin Linsenhoff in Höhe von kolportierten zehn Millionen Euro ein Flop?

Mronz: Man sollte die Dinge bewerten, wenn sie abgeschlossen sind. Totilas ist noch weit vom Rentenalter entfernt. Natürlich hätten wir uns sportlich anderes gewünscht. Aber dass es grundsätzlich zwischen Matthias Rath und Totilas stimmt, davon bin ich überzeugt. Das Paar hatte im letzten Jahr weltweit eines der besten Ergebnisse überhaupt. Das zeigt doch, dass die Kombination stimmt, wenn beide fit und gesund sind.

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