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Xhakas Grätsche, Favres Ahnung und Arangos Moment

Von: Heribert Förster
Letzte Aktualisierung:
xhaka borussia
Ungesühnt Grätsche: Borussias Granit Xhaka holte in der 53. Minute im Strafraum Josip Drmic von den Beinen - und durfte weiterspielen. Foto: stock/Zink

Mönchengladbach. Manch ein Schiedsrichter hätte die gerade erst so richtig begonnene Karriere des Granit Xhaka am Samstag beendet. „Ich höre mit 21 Jahren auf Fußball zu spielen, wenn der Schiedsrichter da Elfmeter gibt“, sagte der Schweizer. Er hatte in der 53. Minute mit einer wilden Grätsche im Strafraum zwar den Ball getroffen – aber auch Landsmann Josip Drmic von den Beinen geholt. Christian Dingert, der – nachsichtig formuliert – nicht seinen besten Tag hatte, blies nicht in seine Pfeife.

Xhaka spielt somit weiter Fußball, die Borussia bekam nicht den möglichen K.o. versetzt – und kam endgültig zurück in die Partie.

Doch nach dem glücklichen 3:1-Erfolg würdigte zunächst kein Borusse den eigenen Kraftakt, den unbändigen Willen, die prächtige Moral, den sechsten Sieg im sechsten Heimspiel. Lobeshymnen ergossen sich über den Tabellenletzten, der zwar ohne einen verdienten Punkt, aber mit der Gewissheit ins Frankenland zurückfahren durfte: Die Tabelle lügt doch. Xhaka spendete ein „Riesenkompliment an Nürnberg“, Christoph Kramer fand, „das haben sie fantastisch gemacht“.

Und auch Trainer Lucien Favre gratulierte erst einmal seinem traurig dreinblickenden Kollegen Gertjan Verbeek zu einer „großen Leistung“. Satte 66 Kilometer hatten die wunderbar organisierten und aggressiv pressenden Gäste in der ersten Halbzeit abgespult, der Lohn war mit Drmics Tor (21.) eher karg. „Nach 20, 25 Minuten habe ich nur noch gehofft, dass wir nur mit einem 0:1-Rückstand in die Pause gehen“, berichtete Favre später, schöpfte aber schon zu diesem Zeitpunkt trotz der beeindruckenden Nürnberger Dominanz mit einem bärenstark aufspielenden Japaner Hiroshi Kiyotake Hoffnung. Der Schweizer Trainer war sich sicher, „dieses Tempo können sie nicht durchhalten“.

Der Trainer als „Seher“: Nach der Pause bauten die Gäste in der Tat ab, die Borussen legten zu, gingen viel Risiko (Favre: „Manchmal war es mir zu viel“) und hatten dem Tabellenplatz entsprechend Glück. Und Juan Arango. Der Venezolaner, der genau wie Offensivkollege Raffael nicht seinen besten Tag erwischt hatte, bekam in der 72. Minute den Ball vor seinen linken Fuß gepasst, die bis zu diesem Moment so bissigen Nürnberger ließen dem 33-Jährigen das bisschen Platz, das er für einen seiner Kunstschüsse benötigt – und es stand 1:1.

Wie wertvoll selbst an durchschnittlichen Tagen ein Fußballer der Marke Arango sein kann, bewies er drei Minuten später, als die Nürnberger dem Tabellenplatz entsprechend Pech hatten und Niklas Stark einen Freistoß Arangos ins eigene Tor lenkte (hätte er es nicht gemacht, wäre Christoph Kramer zur Stelle gewesen). Patrick Herrmann setzte dann den Schlusspunkt (87.), so dass Borussias Sportdirektor Max Eberl bilanzieren durfte: „Mit Moral und Engagement habern wir die Tore erzwungen und den Sieg erarbeitet.“

Und von einem Missverständnis profitiert. Denn mit der Auswechslung von Per Nilsson (62.) verloren die Gäste ein Stück ihrer Souveränität. Der Abwehrchef war überrascht, dass er raus musste. Verbeek hatte einem Hinweis von Außenverteidiger Timothy Chandler vertraut, wonach Nilsson, der in der Halbzeit behandelt worden war, nicht weiterspielen könne. Aber der Routinier hätte gerne weiter den Boss gegeben. Diese Szene passte bestens in das Gesamtbild eines Tages, der nicht als einer der glücklichsten in die „Club“-Annalen eingehen wird.

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