Mönchengladbach - „De Jong kann auch wie Hanke spielen“

„De Jong kann auch wie Hanke spielen“

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Blickt lächelnd zurück, aber auch froh gelaunt in die Zukunft: Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor Max Eberl. Foto: imago/Ulmer/Kicker

Mönchengladbach. Dass die Saison für Fußball-Bundesligist Borussia Mönchengladbach nicht die Qualifikation für die Europa League als finale Krönung bereit hält, kann Max Eberl verschmerzen. Der Sportdirektor zieht vor dem letzten Saisonspiel gegen Meister Bayern München am Samstag im Gespräch mit unseren Sportredakteuren Bernd Schneiders und Heribert Förster dennoch ein positives Fazit des Spieljahres und blickt durchaus froh gelaunt in die Zukunft.

Glauben Sie an Fußball-Wunder?

Eberl: Ich glaube an sehr überraschende Dinge, auch an unmögliche Dinge. Aber die passieren nicht zufällig, sondern haben eine Vorgeschichte. Aber wenn Sie auf ein Fußball-Wunder Europa League anspielen, dann bleibe ich bei der Wahrscheinlichkeit, die ich schon genannt habe: 0,5 Prozent.

Ihre Bilanz für diese Saison muss dennoch positiv ausfallen, gemessen an der Äußerung vor der Saison: „Einstelligkeit ist unser Ziel“.

Eberl: Definitiv. Ich denke, wir haben eine Saison gespielt mit Höhen und Tiefen. Es ist nicht so, dass alles glatt gelaufen ist. Aber wir hatten mit der Europa League ein fantastisches Erlebnis, in der wir uns aus meiner Sicht mit dem Erreichen der K.o.-Runde sehr gut präsentiert haben. Und in der Bundesliga war nach den beiden sehr extremen Jahren mit den Plätzen 16 und vier diese Einstelligkeit das Ziel.

Bedeuten zwei Spielzeiten mit einem einstelligen Tabellenplatz schon Nachhaltigkeit für Sie?

Eberl: Nein, wenn Gladbach sich weiter etablieren will, muss erst einmal ein Fundament geschaffen werden, von dem aus wir Ziele und Plätze erreichen können. Und wenn du die Nachhaltigkeit erreichst in den nächsten Jahren, dann ist erst einmal die Basis geschaffen, um erfolgreich Fußball zu spielen. Und wenn du vier, fünf, sechs Mal einstellig bist, dann wird die Wahrscheinlichkeit, in die Nähe der interessanten Plätze für den Europapokal zu kommen, automatisch größer. Nicht nur wir, alle Bundesligisten haben einen Plan. Manche mit mehr Geld, manche mit weniger, manche mit, manche ohne Strategie. Das bedarf einer Entwicklung, nicht eines zufälligen Erfolges.

Die Bilanz fällt auch so positiv aus, weil sie mit Dante, Reus und Neustädter drei wichtige Spieler verloren haben?

Eberl: Ich sage mal etwas überspitzt: Mit Dante und Reus haben wir zwei Weltklassespieler verloren, die jetzt im Champions-League-Finale stehen. Und dennoch haben wir es geschafft, eine stabile Saison zu spielen. Mit Ausschlägen nach oben und unten. Und wer hätte gedacht, dass wir bis drei Spieltage vor Saisonende noch um Platz vier spielen würden?

Was hat Sie besonders überrascht?

Eberl: Weniger überrascht, aber ich finde es sehr, sehr positiv, wie wir aus der extrem schwierigen Phase (im Herbst 2012 mit den klaren Niederlagen in Dortmund und Bremen, die Red.) wieder herausgekommen sind. Das war für mich eine nicht ungefährliche Situation. Wie sich die Mannschaft da zusammengerauft hat, das war bemerkenswert. Die Mannschaft hätte auch auseinanderfallen können.

Sie werden ja nicht nur das Jahr am Tabellenplatz bewerten, wie ist die Entwicklung der „inneren Qualitäten“, der Mannschaft?

