Mönchengladbach - Einfach gut: Gladbachs stiller Brasilianer

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Einfach gut: Gladbachs stiller Brasilianer

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Typisch Raffael: den Ball eng am Fuß, der Blick geht trotzdem zum Nebenmann. Foto: sport/mika

Mönchengladbach. Es gibt Szenen, die sagen mehr als Worte. Und bei Raffael, Borussia Mönchengladbachs neuem Stürmer – mit bürgerlichem Namen Raffael Caetano de Araújo –, trifft dies gleich doppelt zu. Ein gelungener Auftritt beim 4:1 über Werder Bremen mit einem Tor und einer tollen Vorbereitung. Natürlich war der Brasilianer nach dem Sieg ein gefragter Mann, beim Passieren der Journalisten-Meute in der Mixed Zone.

Drei Fragen – drei Antworten: „Ja.“ Das war nicht boshaft, überheblich oder desinteressiert gemeint. „Was hat der Journalist denn da aufgeschrieben?“, fragte Raffael einen Mitarbeiter der Gladbacher Presse-Abteilung verblüfft. Soviel Notizen zu drei kleinen „Jas“...

Der 28-Jährige ist ein stilles Wasser, dessen Tiefe der Borussia vor allem auf dem Spielfeld zugutekommt. Und seine Sprach- oder besser Sprechfaulheit ist auch eine freundlichere als etwa die von Teamkollege Juan Arango, der seine Deutsch-Defizite genüsslich benutzt, um Interviews zu entkommen. „Man muss mich einfach so akzeptieren“, bittet Raffael um Verständnis. „Meine Familie und meine Freunde müssen das auch.“

Ihn im Interview zu fassen zu bekommen, ist eine der letzten journalistischen Herausforderungen. Doch ein echtes Bemühen ist dem stillen Stürmer nicht abzusprechen. „Ich bin einfach so. Aber auf dem Platz ist das anders.“ Der Ausweg: ein Interview auf dem Spielfeld! Raffael reagiert fast entsetzt. Um Gottes Willen: „Nein, nein, das geht nicht.“ Dort ist der ehemalige Hertha-Profi völlig konzentriert auf seinen Beruf, der auch seine Leidenschaft ist. Diese Fokussiertheit ist auch ein Werk seines Lehrers – Lucien Favre. Der hat diesen so sanft wirkenden Menschen, der nur in seiner Frühzeit in der Schweiz auch schon mal ruppig auf zu wilde Attacken reagierte, entscheidend geprägt. Zwei Jahre beim FC Zürich, fast zwei weitere Jahre bei Hertha BSC. Fast schien es so, als ob Raffael nur in Zusammenarbeit mit diesem Schweizer Tüftler funktioniert. Doch auf Schalke emanzipierte sich der Edel-Techniker von seinem Lehrherrn. „Als ich gekommen bin, war Schalke auf Platz neun, als ich gegangen bin Vierter. Es war zu Beginn nicht einfach. Aber ich habe immer im Training hart gearbeitet und gewusst, meine Chance wird kommen. Und dann muss man bereit sein.“ Das empfiehlt er auch Luuk de Jong, den er ungewollt auf die Bank verdrängte. „Ich weiß es: Eines Tages wird es mit mir und Max Kruse nicht funktionieren. Dann kommt Luuk rein, Flanke – und macht das Kopfball-Tor.“

Natürlich ist sein Verhältnis zu Favre ein besonderes, ein besonders enges. Doch Raffael hat in Berlin und Kiew erlebt, wie schnell Trainer nicht mehr da sein können. „Das kann auch mit Favre passieren. Aber dann bleibe ich. Ich will der Mannschaft helfen.“

Extrem mannschaftsdienlich

Und das kann er wie kaum ein anderer – und fast ohne Anpassungsschwierigkeiten. Gladbachs Offensive ist durch den 28-Jährigen flexibler, unberechenbarer und fußballerisch besser geworden. Was aber hält der Mann, der ihn am besten kennt, für die spezielle, die einzigartige Qualität dieses Fußball-Profis? „Er spielt einfach“, antwortet Lucien Favre. Das zeichnet große Künstler aus: die Reduzierung auf das Wesentliche, der Verzicht auf den Zierrat. Übersteiger, pseudo-brasilianische Tricks braucht der Stürmer nicht. Er spielt extrem mannschaftsdienlich, hat sich unter Favre auch Defensiv-Qualitäten angeeignet. Doch der ist – wenig verwunderlich – nie zufrieden. Die Entwicklung eines Fußballspielers ist für den 55-Jährigen ein permanenter Prozess. „Auch er kann sich noch verbessern: mehr in den Strafraum gehen, konsequenter den Abschluss suchen. Auch taktisch kann er noch dazulernen.“ Das gilt wohl selbst für Franck Ribéry. Und wie der Franzose ist Gladbachs Brasilianer einer der wenigen Bundesliga-Kicker, die den Ball gegen drei Gegner verteidigen können und trotzdem noch den Blick für den Nebenmann besitzen.

Ein Landsmann und ehemaliger Borusse namens Dante sagt über sich: „Ich bin nur im Urlaub Brasilianer.“ Raffael toppt das noch. „Ich nie!“ Das stimmt nicht so ganz. Drei Monate lang war er einer, als er als 18-Jähriger zum FC Chiasso in die Schweiz wechselte. „Drei Monate habe ich gelitten“, bekennt Raffael. „Alles war schlecht: das Wetter, das Essen, einfach alles. Ich wollte nur nach Hause.“ Die Hilfe kam aus der Heimat: Chiasso verpflichtete zwei weitere Brasilianer. Und dann war da immer noch sein Trainer. Der war Deutscher, mit einem versöhnlichen Namen: Schönwetter.

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