Luuk de Jong: Ein Stürmer im Vierminutentakt

Von: Bernd Schneiders
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Bittere Momente: In allen Bundesligaspielen ist Gladbach-Stürmer Luuk de Jong für Trainer Lucien Favre (links) nur eine Randfigur. Foto: sport/Moritz Müller

Mönchengladbach. . . . und die im Schatten sieht man nicht. Etwa Luuk de Jong. Der niederländische Stürmer steckt bei Borussia Mönchengladbach in der Zwickmühle. Je besser es läuft für den Tabellenvierten der Fußball-Bundesliga, umso schlechter sieht es für seine Karriere aus, die mächtig ins Stocken geraten ist.

Auch heute gegen Verfolger Schalke 04 wird der 23-Jährige nicht über einen Minuten-Einsatz hinauskommen. Trainer Lucien Favre hat keinen Grund, die Anfangsformation zu verändern, wenn ihn nicht Sperren oder Verletzungen dazu zwingen.

Und so liest sich die Einsatzbilanz für den immer noch jungen Niederländer, der von Twente Enschede zur Borussia auch wechselte, um den nächsten Schritt in seiner fußballerischen Entwicklung zu machen, desaströs: Nicht ein Mal stand de Jong in der Bundesliga in der Startelf, alle Einsatzzeiten addiert kommt der Stürmer nicht mal auf eine komplette Spielzeit: 64 Minuten durch zehn Einwechslungen, da ist der Spielraum, auf sich aufmerksam zu machen, minimal.

„Ich muss auf meine Chance warten und weiter hart arbeiten“, gibt de Jong tapfer von sich. In seinem Inneren mag es anders aussehen. Da helfen ihm die Hinweise auf vermeintlich ähnliche Schicksale im Gladbacher Kader, die noch einem Happyend zugeführt wurden, nur wenig. Granit Xhaka benötigte auch viele Denkpausen auf der Bank und noch mehr Übungszeiten auf dem Trainingsplatz, bis er sich in die Stammelf zurückarbeitete.

Julian Korb war vor der Saison schon mit anderthalb Beinen als Leihgabe bei einem Zweitligisten, bevor ihn der verlängerte Urlaub von Tony Jantschke, seine guten Leistungen als dessen Vertreter in den Vorbereitungsspielen und in den letzten sieben Ligaspielen nach Jantschkes Versetzung in die Innenverteidigung den 21-Jährigen in Favres erste (Aus-)Wahl katapultierten.

Doch diese Beispiele taugen nur bedingt zum Mutmachen, ebenso wie der geschichtliche Hinweis auf Martin Dahlin. Der schwedische Torjäger stand in seiner ersten Saison am Bökelberg (1991/1992) nur vier Mal in der Anfangsformation und spielte nur einmal über komplette 90 Minuten. Aber all diese Spieler hatten nicht den „Haken!, den de Jong besitzt, und der sich spätestens seit dieser Saison als riesig erweist: Sie alle passten ins System.

Doch Luuk de Jong ist ein Stürmer, der sich zwar nicht auf das Vorwort Stoß- reduzieren lässt, aber trotz aller technisch-fußballerischen Qualitäten im Vergleich zum Dauer-Duo Max Kruse/Raffael abfällt: Der 1,88 m große Schlaks hat nicht die Wendigkeit seiner Konkurrenten. Sein Alleinstellungsmerkmal ist die Kopfballstärke, die aber im vorgegeben Flachpass-System offensiv nicht zum Tragen kommt.

Die Erfolgssträhne der Gladbacher, die stark mit der Qualität ihres neuen Sturm-Duos zu tun hat, lässt den Niederländer eingestehen: „Der Trainer hat alles richtig gemacht.“ Es gibt – womöglich zarter besaitete – Gemüter, die zumindest punktuell daran zweifeln. Auch wenn Favre von Natur aus nur ungerne und wenn dann ex-trem spät wechselt: Es hat für den Schweizer schon mehr Chancen gegeben, den Edelreservisten einzuwechseln und damit das Gefühl zu vermitteln: „Du gehörst dazu, und ich vertraue Dir.“

Es hat auch durchaus schon Spiele gegeben, wo es vorne mächtig zwackte, ohne dass de Jong als Problemlöser versucht wurde. Luuk de Jong kann sich noch nicht einmal sicher sein, nach Raffael und Kruse die Nummer 3 zu sein. Beim letzten Heimspiel wurde erst Branimir Hrgota eingewechselt – und dann bekam der Niederländer eine – vierminütige (!) – Präsentationsmöglichkeit.

Derzeit nur vierte Wahl

Vierte Wahl, keine Spielpraxis – aber von den Qualitäten des Stürmers sind rund um den Borussia-Park noch viele Beobachter überzeugt. Auch im Klub. Einer ist Max Eberl, der vor zwei Jahren nach dem Verlust von Marco Reus für den damals 21-Jährigen die Vereinsrekordsumme von 12 Millionen Euro bezahlte.

Natürlich weiß der Sportdirektor, dass de Jongs Qualität und Potenzial derzeit brachliegen. Und als ehemaliger Profi weiß er, wie elend sich sein Stürmer fühlt. Doch bestätigt durch das Verletzungspech in der Abwehr, will Eberl nicht mit weniger als vier Stürmern durch die Saison gehen. Gäbe er de Jong frei, müsste er nachbessern und dafür Geld bekommen – bei einem Verkauf angesichts des derzeitigen Marktwertes des Stürmers illusorisch, bei einer Ausleihe eh unmöglich. „Wir haben kein Interesse daran, im Winter Spieler abzugeben“, sagt deshalb Eberl kategorisch.

Das Risiko, den momentanen sportlichen Erfolg durch eine Reduzierung seiner Personal-Optionen zu gefährden, will der Manager nicht eingehen. Und so wird Luuk de Jong – wenn alles gut läuft – wohl sowohl heute gegen Schalke als auch in den restlichen 19 Begegnungen auf seine jeweils vier, fünf oder sechs Minuten kommen. Am Ende der Saison hätte er dann zumindest mehr als eine komplettes Spiel an Einsatzminuten gesammelt (90 Minuten).

Voraussichtliche Aufstellung: ter Stegen - Korb, Jantschke, Stranzl, Wendt - Kramer, Xhaka - Herrmann, Arango - Kruse, Raffael

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