Eberl: Die ist definitiv da gewesen. Wir haben immer gesagt, wir wollen konstanter werden, etwas Neues auf den Weg bringen. Konstanz ist das große Wort, denn wir hatten in den letzten Jahren keine Konstanz. Das muss das Ziel für die neue Saison sein, dass die jungen Spieler, die jetzt ihre ersten Schritte in der Liga gemacht haben, das in der neuen Saison in eine konstante Leistung ummünzen.

Ist denn überhaupt klar, wie die Borussia spielen will?

Eberl: Das ist eher eine Frage für den Trainer, ich bin als Sportdirektor zuständig für die strategische Planung. Aber natürlich gibt es einen Plan, wie man spielen möchte. Das Wichtigste für uns ist, gut zu stehen. Und nach vorne gibt es Alternativen. Dort muss man Wege finden, wie es am besten zusammenpasst. Man muss das Puzzle so zusammensetzen, dass es für diese Mannschaft passt.

Ein Teil dieses Puzzles ist Luuk de Jong, bei dem es zum Ende der Saison so aussieht, als müsse er wieder ganz neu in die Mannschaft inte-griert werden. Und die Spielweise in Mainz am vergangenen Samstag war eine, die nicht auf einen Spieler wie de Jong zugeschnitten ist.

Eberl: Das sehe ich genau anders. Denn was Mike Hanke spielt, das kann auch Luuk de Jong spielen. Das ist ja genau die Philosophie, die Identität, die entstehen muss. Mike Hanke kam hierher als eine Nummer neun. Und er wurde hier mehr oder weniger zu einer Nummer zehn „umstrukturiert“.

Aber Luuk de Jong ist doch niemals als „Neuneinhalber“ gekauft worden, sondern als ein gut spielender Torjäger.

Eberl: Wir kaufen generell keine Positionen, wir kaufen Spielertypen. In Marco Reus haben wir einen Spieler verloren, der steht für Tore, Assists und Schnelligkeit. Tore und Assists ist Luuk de Jong, hundertprozentig. Schnelligkeit ist er nicht, das haben wir aber auch gewusst. Wir haben Luuk de Jong gekauft mit der klaren Intention, dass er uns Tore bringen kann, dass er aber auch fußballerisch in der Lage ist, einem Herrmann, einem Younes, einem Hrgota den Ball in den Fuß zu spielen. Man vergisst schnell, dass Luuk zusammen mit Patrick Herrmann die meisten Tore für uns geschossen hat. Auch wenn er noch nicht so im Spiel integriert ist, auch wegen Verletzungen, wie wir uns das alle vorgestellt haben.

Ihre Neuzugänge Dominguez, de Jong, Xhaka, Mlapa und Hrgota haben alle viel Zeit bekommen. War Ihnen von vornherein klar, dass diese Zugänge diese Zeit auch benötigen werden zur Eingewöhnung?

Eberl: Uns war klar, dass Fußballer, die aus dem Ausland kommen, und auch die jungen Spieler, Zeit benötigen. Und das gesamte Jahr lief so, wie wir es ein Stück weit erwartet haben: Es war unruhig, ruppig, es musste sich vieles neu justieren, die Spieler mussten sich in einem neuen Umfeld finden, und deswegen war das alles für uns nicht überraschend. Wenn wir Neunter geworden wären in der vergangenen Saison, dann wäre der Neuaufbau nicht so ruppig gewesen, weil die Erwartungshaltung nicht so groß gewesen wäre.

Ihre Einschätzung zu den Neuzugängen.

Eberl: Alvaro Dominguez ist unumstritten ein Top-Transfer gewesen, der sich als Stammspieler etabliert hat. Und die anderen sind dabei, genau diese Erfahrungen zu sammeln, die uns in der nächsten Saison weiterbringen sollen. Auch ein Marco Reus musste diese Entwicklung durchlaufen. Exemplarisch ist das Beispiel Roman Neustädter: Er hat eineinhalb Jahre gebraucht, um Fuß zu fassen. Du musst als Verein einfach die Geduld haben, den Spielern die Zeit zu geben. Aber in den Medien geht es ganz schnell: Fünf Spiele nicht gemacht, ist es ein Flop. Das geht mir zu schnell. Nach zwei Jahren kann man sagen, das funktioniert oder nicht, aber nicht nach einem halben Jahr. Nach einem Jahr kannst du eine Tendenz erkennen, und wenn die in die richtige Richtung geht, dann sage ich auch: Es hat funktioniert.

