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Stephan Schippers: Der Manager hinter Gladbachs Finanz-Erfolg

Von: Bernd Schneiders
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Entscheidungen fällt er stets als Manager, nie als Fan, der er auch ist: Stephan Schippers. Foto: sport/Revierfoto
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Ein Gespann, das auch zusammen entspannen kann: Geschäftsführer Stephan Schippers und Sportdirektor Max Eberl. Foto: sport/Schwörer Foto

Mönchengladbach. Er verkörpert die Sachlichkeit und Solidität dieses Vereins. Doch wenn Stephan Schippers zu einem Auswärtsspiel fährt, ist Borussia Mönchengladbachs Geschäftsführer am liebsten allein – aus unsachlichen Gründen. Wie etwa die 400 Kilometer nach Wolfsburg. „Dann will ich nicht mit jemandem über Fußball reden. Mein Puls ist dann schon bei 200.“

Seit Kindesbeinen ist der 46-Jährige Fan des Traditionsklubs. Und vor und nach dem Spiel steckt der Herr der Zahlen voller Emotionen. Und dann hat Schippers, anders als sein Trainer Lucien Favre, das Glück, dass ihm in diesen gefühlsbetonten Momenten kein Mikro entgegengereckt wird. Auch die Rückfahrt erlebt der Mönchengladbacher schweigend. Aufnahmebereit wird er erst wieder gegen spätabends, „wenn mir mein Sohn noch mal das Spiel erklärt“.

Glücksmomente, ähnlich wie die an einem „Freitagabend, wenn Borussia gewonnen hat und du gehst damit ins Wochenende“. In den letzten Jahren haben sich solche Momente wieder häufiger eingestellt, wofür letztlich auch der gelernte Steuerberater verantwortlich ist. Aber darüber spricht er am liebsten gar nicht. Fakt aber ist: Aus einem hochverschuldeten Klub, der kurz vor dem Gang zum Amtsgericht stand, ist ein blühendes Fußball-Unternehmen geworden. „Heute machen wir einen Umsatz von 100 bis 110 Millionen Euro“, staunt selbst der so nüchterne Geschäftsmann über den Wandel.

Freude über zwei Tabellen

Doch im Vordergrund allen wirtschaftlichen Handelns steht der Sport. Umso schöner, wenn beides Hand in Hand geht. So kann sich Stephan Schippers gleich an zwei Tabellen erfreuen. Die Favre-Elf schließt die Saison auf Rang 6 ab. In der Rangliste der TV-Gelder-Empfänger stand Platz 5 bereits vor dem letzten Spieltag fest. Dies sagt mehr über die sportliche Wertigkeit des Klubs aus als die Bilanz der Spielzeit 2013/2014 (siehe Grafik). Neu ist ab der Saison 2014/15, dass die Klubs spätestens nach dem 34. Spieltag wissen, wieviel Geld sie aus dem TV-Topf erhalten. Die Differenz etwa zwischen einem kalkulierten Rang 6 und einem erreichten Platz 15 stellt keinen Klub mehr vor Probleme.

Stephan Schippers war als Aufsichtsratsmitglied der DFL wesentlich an der Modifizierung beteiligt. „Jetzt gibt es Planungssicherheit für die Klubs.“ Rechtzeitig zur Sommerpause, in der die meisten Vereine auf dem Transfermarkt aktiv werden. Am 1. August fließt die erste Rate der erspielten Summe, die quartalsmäßig ausgezahlt wird. Mönchengladbach erhält durch Platz 5 der TV-Rangliste 30,42 Millionen Euro. Ein fürstlicher Betrag, der auch den sportlichen Aufschwung des Klubs widerspiegelt. „Das heißt, wir waren der fünftstabilste Verein innerhalb der Liga, trotz unserer Relegationsspiele 2011 gegen Bochum. Nur die Bayern, Dortmund, Leverkusen und Schalke rangieren in der Wertung der letzten fünf Jahre über uns.“

Ähnlich freudig registriert der Geschäftsführer Platz 6 in der aktuellen Bundesligatabelle. „Darauf können wir mehr als stolz sein.“ Das Primat des Sports gilt für diesen Geschäftsführer, bei aller Freude über Bilanzen, wirtschaftliche Erfolge und Pläne. „Wir bleiben immer ein Fußballverein.“ Da passt es, dass kein Nadelstreifenanzug dem so nüchtern kalkulierenden Manager zur zweiten Haut wird. Der gebürtige Mönchengladbacher ist und bleibt bodenständig.

