Mönchengladbach - Tony Jantschke sieht die Borussia „auf einem Superweg“

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Tony Jantschke sieht die Borussia „auf einem Superweg“

Von: Heribert Förster
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Ein Blick in die Zukunft: Für Tony Jantschke liegt sie fußballerisch bei Borussia Mönchengladbach, bis 2018 ist der Defensivspieler an den Klub gebunden. Der bald 24-Jährige (Jantschke ist am 7. April 1990 in Hoyerswerda geboren) kam als 16-Jähriger vom FV Dresden-Nord zur Borussia, unterschrieb 2009 seinen ersten Profivertrag. Foto: sport/Schwörer

Mönchengladbach. Er ist Mönchengladbachs „Mr. Zuverlässig“, hat als einziger Feldspieler der Borussia in der Hinrunde der Fußball-Bundesliga bei allen Spielen vom An- bis zum Abpfiff auf dem Platz gestanden. Tony Jantschke, 23, Defensiv-Spieler, Defensiv-Liebhaber. Und trotz seiner Jugend schon sehr erfahren, ein wichtiger Bestandteil des Teams.

Vielleicht sitzt er nach seiner überstandenen Fußprellung am Samstag gegen Hertha BSC erstmals in dieser Saison nur auf der Bank. Frustrieren wird ihn das nicht, denn er sieht immer das „große Ganze“. Auch nach neun sieglosen Spielen oder einem furiosen Erfolg in Dortmund.

90 Minuten reichen manchmal wie in Dortmund, um aus einem Krisenklub eine gefeierte Mannschaft werden zu lassen. Wie empfinden Sie diese Schnelllebigkeit?

Jantschke: Ich mag die überhaupt nicht, ich sehe immer das gesamte Produkt, die Entwicklung seit den Relegationsspielen gegen Bochum bzw. der Übernahme des Traineramts durch Lucien Favre. Und da denke ich, dass wir auf einem Superweg sind. Klar ist aber auch: Die Leute wollen heute dieses Schnelllebige, was zugegebenermaßen auch seine guten Seiten hat – man kann eine schlechte Phase mit einem Sieg schnell vergessen lassen...

Sie sind erst 23 Jahre alt, aber schon sehr erfahren. Auch was große Erfolge und einige Ängste bei und mit der Borussia angeht. Hat sich Ihr Umgang mit Erfolg und Misserfolg im Laufe der Zeit verändert?

Jantschke: Ich probiere, so viel Abstand wie möglich zu halten in der Freizeit. Wenn ich hier auf dem Platz, am Stadion bin, dann ist alles fokussiert auf Borussia. Wenn man nach Hause fährt, dann sollte man probieren abzuschalten – in guten wie in schlechten Zeiten. Dich nicht zu viel feiern lassen einerseits, aber auch nicht zu viel grübeln andererseits. Es frisst dich nur auf, wenn du dich dauernd hinterfragst.

Der 2:1-Erfolg in Dortmund war sehr wichtig – und Sie waren wegen Ihrer Fußprellung nicht dabei. Wie haben Sie die 90 Minuten erlebt?

Jantschke: Ich war nicht im Stadion, ich war zu Hause mit meiner Familie. Dort, auf der Tribüne oder auf der Bank, ist es immer schlimmer, als wenn du selbst spielst. Ich hab‘ soooo mitgefiebert. Auch wenn der Sieg am Ende vielleicht ein bisschen glücklich war, er war sehr wichtig für uns. Ob ich jetzt dabei war oder nicht, das ist zweitrangig.

Der Sieg war auch wichtig für die Stimmung rund um die Borussia. Gegen Augsburg gab es schon Gegrummel, Pfiffe.

Jantschke: Das ist im Fußball immer so. Wenn du eine schwierige Phase hast, sind die Leute ganz schnell ungeduldig. Ich habe eine ganz andere Denkweise. Ich bin Basketball- und Football-Fan, und natürlich fluche ich auch mal. Aber ich bin noch nie auf die Idee gekommen, dass ich jemanden auspfeife. Ich finde das nicht schlimm, würde es aber nicht selbst machen. Aber wenn jemand pfeift, um sich abzureagieren, ist das besser, als wenn man Becher oder andere Sachen wirft.

Die Mannschaft hat in Dortmund gut gespielt. Julian Korb hat Kevin Großkreutz aus dem Spiel genommen, Alvaro Dominguez nichts anbrennen lassen, und Martin Stranzl war am Ende in Unterzahl der Turm in der Abwehrschlacht. Wen verdrängen Sie am Samstag aus der Startelf?

Jantschke: Ich weiß es nicht. So eine Verletzung ist immer ungünstig. Mal schauen, wie und was der Trainer plant. Wir haben jetzt eine Englische Woche vor uns, das wird sehr anstrengend. Wir müssen abwarten.

