Bundestrainer kritisiert Dressur-Modus: „Durcheinander”

Von: Michael Rossmann, dpa
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Schmezer
Bundestrainer Holger Schmezer (Bildmitte). Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn es um das neue Regelwerk der Dressur geht, wird der sonst so ruhige Bundestrainer ärgerlich. Holger Schmezer muss sich sichtlich zurückhalten, um bei seiner Kritik diplomatische Worte zu wählen. Die Änderungen für die Olympischen Spiele, die derzeit beim CHIO in Aachen angewendet werden, und ein Pilotprojekt für das Richterwesen bezeichnete der Coach am Donnerstag als „Durcheinander”.

Der geänderte Modus ist nach Schmezers Ansicht vor allem wenig zuschauerfreundlich.

Zwei wesentliche Neuerungen für die Olympischen Spiele werden in Aachen angewendet. Jedes Team besteht nur noch aus drei Reitern und nicht mehr aus vier Startern, von denen nur die Ergebnisse der drei besten zählen. Das Team-Ergebnis wird nicht nach dem ersten Tag aus dem Grand Prix ermittelt, sondern erst nach der Addition mit dem Special am Samstag. „Der Zuschauer möchte auch nach dem ersten Tag einen Sieger, den gibt es aber nicht”, sagte Schmezer. „Das bringt den Sport nicht nach vorne.”

Neu ist in Aachen zudem, dass es statt fünf Richtern jetzt sieben plus drei Supervisor gibt. „Da sitzen welche als Supervisor, die als Richter zu alt sind, da macht man sich doch unglaubwürdig”, klagte Schmezer über das indirekte Aufheben der Altersgrenze von 70 Jahren. „Das System muss nicht geändert werden, das ist übertrieben”, kritisierte er die Aufstockung des Richterpersonals: „Wichtiger ist, dass sie sich generell einigen über die Notengebung.”

Die Reduzierung des Teams auf drei Reiter beim CHIO hält Schmezer für wenig sinnvoll. „Das ist ein Kompromiss für Olympia”, erklärte der 63-Jährige aus Verden. „Aber bei anderen Veranstaltung sind alle für die Regelung mit vier Reitern und einem Streichergebnis.” Wenn sich beispielsweise ein Pferd verletze, „dann ist eine Topmannschaft gesprengt”. Sie würde aus der Wertung fallen.

Aachen gilt nach Rotterdam als zweiter Test des Olympia-Modus, der eventuell auch auf WM und EM ausgeweitet werden soll. „Hoffentlich endet der Test mit der Erkenntnis, dass es nichts bringt”, sagte Schmezer, der seit 2001 für die deutsche Dressur-Nationalmannschaft zuständig ist.

Entwickelt worden sind die Änderungen von einem Gremium unter Vorsitz von Frank Kemperman, dem Turnierdirektor des CHIO. „Wir wollen den Sport noch attraktiver und verständlicher machen”, sagte Kemperman. Er glaubt, dass der Sport durch das neue Richtverfahren „gerechter und transparenter” wird. Der aus den Niederlanden stammende Kemperman ist zudem seit November Vorsitzender des Dressur-Komitees des Internationalen Reiterverbandes FEI.
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