Mühe mit Favres Geburtstagsgeschenk

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
8838391.jpg
Die Flanke bekommt die richtige Wendung: Patrick Herrmann lenkt den Ball an Gegenspieler Tobias Strobl und Torwart Baumann vorbei zum 2:1 für Mönchengladbach. Foto: sport/Horstmüller

Mönchengladbach. Lucien Favres Augen funkelten verdächtig. Bereits vor dem Spiel und während der letzten Minuten hatten gut 52 000 Zuschauer – die vielleicht 409 Hoffenheim-Fans bereits abgezogen – Borussia Mönchengladbachs Trainer ein Geburtstagsständchen gegeben. Nun aber, nach dem 3:1-Sieg über die Kraichgauer huldigte ihm noch einmal die Nordkurve.

Die Augen des Schweizers schimmerten, aber wenn man ihn gefragt hätte, hätte der nun 57-Jährige wohl auf Reflexionen des Flutlichts hingewiesen. Lieber nutzte der Gladbach-Coach die unter die Haut gehende Huldigung als Steilpass für ein Kompliment. „Dieser Kontakt mit den Fans ist fantastisch“, gestand der Fußballlehrer. „Es ist ein großes Glück, dass unsere Fans und Supporter was vom Fußball verstehen. Das hilft uns ungemein.“

Auch an diesem Nachmittag. Denn der Sieg war einer, der verdient war, aber in keiner Phase leicht fiel. Zum ersten Mal in dieser Saison schien die Belastung der letzten Wochen nicht spurlos an den Protagonisten vorbeigegangen zu sein. Nur zäh und mühevoll vermochten Kramer & Co. die Offensivmaschine anzukurbeln.

Speziell in der ersten Halbzeit. Solche Momente sind nicht an sich neu. Aber diesmal kam hinzu, dass auch die Abwehr bis zur Pause so viele Fehler beging, wie noch nie in dieser Saison. „Wir mussten uns Hoffenheim ein bisschen zurechtlegen“, umschrieb Christoph Kramer diese Holperstrecke recht prosaisch. Es war ein Glück für die Gastgeber, dass die Gäste nicht mehr Kapital aus dieser ungewohnten Konstellation schlugen. Immerhin aber konnte ihr Trainer Markus Gisdol konstatieren: „Bis zur Halbzeit ist es uns gelungen, das Spiel offen zu halten – aber mit einem Rückstand.“

Gladbach überraschte mit Ungenauigkeiten, Fehlpässen im Aufbau auch der Sorte „tödlich“ – selbst durch so solide Abwehrspieler wie Martin Stranzl – und mangelnder Zweikampfschärfe. Aber die Favre-Elf hatte auch hier bereits lichte Momente. Etwa nach einem Steilpass auf der linken Seite von Kramer auf Patrick Herrmann, der perfekt für André Hahn zum 1:0 auflegte (12.). Und auch umgekehrt funktionierte diese Kombination zur erneuten Führung, als Hahn auf rechts durchging und Herrmann den Ball fußgerecht servierte (32.). Dazwischen hatte lediglich Anthony Modeste die Unzulänglichkeiten der Borussen zum 1:1 ausgenutzt (30.).

Erst nach der Pause kam die Elf vom Niederrhein in ihren Rhythmus. Die Fehler in der Defensive ließen nach, nun besaß die Mannschaft die so lang vermisste Spielkontrolle. Der einzige Makel: Gladbach schlug nur noch einmal zu. Erneut war es Herrmann, der im Nachschuss nach einem Freistoß von Havard Nordtveit zum 3:1 traf (52.). „Bei einer Niederlage wäre der Trainer-Geburtstag im Eimer gewesen“, beschrieb der zweifache Torschütze die Erleichterung an diesem speziellen Tag. Lediglich die Schleife um das Drei-Punkte-Paket verrutschte leicht.

Als Hoffenheim nach dem 1:3 aufmachte, verschluderten die Favre-Schüler die vielen Konterchancen. Es wäre bei voller Konzentration leicht gewesen, Platz zwei durch zwei weitere Tore zu halten. Aber das Auspacken des Sieggeschenks wurde versüßt durch die Einstellung des 44 Jahre alten Weisweiler-Rekords: In 17 Pflichtspielen ist die Borussia mittlerweile ungeschlagen.

Lucien Favre ist zu höflich, um öffentlich einzugestehen, dass ihn solche Zahlen recht wenig interessieren. Dafür durfte er innerlich lächeln, als sein Kollege bewundernswert offen mitteilte, was er von Statistiken hält. „Wir waren in allen Kategorien besser“, interpretierte Markus Gisdol die Spieldaten: „Bei den Torschüssen, im Ballbesitz und in der Zweikampfquote. Überall waren wir besser – aber auf dem Spielfeld war Gladbach besser.“

Diese Realität drückte den Coach nicht wirklich. „Wir haben das abgeliefert, was wir aktuell können.“ Borussia kann mehr, als sie gestern gezeigt hat. „Wir haben nicht ganz so frisch gewirkt – auch im Kopf“, hatte auch Sportdirektor Max Eberl beobachtet. Womöglich litt auch Christoph Kramer unter diesem Phänomen. Für Gladbacher Fehler fand er einen Schuldigen am Boden: den Rasen. „So einen kann man vielleicht in Braunschweig präsentieren“, lautete sein weltmeisterliches Urteil. Der Rat seines Sportdirektors: „Auf Fußball konzentrieren!“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert