Mönchengladbach - Kopfsache: Die Angst der Borussen vor einem Gegentor

Kopfsache: Die Angst der Borussen vor einem Gegentor

Von: Heribert Förster
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Er kann‘s nicht fassen: Max Kruse, Borussia Mönchengladbachs derzeit verhinderter Torjäger.

Mönchengladbach. Es ist schön, wenn ein Mönchengladbacher Fußball-Trainer noch solche Sätze sagen kann: „Wir haben fußballerisch sicher schon einmal besser gespielt. Aber am Ende zählt das Ergebnis.“ Sven Demandt konnte so entspannt referieren nach dem sicheren 2:0-Sieg seiner U23 in der Regionalliga West am Samstag bei Alemannia Aachen.

Rund 60 Kilometer weiter nördlich und zwei Stunden später fielen die Erklärungen nicht so leicht – sofern es denn überhaupt welche gab. Dem Übel auf der Spur sind am ehesten Sportdirektor Max Eberl und Defensivkraft Tony Jantschke. Es habe sich in den Köpfen festgesetzt „dass du Angst hast, Spiele fertig zu spielen“, glaubt Eberl, und Jantschke ist sich sicher: „Wenn du in der Hinrunde von Sieg zu Sieg schreitest und dann in so eine Krise rutschst, dann ist es doch ganz klar, dass das irgendwo eine Kopfsache ist.“

Der Fluch des Erfolgs: Nach der von den Ergebnissen her überwiegend furiosen Hinrunde und Platz drei nach den ersten 17 Spielen war die Erwartungshaltung beim Verein, bei den Spielern, Fans und Medien eindeutig zu groß geworden. Und nicht erst nach der bitteren 1:2 (1:1)-Heimpleite am Samstag gegen den FC Augsburg reift die Erkenntnis: Die Hinrunde war so, wie sie gelaufen ist, nicht gut für die Borussen – weil zu gut.

Wieder einmal gilt es, Trübsal zu blasen, wieder einmal gab die Borussia eine frühe Führung aus der Hand, wieder einmal gab es in der Folge eine große Anzahl richtig guter Chancen, wieder einmal wurden diese nicht genutzt, wieder einmal war mit dem ersten Gegentor die Angst im Spiel, wieder einmal nahm das Geschehen folgerichtig kein gutes Ende. Und wieder einmal musste Lucien Favre kundtun: „Wir sind über das Ergebnis tief enttäuscht.“ Die Konsequenz des Trainers verrät nur bedingt erfolgversprechende Ansätze. Wieder einmal sagt er: „Die einzige Lösung ist Arbeit, Arbeit und nochmals Arbeit.“

Der Schweizer ist ohne Frage ein guter Trainer und für das Gesamtgebilde Borussia Mönchengladbach ein wertvoller Baustein. Dass er in dieser schwierigen Situation nicht gerade innovativ handelt, muss der Verein so akzeptieren, auch wenn dem Trainer bei personellen Entscheidungen ein bisschen mehr Mut und Risikobereitschaft zu wünschen wäre. Favres Credo wird bleiben, Geduld zu predigen und zu hoffen, dass man mit Arbeit das Glück erzwingt.

Deshalb seine Tätigkeit bei der Borussia in Frage zu stellen, ist unsinnig. Und ganz nebenbei: Fragen an Manager Max Eberl nach dem Stand der Vertragsverhandlungen mit Favre sind scheinheilig, unseriös. Wer in dieser schwierigen Phase solche Fragen stellt, will nicht hören, morgen verlängert der Trainer bis 2017.

Dessen nächste Bewährungsprobe hat es in sich, Samstag steht Dortmund im Weg auf dem Weg zum ersehnten Erfolgserlebnis 2014. Gibt es überhaupt Hoffnungsschimmer? Einige wenige, kleine. Die Mannschaft tritt nach wie vor als Mannschaft auf, keiner hackt auf dem anderen herum. Und Chancen sind ja da.

Ob gegen Hoffenheim, in Bremen und Braunschweig oder aktuell gegen Augsburg: Die vier Möglichkeiten nach Raffaels humorlosen 20-Meter-Aufsetzer ins Gäste-Tor (5.) und vor dem Augsburger Ausgleich (35.) durch Halil Altintop waren keine der Marke, „geht-so-als Chance-durch“. Es waren vier richtig gute Möglichkeiten, bei denen FCA-Torwart Alexander Manninger seine Klasse unter Bewies stellte, als er gegen Kruse (10., 30.) und Jantschke (23.) prächtig reagierte und Raffael mit einem beherzten Herauskommen aus dem Tor irritierte (24.).

„Zu sehr auf das Gewinnen fixiert“

Das Leiden der Borussia ist derzeit ganz besonders das Leiden des Max Kruse. Minutenlang saß er nach der Partie noch auf der Bank, „da musste ich kurz innehalten und schlucken“. Nichts läuft derzeit beim Hinrunden-Helden, der Stürmer erarbeitet sich zwar Chancen und ist fleißig, doch zu viele technische Unzulänglichkeiten und Pech lassen Fußball für Kruse und Kollegen derzeit als etwas ganz Schwieriges erscheinen.

Dass Fußball ganz einfach sein kann, bewiesen die Augsburger nicht nur beim perfekten Konter zum Siegtreffer durch Tobias Werner (81.). Da war die Borussia munter nach vorne gestürmt, für Favre „zu sehr auf das Gewinnen fixiert“ – ohne allerdings wirklich den Eindruck erwecken zu können, es nach acht vergeblichen Versuchen zuvor auch wieder einmal zu schaffen.

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