Die „Fallkünste“ des Max Kruse

Von: Christoph Ruf
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Max Kruse verwandelt den Strafstoß, der für ihn kein „hundertprozentiger Muss-Elfmeter“ war, sicher zum 2:0-Endstand. Foto: Schönberger

Nürnberg. Max Kruse ist ein ziemlich lässiger Profi. Einer, der ungerührt weiter Interviews gibt, wenn ihn ein paar Zentimeter entfernt ein Kollege beschimpft. Und einer, der ziemlich gelassen erklären kann, warum seine spektakuläre Rolle vorwärts in der 78. Minute „keine Schwalbe“ gewesen sei, das Resultat aber auch eben kein „hundertprozentiger Muss-Elfmeter.“ Überraschende Begründung: „Ich habe noch nie in meinem Leben eine Schwalbe gemacht.“

Tatsächlich nicht? Nürnbergs Kapitän Raphael Schäfer hatte jedenfalls das gleiche Problem wie jede hochauflösende Kamera: Die angebliche „leichte Berührung“ mit dem Fuß von Mike Frantz hatte auch er nicht erkennen können, weshalb er den Gladbacher Angreifer nach dem Spiel energisch in der Interviewzone anging. „Was soll das? Du willst Nationalspieler sein und springst vorher ab. Er trifft dich überhaupt nicht. Das hat mit Sport nichts zu tun.“

Kruse war das allerdings schon eine Viertelstunde vorher einerlei gewesen, er verwandelte den Elfmeter einfach selbst zum spielentscheidenden 2:0 (79.), nachdem Juan Arango schon in der Anfangsphase mit einem abgefälschten Freistoß getroffen hatte (18.). Während Nürnberg Vorletzter ist, rutscht die Borussia auf Rang vier vor. Die Champions League ist – auch dank der anhaltenden Leverkusener Krise – plötzlich eine realistische Perspektive. „Ich würde mir wünschen, dass Borussia in der kommenden Saison international spielt“, sagte Marc-André ter Stegen, und Sportdirektor Max Eberl – „wir spielen gut und haben das Glück auf unserer Seite“ – äußerte sich ebenfalls vorsichtig optimistisch.

Zurecht, denn trotz des berechtigten Ärgers über Kruses Fallkünste war der Gladbacher Sieg nicht nur verdient, er hätte auch deutlich höher ausfallen müssen. Allein Kruse hatte fünf hervorragende Möglichkeiten, die Führung auszubauen, scheiterte aber entweder an Keeper Schäfer, dem Pfosten oder schoss gleich am Tor vorbei (51./55./70./72./75.). Auch Alvaro Dominguez (73.) und Raffael (76.) vergaben weitere gute Möglichkeiten. Der Club hätte also gut und gerne seine zweite haushohe Heimniederlage nach dem 0:5 gegen den HSV Anfang Oktober kassieren können.

„In der zweiten Halbzeit mussten wir mehr riskieren, dadurch hatte Gladbach mehr Chancen“, ächzte Club-Verteidiger Javier Pinola, dem ansonsten auch nur die üblichen Durchhalteparolen einfielen. Dass man das nächste Spiel in Wolfsburg gewinnen müsse, stellten alle Nürnberger Spieler fest. Nur wie das gelingen soll, scheint fraglich. Einmal mehr hatte der Club gegen die Borussia eigentlich fußballerisch überzeugt, gar 55 Prozent Ballbesitz angehäuft, im entscheidenden Moment aber die fatale Mischung aus Unvermögen und Pech gezeigt, die ihn nun schon die ganze Saison verfolgt.

Borussen-Coach Lucien Favre war das einerlei. Er lobte erneut die Spielweise („sehr gut, sehr mutig“) einer Nürnberger Mannschaft, die ihn schon im Hinspiel beeindruckt hatte, um sich danach dem Spiel seiner Mannschaft zuzuwenden: „Es ist eine Tatsache, dass wir kein Tor aus dem Spiel heraus erzielt haben, in einigen Situationen hätten wir den letzten Ball besser spielen müssen“, monierte er. Ansonsten konnte aber auch der bescheidene Schweizer nur schwer seine Zufriedenheit verhehlen. Die Borussia hat derzeit einen Lauf – und mit ihrem ausgeklügelten Konterfußball durchaus das Zeug dazu, am Ende der Spielzeit einen Tabellenplatz zu belegen, der noch im Februar utopisch schien.

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