Roel Brouwers‘ Kampf gegen die erste Ehe-Krise

Von: Bernd Schneiders
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Gladbachs Innenverteidiger Roel Brouwers möchte gegen Düsseldorf sein Tor-Versprechen einlösen. Foto: imago

Mönchengladbach. Roel Brouwers ist schwerer geworden. Seit dem 22. Dezember. Um etliche Karat: Borussia Mönchengladbachs Fußball-Profi trägt erstmals in seinem Leben einen Ring. In der Winterpause ist der Innenverteidiger in die Offensive gegangen und hat seine langjährige Freundin Saskia getraut.

34 Tage verheiratet, Urlaubsreise auf die Malediven, das erste Rückrundenspiel gegen Hoffenheim bestritten – gab’s auch schon die erste Ehekrise? „Wir haben noch keine gehabt“, beteuert der Niederländer treuherzig.

Vor einer Woche aber ist er buchstäblich haarscharf dran vorbeigeschrammt. Fürs Spiel in Sinsheim hatte er versprochen, sein erstes Tor im Jahr 2013 seiner Saskia zu widmen. Um dann eine ebenso ungewöhnlich hochkarätige wie einfache Torchance per Kopf zu verschludern. „Saskia hat‘s mir nicht übel genommen.“

Köpft es sich als Ehemann denn schwieriger? „Der ist mir abgerutscht“, beschreibt Brouwers. Hatte der 1,90 Meter große Verteidiger etwa zu viel Gel aufgetragen? „Nein, normalerweise geht der rein. Aber ich weiß nicht, wie das passieren konnte.“

Doppelt ärgerlich deshalb, weil das Toreschießen oder -köpfen seine einzige Möglichkeit ist, sich der Polyvalenz-Forderung und -Vorliebe seines Trainers anzunähern. Vielseitig ist der 31-Jährige nun wirklich nicht. Die Innenverteidigung ist sein einzig möglicher Arbeitsplatz. Seine Torgefährlichkeit, besonders bei Standards, ist ein Plus, um im Duell mit Platzhirsch Martin Stranzl bei Lucien Favre zu punkten. Umso ärgerlicher, dass er beim torlosen Rückrunden-Auftakt patzte.

Heute gegen Fortuna Düsseldorf bekommt er erneut die Gelegenheit, seine Saskia zu ehren und im schier aussichtslosen Kampf mit dem österreichischen Routinier auf sich aufmerksam zu machen. Stranzl ist nach seiner Grippe noch zu geschwächt für einen Einsatz. „Roel ist vielleicht so viel schwächer im Zweikampf und so viel schwächer im Kopfball“, sagt Sportdirektor Max Ebel und hält Daumen und Zeigefinger gefährlich nahe aneinander.

Es ist fast tragisch: Roel Brouwers kann machen, was er will, er kann sich nicht festspielen. Anders als etwa ein Oscar Wendt, der verletzungsbedingt für Filip Daems einspringen durfte und jetzt die erste Wahl als Linksverteidiger ist, obwohl der Belgier wieder fit ist. „Roel müsste mal sieben oder acht Spiele am Stück bestreiten“, sinniert Eberl, der aber nicht verhehlen kann, überglücklich zu sein, so eine Abwehrgröße zu besitzen, die bei Bedarf stets von null auf 100 da ist. Und die obendrein nie klagt.

„Natürlich bin ich frustriert, wenn ich nach ein, zwei Spielen wieder auf die Bank muss“, sagt Deutschlands zuverlässigster Reservespieler, der er eigentlich auch nicht wirklich ist. „Ich habe 17 Spiele absolviert“, zeigt sich der Mann, der in Heerlen geboren wurde und lebt, leidlich zufrieden. Champions-League-Qualifikation und Europa League machen’s möglich, dass Brouwers zum Zuge kommt, ohne von Viren, Verletzungen oder Sperren zu profitieren.

Ein zusätzlicher Ansporn, bei seinen Einsätzen alles abzurufen, um diese zusätzliche Spielwiese auch für die nächste Saison zu erhalten. Sich noch individuell zu verbessern, hält er für wenig realistisch. „Ich glaube kaum, dass ich durch zusätzliches Training schneller oder taktisch besser werde.“ Doch eine Schwachstelle bearbeitet er mit vielen individuellen Einheiten: „Meinen linken Fuß.“

Diese Zusatzschichten aber absolviert er in Heimarbeit – mit Söhnchen Finn, der gerade mal zwölf Monate alt ist. „Den trainiere ich beidfüßig“, schmunzelt Papa Roel. Immerhin ist Finn seit Geburt Borussen-Mitglied. In drei Jahren will ihn sein Erzeuger bei seinem Heimatklub Weltania Heerlen anmelden, „oder vielleicht gleich in Gladbach.“ Dabei könnte Beidfüßigkeit unterstützen.

Heute aber steht erst einmal die einfüßige Aufgabe gegen Fortuna Düsseldorf an. „Ein kleines Derby“, urteilt der Limburger. „Ich vermisse das große gegen Köln.“ Dass sich seine Mannschaft in der Offensive auch für ein kleines Derby verbessern muss, ist Brouwers klar. „Aber wir haben auch nur wenig zugelassen“, kontert er die einhellige Kritik an der Leistung gegen Hoffenheim.

Wird Borussia denn versuchen, höher zu stehen als in den letzten Heimspielen gegen Mainz und Freiburg? „Ich finde nicht, dass wir zu tief stehen“, verteidigt der 80 Kilo plus Ehering schwere Abwehrrecke sich und seine Mannschaft. Diese „Hochstapelei“ aus dem Munde eines Niederländers? „Klar, ich bin Fußball-Deutscher.“

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dominguez, Wendt - Cigerci - Nordtveit, Marx, Arango - Herrmann, de Jong

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