Mönchengladbach - Schlägt jetzt die (halbe) Stunde für Hrgota & Co.?

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Schlägt jetzt die (halbe) Stunde für Hrgota & Co.?

Von: Bernd Schneiders
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Hält viel von dem schwedischen Stürmer, zeigt sich das bald auch in Spielen? Gladbachs Trainer Lucien Favre mit Branimir Hrgota. Foto: sport/MIS

Mönchengladbach. Nein, über Luuk de Jong wolle er nicht mehr reden, sagte Max Eberl am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel am Samstagabend in Hannover. „Darüber ist genug gesagt und geschrieben worden.“ Und dieses Bekenntnis des Mönchengladbacher Sportdirektors kam auch nur auf Nachfrage. Bezeichnenderweise wurde Lucien Favre nicht gefragt.

Dabei hätte der Schweizer zurechtrücken können, dass der Transfer des niederländischen Stürmers vor anderthalb Jahren keineswegs an ihm vorbei und erst recht nicht gegen seinen Willen gelaufen ist. Die Vorbehalte gegenüber einem „Einkauf“, speziell wenn er noch eine erkleckliche Summe Geld kostet, sind bei dem Schweizer immanent.

Das war nicht anders bei Granit Xhaka. In der zur Übergangssaison ausgerufenen Saison 2012/2013 war der Schweizer Mittelfeldspieler anders als de Jong sogar ein Teil des Problems der damaligen Mannschaft. Und ist heute Stammspieler. Diese Geduld bewies Favre mit de Jong nicht. Dabei hatte Max Eberl schon früh gesagt, dass Marco Reus, dem Favre so sehr und auch öffentlich nachtrauerte, nicht durch einen Spieler ersetzt werden könne.

Also entschied man sich für einen Torjäger, die zweite Hälfte konnte erst ein Jahr später realisiert werden, dann aber gleich doppelt mit Raffael und Max Kruse. Bei dem Spielverständnis des 56-jährigen Trainers eine unüberwindbare Doppel-Hürde für de Jong.

Morgen also in Hannover Spiel 1 ohne den 23-jährigen Torjäger. Das wird nicht weiter ins Gewicht fallen, die Pseudo-Minuten - wenn Favre sie ihm denn gewährte – hatten keinen Einfluss aufs sportliche Geschehen. Spannender wird die Konstellation nun auf der Reservebank. Max Eberl hat sie dadurch befeuert, dass er eben – Stand Donnerstagabend – keinen neuen Stürmer geholt hat. Steigen dadurch die Chancen von Branimir Hrgota, Amin Younes und Peniel Mlapa? Alle drei haben den Vorteil, noch nicht durch Nicht- oder Zu-spät-Einwechslungen den Stempel verpasst bekommen zu haben: Der Trainer glaubt nicht an mich!

Speziell Hrgota rangiert in der persönlichen Rangliste des Trainers mit den extremen Ansprüchen sehr hoch – was sich aber auch bei dem schwedischen Talent nicht unbedingt in den Spielzeiten niedergeschlagen hat. Die Causa de Jong macht abseits von wirtschaftlichen Erwägungen nur dann einen Sinn, wenn Hrgota, der nicht nur schnell und torgefährlich, sondern auch äußerst flexibel einsetzbar ist, aber auch Younes und Mlapa nicht nur verbales, sondern auch praktisches Vertrauen geschenkt bekommen.

Gladbach hat keine geborenen Nörgel-Charaktere auf der Bank sitzen. Aber auf Strecke wird auch der fügsamste Fußball-Profi, so er denn noch ehrgeizig ist, sich fragen, warum ein Trainer nicht wechselt, wenn der Spieler X (wie Arango oder Herrmann in so manchem Spiel) oder Y (wie etwa Xhaka jüngst gegen Bayern) darum bettelt. Dabei geht es nicht um Entwicklungszeiten, die speziell den jungen Spielern eh zustehen. Es geht um die Mannschaft und ihre Leistung.

Nicht nur bei den Offensiv-Kräften. Einem Havard Nordtveit zu erklären, warum er am Freitagabend nicht zumindest einen Versuch auf der Doppelsechs wert gewesen ist, als überdeutlich wurde, dass Xhaka nicht seinen besten Tag hatte, dürfte schwierig sein.

Borussia Mönchengladbach hat einen Luuk de Jong verloren – ob für immer, wird sich zeigen. Dieser sportliche und menschliche Verlust kann aufgefangen werden durch die Erkenntniss, dass die Einwechsel-Mentalität des Trainers vielleicht nicht gänzlich geändert, zumindest aber modifiziert werden kann und muss. Hannover bietet die erste Plattform für diesen Lernprozess.

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