Aber wenn Sie fit waren, haben Sie unter Lucien Favre immer gespielt. Bei 105 Bundesliga-Spielen von Favre waren Sie 97 Mal im Kader und 95 Mal in der Startelf. Da gehen Sie doch bestimmt davon aus, auch am Samstag zu spielen?

Jantschke: Ich habe eigentlich immer gespielt, das stimmt. Aber wenn die Mannschaft dann ein Spiel gewinnt, kann es sein, dass man ein weiteres Spiel draußen sitzt. Über kurz oder lang habe ich aber doch ganz gute Aussichten, dass ich wieder spielen werde.

Vielleicht auch wie gegen Augsburg im defensiven Mittelfeld, wo neben Christoph Kramer ein Platz frei sein wird…

Jantschke: Ich glaube, Granit Xhaka wird gesund sein. Und dann gehe ich davon aus, dass er auf dieser Position spielen wird. Das mit mir war ja nur eine Notlösung.

Am wohlsten fühlen Sie sich in der Innenverteidigung?

Jantschke: Im Moment ja. Aber auch wenn ich hinten rechts spielen würde, wäre das okay.

Hatten Sie schon immer eine Vorliebe für die Defensive, und was fasziniert Sie so an der Abwehrarbeit?

Jantschke: Angefangen habe ich wie so viele als Stürmer. Dann bin ich mit 14 oder 15 Jahren ins defensive Mittelfeld gewechselt und auch für diese Position von der Borussia geholt worden. Von Christian Ziege bin ich dann in der Innenverteidigung eingesetzt worden, als wir mal viele Verletzte hatten. In der U17-Nationalmannschaft hat mich Heiko Herrlich dann als linker Verteidiger aufgestellt, da wir damals auf dieser Position nur einen Spieler hatten. Und als Michael Frontzeck Borussen-Trainer wurde, bin ich rechter Verteidiger geworden. Ich wollte schon immer in der Defensive spielen, das eigene Tor verteidigen. Und wo ich das mache, ist mir eigentlich egal. Ich sehe im Fernsehen auch lieber ein 0:0 als ein 5:4.

Ihr Vertrag bei der Borussia läuft bis 2018, Lucien Favre hat gerade bis 2017 verlängert. Sie werden also noch lange zusammenarbeiten. Was zeichnet den Trainer aus, und wie ist Ihr Verhältnis?

Jantschke: Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, das hat Lucien Favre aber generell zu allen Spielern, nicht nur zu mir. Was gut ist: Du kannst ihm immer die Wahrheit sagen. Der Trainer kommt auch auf einen zu, redet viel mit uns Spielern. Und wenn mal irgendetwas nicht stimmt in der Mannschaft, dann sind Filip (Daems), Martin (Stranzl) und ich seine ersten Ansprechpartner. Der Trainer kennt uns, er weiß, wie wir ticken.

Haben Sie einen Karriereplan, oder denken Sie gemäß des Gladbacher Credos, nur von Spiel zu Spiel zu denken, auch nur von Jahr zu Jahr?

Jantschke: Das klingt vielleicht ein bisschen komisch, aber ich denke immer nur an Borussia, habe überhaupt keinen Karriereplan. Im Fußball ist mein Plan ganz klar Gladbach, deshalb habe ich bis 2018 verlängert. Einen Plan habe ich eher bei dem, was ich neben der Borussia mache.

Und was ist das neben dem Platz?

Jantschke: Ich mache ein bisschen was mit Immobilien. Sportlich ist mein Fokus nur auf die Borussia gerichtet.

Wird’s denn mal den Trainer oder Manager Tony Jantschke geben?

Jantschke: Nicht unbedingt. Wenn ich jetzt aufhören müsste, könnte ich mir etwas im Jugendbereich vorstellen, ansonsten glaube ich nicht, dass ich in diesen Bereichen aktiv werde.

Ein Blick voraus, Samstag steht das Spiel gegen Hertha BSC an.

Jantschke: Wir müssen den Schwung auf jeden Fall mitnehmen, nachdem wir uns in den letzten Spielen oft nicht belohnt und zu wenig Kapital aus unseren guten ersten halben Stunden geschlagen haben.

Es gab keine Frage zur möglichen Teilnahme an der Europa League...

Jantschke: Och, das hätte mich aber nicht gestört. Ich weiß ja, dass die Frage meistens gestellt werden muss. Vielleicht haben wir Spieler auch den Fehler gemacht, zu viel über Champions League und Europa League geredet zu haben, so dass wir dadurch zu verkrampft waren. Wir wollten wahrscheinlich zu viel, den dritten Platz unbedingt halten. Und dann haben wir uns nicht mehr aufs Wesentliche konzentriert. Auch wenn’s banal klingt: Es ist wichtig, von Spiel zu Spiel zu denken. Es bringt niemandem etwas, jetzt schon an die Abschlusstabelle zu denken.

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