Aachen - Dicker Scheck und dickes Knie...

Dicker Scheck und dickes Knie...

Von: Klaus Schmidt und Bernd Schneiders
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Das Lächeln des Siegers: Eric Lamaze unmittelbar nach seinem Triumph im Großen Preis von Aachen. Foto: Uwe Anspach

Aachen. Ein Kanadier ist das Maß aller CHIO-Dinge: Eric Lamaze triumphierte vor 51.000 Zuschauern mit einem Höllenritt im Stechen beim Großen Preis von Aachen. Um 24 Hundertstelsekunden hatte sein Hengst Hickstead die Nüstern vorn und verwies den Schweizer Pius Schwizer mit Carlina und den Spanier Sergio Alvarez Moya auf Action-Breaker auf die Plätze. Ein Erfolg mit Ansage: Der 42-Jährige ist Olympiasieger und Weltranglistenerster.

„Es ist der Traum eines jeden Reiters, den Großen Preis in Aachen zu gewinnen. Ich bin sehr glücklich, die Woche so zu beenden. Dieser Sieg ist nach der Goldmedaille bei den Olympischen Spielen das Highlight meiner Karriere.”

Der Sieger strahlte, aber humpelte: Lamaze hatte sich bei einer scharfen Wendung das Knie verdreht, das wenige Minuten später bereits dick geschwollen war. Die 115000 Euro Preisgeld aber werden die Schmerzen wohl gelindert haben.

Publikumsliebling Ehning

Es war der erste kanadische Erfolg zum CHIO-Abschluss. Der letzte deutsche Gewinner (2006) musste sich mit einem Trostpflaster begnügen, das er bereits vor dem Springen erhalten hatte. Marcus Ehning wurde zum Publikumsliebling gewählt, verpasste allerdings nach dieser Ehrung mit einem überflüssigen Fehler an der Zweifachen das Stechen.

Die deutsche Fahne hielt ausgerechnet Meredith Michaels-Beerbaum hoch: Bei der Nominierung für die Equipe zum Nationenpreis war die 40-Jährige noch außen vor, weil sie nach der Geburt ihrer inzwischen viereinhalb Monate alten Tochter Brianne-Victoria noch nicht im Rhythmus sei, wie Bundestrainer Otto Becker befand.

„Die Tür ist noch auf”, hatte der Herr der WM-Nominierung schon vorher verkündet. Mit ihrem vierten Platz im Großen Preis aber hat Michaels-Beerbaum sie sicherlich ein Stückchen weiter geöffnet. Eine Rivalin ist ihr aber in Janne-Friederike Meyer erwachsen. Die 29-Jährige überzeugte auch bei ihrem ersten Großen Preis in Aachen mit einem fehlerlosen Tempo-Ritt im ersten Umlauf. Doch dieser Speed wurde ihr auf dem relativ kleinen, aber sprint- und sprungstarken Lambrasco bei der Dreier-Kombination in Durchgang 2 wohl zum Verhängnis. „Vielleicht hätte ich sie ruhiger angehen sollen”, sagte die Hamburgerin. Doch am Gesamturteil der CHIO-Novizin änderte diese Erkenntnis nichts: „Ich bin total froh.”

Deutsches Quintett

Nach dem ersten Umlauf war die Nationen-Preis-Equipe mit Ehning, Marco Kutscher und Meyer noch zusammen, abgesehen von Ludger Beerbaum, der sich nicht für den Großen Preis hatte qualifizieren können.

Michaels-Beerbaum und Daniel Deusser machten daraus ein deutsches Quintett. Doch die Früchte für den zweiten Durchgang hatte Parcoursbauer Frank Rothenberger viel höher gehängt: Im Klub der internationalen Doppel-Nuller war Michaels-Beerbaum das einzige deutsche Mitglied.

Und im Stechen gab´s auch keinen Mutterschutz: Der Spanier Sergio Alvarez Moya, der Schweizer Pius Schwizer und der Kanadier Eric Lamaze distanzierten die gebürtige US-Amerikanerin mit ihren jeweils dritten fleckenlosen Runden. „Mama Meredith” bekleckerte ihre bis dahin weiße Weste mit zwei Flüchtigkeitsfehlern.

„Vielleicht war die Kraft dann weg. Die ersten beiden Runden waren vom Allerfeinsten. Aber im Stechen musste ich richtig gehen mit zwei schnellen Männern hinter mir. Ich musste das tun”, verteidigte sich die Amazone.

Schwager Ludger bewies Verständnis für die acht Fehlerpunkte. „Sie musste alles riskieren.” Und der hochrangige Zuschauer urteilte: „Der Richtige hat gewonnen.” Lamaze also. Aber was heißt der Richtige? Seit Sonntagnachmittag ist klar: Nicht unbedingt das Pferd, das am höchsten springt, setzt sich durch. Ansonsten hätte Caballero gekrönt werden müssen. Das Baby unter den gestarteten Vierbeinern wollte mit seinen acht Jahren hoch hinaus.

Der holsteinische Wallach von Daniel Deusser mochte sich nicht mit den 1,60 m des Steilsprungs am achten Hindernis begnügen. Er legte eigenhufig die Latte höher und übersprang sogar den Pfeiler des Hindernisses, der die obere Stange um gut 20 Zentimeter überragte. Das „Hohe Gericht” im Springstadion wollte diesen Riesen-Satz nicht so recht goutieren und nahm das Paar aus dem Springen: Caballero war vom rechten Pfad abgekommen und hatte die Hürde links neben dem weißen Fähnchen, das auf dem Pfeiler die Einflugschneise markiert, überwunden. „So etwas habe ich auch noch nicht erlebt. Aber es spricht natürlich für das Pferd”, schmunzelte Deusser. „Caballero ist ein Ausnahmepferd: Ich stelle mir die Frage, ob man so etwas unbedingt abläuten muss.”
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