Die Borussia hat vor dieser Saison 30 Millionen Euro investiert.

Eberl: Wer das einfach so sagt, den bitte ich, sich die Mühe zu machen und folgende Frage zu beantworten: Welcher Bundesligist hat solch wichtige Spieler verloren wie wir mit Dante, Reus und Neustädter? Keiner! Gladbach ist der einzige Verein, der 30 Millionen in die Hand nehmen musste, um Spieler zu ersetzen. Alle anderen haben Millionen in die Hand genommen, um oben drauf zu packen. Beispiel Hamburg: Die haben 30 Millionen oben drauf gepackt, die haben keinen verloren. Und nur durch das Geld werden diese Fragen aufgeworfen. Bei Roman Neustädter hat mich kein Journalist gefragt – weil er nix gekostet hat. Bei Marco Reus hat man auch nicht viel erwartet, weil er 800000 Euro gekostet hat, da hat man gesagt: Na ja, er macht den Kader breiter.

21 Spieler des Aufgebots haben noch einen Vertrag, der Freiburger Max Kruse ist bereits verpflichtet. Auf welchen Positionen will die Borussia noch aktiv werden?

Eberl: Wir werden auf jeden Fall noch in der Offensive schauen, und dann versuchen wir noch einen Spieler fürs zentrale Mittefeld zu holen.

Auffällig ist, dass im Kader das „mittlere“ Alter kaum vertreten ist. 15 Spieler sind zwischen 18 und 22 Jahre alt, sieben sind älter als 28, aber nur drei (Jantschke, Dominguez und Wendt) liegen zwischen 23 und 27 Jahren. Spielt das bei der Suche eine Rolle? Kruse ist 25, Valentin Stocker vom FC Basel 24…

Eberl: Ja, aber er kommt für uns nicht in Frage. Ich habe nicht nachgefragt, aber ich weiß, was Basel für Preise aufrufen kann und was wir für ein Budget haben.

Gilt das auch für Raffael (derzeit von Dynamo Kiew an Schalke 04 ausgeliehen)?

Eberl: Es dürfte schwierig für uns werden, ihn zu kaufen.

Steigt Hoffenheim ab, kommt Igor de Camargo zurück, Matthias Zimmermann kommt aus Fürth zurück. Planen Sie noch mit beiden?

Eberl: Wenn Igor zurückkommt, muss man einen Verein finden, zu dem er wechseln kann. Und bei Matthias müssen wir schauen, was auch für ihn die beste Lösung ist.

Haben Nachwuchsspieler Niklas Dams und die ausgeliehenen Tolga Cigerci und Alexander Ring eine Zukunft bei der Borussia?

Eberl: Bei Tolga Cigerci ist es so, dass wir mit Wolfsburg sprechen, was sich aber sehr, sehr schwierig gestaltet. Ring und Dams werden am Samstag verabschiedet.

Und Mike Hanke. Oder gibt es am Samstag noch eine Abstimmung, ob er bleiben darf...

Eberl: Wir haben doch keine Entscheidung aus Gutdünken, aus einer Laune oder aus der Emotionalität heraus gefällt. Wir überlegen schon genau, was wir tun. Wir wussten die ganze Zeit, dass Mike ein Spieler ist, der uns heute noch richtig gut helfen kann. Aber was morgen ist, das wissen wir eben nicht. Und da haben wir einen anderen Plan im Kopf, und nur darum geht es. Wir sind von der Entscheidung, so wie wir sie gefällt haben, überzeugt. Es sind rein sportliche Gründe. Für das, was wir in Zukunft wollen, haben wir eine andere Perspektive.

Gibt‘s am Samstag etwas Besonderes für die Bayern?

Eberl: Ja, ein schweres Spiel...

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