Der 46-Jährige ist erdnah und offen, wirkt eher wie ein westfälischer Kaufmann, der seine Verträge immer noch per Handschlag besiegelt, als ein mehrmals chemisch gereinigter Top-Manager. Dieses Geerdetsein schützt auch vor sportlichen Höhenflügen, von denen viele Fans ergriffen werden. „Als wir zur Winterpause auf Rang 3 rangierten, war mir klar, dass das über der Realität lag. Genauso wenig aber hat es mich nachhaltig beunruhigt, als wir so zäh in die Rückrunde gestartet sind.“

Der Realismus regiert, was auch bei der Budgetplanung durchschlägt. Das war bereits vor zwei Jahren so, als der Kader trotz des Investitionsrekords für Luuk de Jong und der Gewissheit, zusätzliche Einnahmen durch das Play-off-Spiel in der Champions League gegen Kiew und die anschließende Gruppenphase in der Europa League zu erzielen, so aufgestellt wurde, dass auch die letzte Saison 2013/2014 ohne finanzielle Schwierigkeiten absolviert werden konnte.

Nicht anders geht Schippers für die kommende Spielzeit vor. Basis der Kalkulationen sind die Play-off-Spiele zur Europa League. „Und das bringt eh keinen Gewinn ein. Nur die Gruppenphase würde die Kasse zusätzlich mit 4 bis 5 Millionen Euro füllen.“

Selbst Träume sind realistisch

Hoffnungen oder Eventualitäten sind in Mönchengladbach keine Grundlage von Planungen. Selbst die Träume sind realistisch durchwebt. Eine Deutsche Meisterschaft kommt darin nicht vor. Wohl aber „perspektivisch sich unter den ersten Sechs festzusetzen – mit Tuchfühlung auf Platz 4.“

Der Weg dahin aber soll nicht sprunghaft oder mit (finanzieller) Gewalt unternommen werden. Spielerberater und abgebende Klubs, die bei der Meldung über die ungewöhnlich lange Vertragsverlängerung mit Hauptsponsor Postbank (bis 2020) Eurozeichen in die Augen bekamen, können diese wieder schließen: „Das geht doch über die Laufzeit. Und obendrein haben wir schon vier Spieler verpflichtet.“

Der Sponsor-Deal sei ein Signal, „aber vorher und nachher – bei uns entscheidet der Sport.“ Der wird auch wohl noch aktiv werden, aber schon traditionell unter der Prämisse: „Wir geben nur das aus, was wir haben.“ Und die Zusammenarbeit mit Sportdirektor Max Eberl ist so eingespielt, dass der Manager genau weiß, wenn ein Veto kommt, sind es wirtschaftliche Zwänge.

Den Druck, Gladbachs 25er-Kader wegen einer möglichen Dreifachbelastung zu erweitern, sieht Schippers grundsätzlich nicht. „Der Trainer muss auch noch damit vernünftig trainieren können.“ So steht Qualität vor Quantität. Und die soll nicht immer nur von außen kommen. „40 Prozent stammen aus unserem Nachwuchs. Dazu kommen gestandene Profis, die sie führen können.“

Eine Superstar-Verpflichtung gehört nicht zur Vereins-Philosophie

Einen Superstar zu verpflichten, einen Ausreißer – auch was das Gehalt angeht – gehört nicht zur Philosophie des Klubs. „Es gibt bei uns unterschiedliche Gehälter. Wenn etwa unser A-Jugendlicher Mahmoud Dahoud zum Kader stößt, verdient er natürlich weniger als ein Arango, ein Tony Jantschke oder auch ein Julian Korb. All das besprechen wir mit Max Eberl.“

Den Abgang von Juan Arango sieht er zwiespältig. „Ein ganz toller Fußballer.“ Aber Borussias Realitätssinn machte bei dem bald 34-Jährigen keine Ausnahme. Auf einen Einjahresvertrag mochte sich der Venezolaner nicht einlassen – anders als „ein Martin Stranzl, Roel Brouwers und ein Filip Daems“, merkt Schippers an.

Viele der 100 Mitarbeiter sind bereits mehr als 15 Jahre dabei. Schippers liebt Kontinuität auch in diesem Bereich. „Wie wir mit-   einander umgehen, wie erfolgreich wir zusammen arbeiten – das erfüllt mich mit Freude und Stolz.“ Die Ereignisse im Jahr 2011, der abgewehrte Umsturz durch eine Opposition, schweißte das Team Borussia noch mehr zusammen.

Was für ein Gefühl aber ist es für einen Manager, wenn das Wohl und Weh eines nachgewiesen gesunden Unternehmens durch die unprofessionellen Hirngespinste einiger Selbstüberschätzer so am seidenen Faden hängen kann? „Das ist Fußball“, sagt Stephan Schippers.

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