Borussias Suche nach dem letzten Puzzleteil

Von: Bernd Schneiders
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Zwei, die langfristig Borussias Offensivproblem lösen könnten: Branimir Hrgota und Thorgan Hazard. Foto: sport/Revierfoto

Mönchengladbach. Passiert ist eigentlich nicht viel – in Wolfsburg zu verlieren ist seit vielen Jahren Standard für Borussia Mönchengladbach. Dafür war es sogar recht knapp am letzten Sonntag, was nicht nur das Ergebnis von 0:1 widerspiegelt. Die Elf vom Niederrhein hatte sogar mehr Ballbesitz als die Wölfe – wobei zu unterstellen ist, dass der listige Dieter Hecking seinem ehemaligen Klub genau diese Falle – erfolgreich – stellte.

Alles normal also, wären da nicht die zwei Niederlagen zuvor in der Liga (Frankfurt/Dortmund). Mit diesem Negativ-Dreier steht das Team von Lucien Favre vor dem Heimspiel am Samstag gegen Hertha BSC plötzlich unter Druck: Der Kontakt zur Spitzengruppe unterhalb der einsam kreisenden Bayern-Adler droht abzureißen.

Eine komplette Trainingswoche

Dies zu verhindern, blieb dem Schweizer Trainer immerhin eine komplette Trainingswoche. Aber woran sollte Favre feilen? In Dortmund ging die defensive Stabilität verloren, gegen Frankfurt fehlte die Verzahnung der Mannschaftsteile. In der Autostadt erspielte man sich verdächtig wenig Torchancen. Drei zählte Lucien Favre und schob schnell nach: „Wolfsburg hatte auch nicht mehr.“

Ausgeglichen also bis auf das wohlmeinend ausgedrückt unglückliche Gegentor, das die Partie früh entschied. Wo aber ist die offensive Wucht und Finesse geblieben, unter der die Gladbacher Gegner bis zum Spiel in der Westfalen-Metropole gelitten haben? Der Hecking-Trick könnte auf die richtige Fährte führen. Nicht zum ersten Mal tat sich die Favre-Elf schwer, in den verdichteten Räumen der gegnerischen Hälfte zielstrebig zu kombinieren. Zugegebenermaßen ist diese Aufgabe eine der schwierigsten im Fußball.

Viele Mannschaften können gefährlich kontern. Bei defensiver Grundhaltung des Gegners aber so spielstark zu sein und das Kombinationsspiel unter beengten Verhältnissen durchzusetzen und obendrein noch Lücken zu finden: Das sind die höheren Weihen. Die Bayern können das. Borussia durchgängig noch nicht. Sie ist gerade in der Übergangsphase ihrer Spielentwicklung. In dieser Saison wurde erstmals ernsthaft der Versuch gestartet, einen Schritt hin zu diesem anspruchsvollen Dominanzspiel zu machen. Fehlschläge gehören zu diesem Prozess.

Favre stehen zwar so viele gute Spieler wie noch nie zuvor zur Verfügung. Überwiegend aber Flitzer, die Raum brauchen, um ihre Stärken umzusetzen. Doch ein „missing link“, ein letztes Puzzleteil fehlt noch: ein spielstarker und tiefgehender Stürmer, der eben auch tiefstehende Abwehrreihen durchschneidet wie ein heißes Messer die Sahnetorte. Die Angeltour von Sportdirektor Max Eberl blieb beutelos im letzten Sommer. Sie wird im Winter, spätestens aber für die neue Saison fortgeführt werden. Mit Thorgan Hazard und Branimir Hrgota besitzt Borussia zwei Stürmer, die den Anforderungen an guten Tagen genügen können. Aber sie sind noch zu unerfahren, um das durchgängig liefern zu können.

Technik und Positionswechsel

Lücken reißen in einer Hälfte, in der sich mitunter 20 Feldspieler tummeln, setzt eine herausragende Technik voraus, deren Eingeschränktheit Favre ja gerne und oft beklagt. Wesentlich aber ist auch die Fähigkeit und Bereitschaft zum Positionswechsel. Viel und vor allem richtig zu laufen, ist die Mutter des Torerfolgs gegen einen defensiven Gegner.

Voraussetzung dafür ist die Erkenntnis der Spieler, dass die Laufwege zwar kürzer sind in dieser Kompaktzone, dafür aber die Ball fordernden Sprints viel, viel häufiger angezogen werden müssen, auch und gerade in dem Wissen, dass man nicht bedient wird. Jeder Sprint arbeitet die Konzentration der gegnerischen Abwehr ab. Dafür muss man allerdings früh anfangen und nicht erst in der Schlussphase wie in Wolfsburg.

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