Mönchengladbach - Demut statt Träumereien von der Champions League

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Demut statt Träumereien von der Champions League

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Setzt Lucien Favre auch in Augsburg auf das erfolgreiche Pärchen? Strahlemann Branimir Hrgota (links) und Pokerface Max Kruse. Foto: sport/Chai v.d. Laage

Mönchengladbach. Der Mann würde sich in Mönchengladbach wohl fühlen: „Es ist immer die gleiche Leier. Das schöne Gerede geht mir langsam auf den Sack“, schimpfte Zlatko Junuzovic nach dem 1:4 mit Werder Bremen im Borussia-Park. „Wir spielen teilweise einfach schlecht.“

Seine Vorgesetzten waren dagegen bemüht, Positives aus der erneuten Klatsche zu ziehen – teilweise krampfhaft. Bei den Siegern des Mittwochabends hat dagegen die Wahrheit inzwischen Tradition. „Unser Sieg ist verdient, aber es war nicht so einfach, wie viele denken“, ordnete Lucien Favre den Dreier ein. Unterstützung bekam der Gladbacher Trainer von einem, der buchstäblich viel bewegte gegen den Tabellenletzten. „Das Ergebnis war ein bisschen hoch, trotz der vielen Torchancen.“

Hans Meyer, Gladbachs Trainerlegende der Neuzeit, hätte Freude an der Grundhaltung der Favre-Schüler: Demut ist eingekehrt im Borussia-Park – von einigen Zuschauern, die vorzeitig und lautstark auf der Suche nach einem Sündenbock waren einmal abgesehen. Sogar Max Kruse schließt sich der neuen Bewegung an. „Für mich zählt in erster Linie, dass wir drei Punkte geholt haben. Ich lebe im Hier und Jetzt und habe mir deshalb keine großen Gedanken darüber gemacht, wann ich das letzte Mal getroffen habe“, erklärte der Nationalspieler.

Und irgendwann flutschte ihm die Bemerkung heraus, dass er schließlich ja nur vom kurzfristigen Ausfall Raffaels (Muskelfaserriss, Hinrunde beendet)profitiert habe. Der einst Unverzichtbare, der noch vor kurzem auf seiner Facebook-Seite um Anregungen für den nächsten Torjubel gebeten hatte, hat seine Ersetzbarkeit zu spüren bekommen und akzeptiert. Favre hatte wohl geplant, mit Raffael und Branimir Hrgota anzufangen. Kruse nutzte den Sprung in die Startformation, um mit zwei Assists und einem Strafstoß-Tor seinen Stellenwert zu unterstreichen.

Sein Formhoch war so auffällig, dass er es nicht einmal nötig hatte, einen verbalen Steilpass aufzunehmen. Nach dem Anschlusstreffer der Bremer hatte der Sportwagen-Liebhaber mit einem fulminanten Fernschuss die schwächelnden Gladbacher aus ihrer Lethargie geholt. „Ein Weckruf? Nein, das habe ich nicht so gesehen“, wiegelte Kruse ab.

Gut möglich, dass Favre auch am Samstag beim FC Augsburg auf das Formhoch seines Angreifers setzt, auch wenn er am Mittwochdurchgespielt hat. Sein Partner könnte erneut Branimir Hrgota heißen. Beide ergänzten sich gut, Kruse dabei in der „Raffael-Rolle“. „Wir haben schon gewechselt, aber ich war derjenige, der ein bisschen tiefer gespielt hat und mehr abgekippt ist“, beschrieb der Offensivspieler. Die Staffelung stimmte, und der Schlusspunkt sowieso: Europapokal-Spezialist Hrgota (8 Treffer) gelang das 4:1. „Endlich macht er sein Tor in der Meisterschaft. Das wird ihm Vertrauen geben“, freute sich Lucien Favre.

Erneut also das Pärchen Kruse/Hrgota? Mit der anschließenden Winterpause kann man die Rotationsregeln auch schon mal lockern. Zudem bewies Kruse, dass er nicht nur das fußballerische Rüstzeug für die Aufgabe beim FC besitzt. „Werder hat nicht nur elf Spaßfußballer“, deutete er die raue Spielweise der Norddeutschen an. Im Süden wird es am Samstag wahrscheinlich noch rauer werden. Das weiß keiner so gut wie André Hahn, der gegen Bremen geschont wurde. Auf die Frische und Körperlichkeit des schnellen Stürmers sollte Favre bei dessen ehemaligem Arbeitgeber setzen. „30 Punkte, wenn wir also in Augsburg gewinnen, wäre eine fast perfekte Hinrunde“, sinnierte Hahn, der die Leichtigkeit des Saisonbeginns verloren hat, in Sachen Kampfkraft und -willen aber immer ein Vorbild ist.

Mahnendes Schlusswort

Gladbachs neuem Mann für das „Hier und Jetzt“ aber gebührt das natürlich demütige Schlusswort: „Wir sollten nicht zu viel darüber sprechen, denn in der vergangenen Saison waren wir zu diesem Zeitpunkt auch Tabellendritter und haben nach der Winterpause viele Punkte liegengelassen.“ Also sprach Max Kruse.

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