Radarfallen Blitzen Freisteller

Diesmal ist es ein Endspiel zum Genießen

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
7678892.jpg
Mönchengladbachs Trainer Friedel Rausch hätte Stefan Effenberg am liebsten nicht mehr losgelassen, nachdem sich die Borussia in einem Fernduell mit Köln und Karlsruhe 1998 in Wolfsburg den Klassenerhalt sicherte. Foto: sport/Team2

Mönchengladbach. Nein, Edmund Erlemann wird heute um 17.20 Uhr nicht die Glocken in Mönchengladbach läuten. Zwar steht am letzten Bundesliga-Spieltag erneut ein „Endspiel“ für seine Borussia beim VfL Wolfsburg an.

Doch anders als am 9. Mai 1998, als der inzwischen ehemalige Dompropst sein kirchliches „Ins-trument“ nach dem 2:0-Sieg und dem Klassenerhalt für irdene Freuden-Klänge nutzte, geht es für die Elf vom Niederrhein in der Autostadt nicht um die Existenz.

„Sehr interessant“

Und so sagt Trainer Lucien Favre vor dem Match etwas, was sein Vorvorvorvorvorvorvorvorvorvor-Gänger Friedel Rausch über die Aufgabe beim Werksklub nie so ausgedrückt hätte: „Ein sehr interessantes Spiel!“ Einmal ist es für Borussia ein Entscheidungsspiel auf hohem Niveau – bei einem Sieg hat der Gewinner Platz fünf und die Qualifikation für die Gruppenphase der Europa League sicher, selbst Platz vier und die Qualifikationsrunde für die Champions League sind möglich. Zum anderen wird auch der Negativfall süß abgefedert durch die Teilnahme an der letzten Play-off-Runde zur Europa League.

Die Nerven der Beteiligten sollten also nur freudig flattern: Es gibt mehr zu gewinnen als zu verlieren. Doch wer daraus schließt, der Großmeister der taktischen Disziplin aus Mönchengladbach würde seine Spieler ausgerechnet bei den „Wölfen“ von der defensiven Leine lassen, hat sich gewaltig geirrt. „Wer hat das gesagt?“ startete Lucien Favre sein Verhör bei der Pressekonferenz zum Saison-Finale.

Den Namen des Spielers, der eine offensivere Ausrichtung angekündigt hatte, erfuhr der Schweizer nicht. Zum Glück für den Taktik-Abtrünnigen. „Es wäre dumm von dem Spieler.“ Da aber Ausbilder Favre von seinen Profis immer auch Intelligenz einklagt, rettete er sich lieber in die Suggestion: „Sie erfinden das!“

Erfindungsgeist ist auf der Trainerseite nicht zu erwarten. Das Kompaktheitsgebot gilt für alle Fußball-Lagen – innerhalb einer kompletten Saison und den 90 Minuten während eines Spiels sowieso. Favre möchte nicht das Dominanz-System der Bayern kopieren. „Wir müssen verschiedene Phasen beherrschen.“ Heute in Wolfsburg, aber auch generell.

Ihm schwebt eine Variante vor. Hohes Stehen mit Forechecking, Massierung dies- und jenseits der Mittellinie, tiefes Stehen mit strukturierten Kontern, aber auch, falls nötig, weiten Schlägen sollen sich ablösen. Das alles schmälert nicht Favres allwöchentlichen Anspruch: „Wir wollen jedes Spiel gewinnen.“

Was macht Arango, was Kruse?

Interessant wird dabei heute sein, wie zwei Pfeiler seines Team-Gebildes ihre aktuelle Enttäuschung verarbeiten werden. Lässt sich ein Juan Arango in seinem letzten Pflichtspiel für Mönchengladbach hängen, nachdem feststeht, dass zwischen eigener und Borussias Wertschätzung eine unüberwindbare Kluft besteht? Reagiert Max Kruse mit Enttäuschung oder einer Trotzreaktion auf die Nichtnominierung weder für den WM-Kader noch das Länderspiel gegen Polen?

Die „Abfall-Produkte“ würden die Mannschaft unterschiedlich hart treffen. Der Venezolaner setzte seine Höhepunkte in den vergangenen Spielen und der Spielzeit immer seltener. Großen negativen Einfluss würde eine divenartige Unlust auf die Mannschaftsleistung kaum haben.

Anders bei Max Kruse. Borussias Hoch nach der verdaddelten Rückrundenstart-Phase hängt stark mit der wiedergewonnenen Form des Stürmers zusammen. Und selbst als es bei ihm nicht lief – lief er. Wie Arango besitzt der ehemalige Freiburger die Fähigkeit, ein Spiel zu entscheiden. Doch anders als beim südamerikanischen Ausnahmefußballer ist seine Form nicht so unvorhersehbar und launenabhängig. Kruses Vermögen ist strukturierter und verlässlicher.

Fällt er als Entscheider aus, bleibt er immer noch der Mannschaftsspieler. Dieser Restwert kann einer Mannschaft weiterhin helfen. Das ist angenehmer und einfacher für die Arbeit eines passionierten Mannschaftsentwicklers wie Lucien Favre. Doch Arangos magische Momente werden auch dem Schweizer fehlen, am liebsten aber erst ab Samstag 17.20 Uhr.

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Korb, Stranzl, Jantschke, Dominguez - Kramer, Nordtveit - Herrmann, Arango - Raffael, Kruse

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert