Und Raffael denkt, es sei Abseits: Gladbach vergibt Chancen

Von: Bernd Schneiders
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Kapitale Chance: Der Mainzer Stefan Bell (rechts) blockt den Torschuss von Gladbachs Raffael ab. Foto: dpa

Mönchengladbach. Kann Borussia Mönchengladbach nur noch 1:1, wie schon am Donnerstag in der Europa League beim FC Zürich? Wieder reichte ein Gegentreffer, um den Traum vom vierten Saisonsieg und die Verteidigung von Platz 2 hinter dem FC Bayern platzen zu lassen.

Anders als in der Schweiz ging die Favre-Elf gegen Mainz 05 in Führung, doch mit Unterstützung von Schiedsrichter Manuel Gräfe kamen die Gäste noch vor der Pause zum Ausgleich. Der Berliner schlug ein weiteres Kapitel im dicken Wälzer umstrittener Handelfmeter auf. Campbell Diaz hatte mit einer Flanke den Arm von Julian Korb getroffen. Der Borusse hatte diesen zwar abgewinkelt, doch die Bewegung ging nicht zum Ball. Der Rechtsverteidiger versuchte sogar, den Arm wegzuziehen – der Schuss traf ihn trotz der Meidbewegung. Nicht einmal die Mainzer forderten Strafstoß. Aber natürlich nahmen sie ihn dankend an. Jonas Hofmann verwandelte zum 1:1 (31.).

„Absolut keine Absicht“

„Das ist bitter. Der Ball springt mir an die Hand, doch es war keine Absicht“, schimpfte Korb. „Ich weiß nicht, ob ich mir das nächste Mal die Hände auf den Rücken binde.“ Sein Trainer echauffierte sich noch stärker: „Diese Regel ist absurd. Die wurde erfunden aus Gründen des Business oder von einem, der nie Fußball gespielt hat.“

Doch dieser unglückliche bis unverdiente Nackenschlag begründete nicht allein die Schwierigkeiten, die die Borussen gegen die Gäste vom Rhein besaßen. Den Mainzer eilte natürlich der Ruf voraus, extrem unangenehm zu spielen. Das war bereits in den letzten Jahren unter Thomas Tuchel der Fall. Und das hat sich auch unter dessen Nachfolger Kasper Hjulmand nicht geändert – frag nach bei Borussia Dortmund.

Für die niederrheinische Borussia hatte Hjulmand eine Waffe übernommen, die letztes Jahr bereits unter Tuchel stach: Der Däne wartete in der Abwehr mit einer Fünferkette auf. In diesem engmaschigen Netz sollte sich das so flexible und spielstarke Sturmduo verfangen. Schon früh aber flutschte einer durch: Kruse, der durch seine Nationalmannschaftsnominierung sichtlich beflügelt ist. Sein 1:0 auf Vorlage von Fabian Johnson hätte als Vorbild für viele folgenden Situationen dienen können. Mit rechts nahm er den Pass an und zog in Sekundenbruchteilen mit links ab: ein wunderschöner Treffer zum 1:0 (15.). Doch der Anschauungsunterricht setzte sich nicht nachhaltig in die Borussen-Köpfe.

Nach einer guter Anfangsphase ging der Borussen-Schwung peu à peu verloren. Die geistige Schnelligkeit hatte offenbar durch den Einsatz Donnerstag – Sonntag gelitten. Und das, obwohl Lucien Favre gleich fünf Frische auflaufen ließ: Herrmann, Raffael, Wendt, Johnson und Kramer ersetzten André Hahn, Thorgan Hazard, Alvaro Dominguez, Branimir Hrgota und Nordtveit. Schnelle Spieler hatte Favre genug auf dem Platz, doch das ist nicht stets gleichbedeutend mit schnellem Spiel. Häufig fehlte den Pässen die Präzision, der Ball wurde zu lange geführt und Einzelaktionen gegen die Fünferkette nicht konsequent genug ausgeführt.

Dennoch erspielte sich Gladbach überraschend viele Chancen gegen dieses Abwehrnetz. Das ließ Favre seine Spieler loben: „Es war eine gute Leistung.“ Allerdings mit dem Nachsatz: „Wir sollten klar gewinnen.“ Doch gerade sein Lieblingsschüler Raffael verpasste es, diese zu krönen. Schon vor der Pause scheiterte der Brasilianer kläglich nach einem Super-Haken (41.). Den Höhepunkt aber lieferte er kurz vor Schluss. Nach einer brillanten Kombination schoss er aus kurzer Distanz Stefan Bell auf der Torlinie an (89.). „Normalerweise macht er den im Traum“, glaubt Xhaka. In dem Reich befand sich Raffael offensichtlich auch. „Ich dachte, es sei Abseits“, lautete seine verblüffende Entschuldigung. Doch Xhaka duldete keine Ausreden. „Wer so viele Chancen vergibt, hat den Sieg auch nicht verdient.“

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