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Thomas Schaaf: „Sie harmonieren besser, sie spielen besser“

Von: Frank Hellmann
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Sie spielen viel, sie feiern viel: Borussia Mönchengladbach jubelnd bei ihren Fans nach dem 16. ungeschlagen überstandenen Pflicht-Auftritt in dieser Saison. Foto: sport/Reviersport
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Das Lächeln des Siegers: Borussias Erfolgs-Trainer Lucien Favre. Foto: sport/Schwörer

Frankfurt. Borussia Mönchengladbach bietet derzeit nicht nur einen formvollendeten Fußball an, sondern fährt auch in einem formschönen Mannschaftsbus durchs Land. Als die Protagonisten nach dem Pokalspiel im Frankfurter Stadtwald ins Gefährt namens „Linie 1900“ einstiegen, wussten sie noch nicht, was der 2:1-Sieg ihnen als nächsten Gegner bringen würde.

Erst auf der A3 Richtung Niederrhein um kurz vor Mitternacht wurde die Delegation gewahr, dass Anfang März nächsten Jahres fast exakt die gleiche Dienstreise bevorsteht.

Statt mit dem Erstligisten Eintracht darf sich die Borussia dann im Achtelfinale mit dessen Erzrivale Kickers Offenbach messen. Ein Gastspiel bei einem Viertligisten: Es hätte schlimmer kommen können, auch wenn Sportchef Max Eberl pflichtschuldig vor dem Underdog warnte, „der uns ein Bein stellen will“, und die Spieler Patrick Herrmann und Tony Jantschke sogleich eine Nachricht vom Ex-Borussen Fabian Bäcker empfingen, der alle Aufmüpfigkeit des Außenseiters ausdrückte. „Das war’s für euch“, schrieb der Kickers-Akteur seinen Kumpels aus dem Internat im Borussia-Park – und setzte dahinter ein Smiley. Und dann ist da noch Flügelflitzer André Hahn, der eben das Sprungbrett Offenbach gebrauchte, um in der Bundesliga durchzustarten. „Das war mein Wunschlos.“ Er freue sich riesig darauf, wieder am Bieberer Berg zu spielen. „Ich weiß, wie hitzig die Atmosphäre dort ist.“ Aber muss Mönchengladbach diesen Gegner fürchten? Mitnichten.

Die Fohlenelf ist auf Erfolg getrimmt: Wettbewerbsübergreifend 16 Spiele hat dieses austarierte Team nicht verloren – der Uraltrekord von 17 Partien datiert noch aus 1970/71 unter Hennes Weisweiler. Wenn jetzt am Sonntag das Verfolgerduell gegen 1899 Hoffenheim ansteht, lautet die Devise für Ibrahima Traoré so: „Wir wollen nicht ungeschlagen bleiben, wir wollen das Ding gewinnen.“ Der guineische Irrwisch mit französischer Staatsbürgerschaft verspricht „den Fans ein gutes Fußballspiel“. Und darin klang beim Torschützen nullkommanull Prozent Übermut oder Überheblichkeit durch.

„Egal, wer bei uns aufläuft – alles läuft perfekt“, hat Traoré noch verkündet, und dass die Frankfurter Stadionregie den Kultsong „Auf Uns“ einspielte, hat sich sehr passend angehört – das von Andreas Bourani besungene „Hoch auf uns“ durften die Gäste für sich reklamieren. „Sie harmonieren besser, sie spielen besser“, räumte der ernüchterte Eintracht-Trainer Thomas Schaaf hernach ein. Trümpfe sind eine bestens abgestimmte Defensive wie eine perfekt eingespielte Offensive. Und nach dem Konterfußball befindet sich auch das Ballbesitzspiel im breiten Angebot.

Wer das feine Grinsen des stillen Lehrmeisters Lucien Favre („Wir haben ein paar Automatismen, und alle Spieler kennen das“) vernahm, der konnte Anflüge stiller Genugtuung beobachten. Zwei Jahre ist es jetzt her, dass der akribische Schweizer nach dem Weggang von Marco Reus, Dante und Roman Neustädter prophezeite, es werde gewisse Zeit dauern, dieses Niveau wiederherzustellen. Nun wähnt sich der 56-Jährige an jenem Punkt – und das ist beachtlich für einen Klub, der mit rund 37 Millionen Euro Personalkostenetat auskommt. Normalerweise verbietet es sich in dem geldgetriebenen Geschäft bei so einem Budget, ein Champions-League-Teilnehmer zu werden, aber konservieren die Kicker in den weißen Trikots mit den schwarz-grünen Längsstreifen diese Form und diese Bodenhaftung, dann könnte die Hierarchie im Westen wirklich aufbrechen.

Elementar dafür ist die größere personelle Vielfalt, die mit gewitzten Verpflichtungen wie der erst 21-jährigen Chelsea-Leihgabe Thorgan Hazard geschaffen wurde. Der jüngere Bruder des prominenten belgischen Superstars Eden Hazard legte dabei nicht nur wegen seines Tores eine eindrucksvolle Leistung hin. „Die Mischung vorne hat gut funktioniert“, lobte Favre, der inzwischen so reibungslos rotieren lässt, dass sich kaum noch eine erste Elf ermitteln lässt.

Bei so prächtigen Perspektiven blickte der Trainer in der Causa DFB-Pokal ausnahmsweise mal über das nächste Spiel hinaus. „Vor zweieinhalb Jahren haben wir gegen den FC Bayern im Halbfinale gespielt – jetzt wollen wir weiter kommen.“ Bis zum Finale am 30. Mai 2015 in Berlin?

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