Hannover - Borussia Mönchengladbach: Das Problem mit der Erwartungshaltung

Borussia Mönchengladbach: Das Problem mit der Erwartungshaltung

Von: Jörg Marwedel
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Das ist der Borussia zu hoch: Mame Diouf setzt sich über Tony Jantschke (verdeckt) hinweg und erzielt Hannovers 2:0. Links Julian Korb, rechts Torhüter Marc-André ter Stegen. Foto: sport/Joachim Sielski

Hannover. Nein, nein, sich „etwas Negatives auszumalen“, sich gar „eine Krise einreden lassen“ – davon wollte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl nach der zweiten Niederlage im zweiten Spiel des Jahres 2014 nichts wissen. Oder doch?

Denn schon der nächste Satz nach dem 1:3 bei Hannover 96 war doch eine Art Krisenbeschreibung. Die Spieler sollten sich fragen, „ob jeder an seine Grenzen gegangen ist wie in der Hinrunde“. Es könnten „zwei, drei Kleinigkei-ten sein, dass es nicht gereicht hat“, ahnte der Mann, der zusammen mit Trainer Lucien Favre das Team Ende des Jahres 2013 auf den dritten Tabellenplatz gepusht hatte. Ja, die Borussia sehe sich nun einer ganz anderen Erwartungshaltung gegenüber. „Das“, sagte Eberl, „ist nun der nächste Schritt.“ Und das sei „eine komplizierte Sache“.

Die Frage, ob zwei Niederlagen gegen den Klub-Weltmeister FC Bayern und gegen eine Mannschaft, die unter ihrem alten Coach Mirko Slomka den Abstiegsrängen entgegen trudelte und unter dessen Nachfolger Tayfun Korkut plötzlich aufblüht, eine Krise ist – Eberl wusste es wohl selbst nicht so genau. Denn zu Beginn der Partie ließ das Team „den Ball gut zirkulieren“, wie Patrick Herrmann es nannte. Sie spielten das Ballbesitz-Spiel á la Guardiola, ohne allerdings nur einmal durch die tief gestaffelte 96-Abwehr zu dringen oder gar mit Ausnahme eines 22-Meter-Schusses von Herrmann (23. Minute) die Gastgeber wirklich zu erschrecken. Die Hannoveraner dagegen hatten schon vor der Pause mit blitzschnellen Gegenangriffen die besseren Torchancen. Ein Kopfballtreffer von Mame Diouf (41.) wurde nicht gegeben, weil vorher Szabolcz Huszti einen Gladbacher geschubst haben soll.

Und dann kam nach der sehr vorsichtigen oder, wie Korkut sagte, „geduldigen“ ersten Halbzeit, die Phase, in der 96 laut Korkut „eiskalt“ zuschlug, „weil wir vorne eine hohe Qualität haben“. Ganz vorne arbeitet nun Diouf mit seinem vom Hamburger SV ausgeliehenen Partner Artjoms Rudnevs. Und kurz dahinter der Spielmacher Huszti, der den flinken Angreifern gleich zweimal die Flanke schlug vor den vorentscheidenden Toren – erst auf Rudnevs (57.), dann auf Diouf (82.) und kurz nach dem 2:1 durch Peniel Mlapa (84.) noch einmal auf Diouf, der an Borussia-Keeper Marc-André ter Stegen scheiterte. Die neue Zwei-Stürmer-Taktik mit „brutalen Kontern“, wie Gladbachs Verteidiger Tony Jantschke sagte, klappt nicht nur deshalb so gut, weil sich Diouf nicht mehr allein gegen die sich Innenverteidiger behaupten muss. „Jeder weiß auch genau, wo der andere hinläuft“, schwärmt Diouf vom neuen Kollegen.

Was am erneuerten 96-Team, durch das laut Sportdirektor Dirk Dufner „ein Ruck gegangen ist“, am meisten imponierte, war die Reaktion auf den Gladbacher Anschlusstreffer. Es zog sich nicht ängstlich zurück gegen eine von Favre in der Endphase mit den Offensivkräften Hrgota, Younes und Mlapa ergänzten Mannschaft, um den knappen Vorsprung zu verteidigen. Es wirbelte die nun waghalsigere Borussia weiter mit offensiven Streifzügen durcheinander. Und dieser Mut wurde in der 90. Minute noch einmal belohnt, als Diouf eine Kopfballvorlage des eingewechselten Jan Schlaudraff zum 3:1 abschloss.

Bei den Gladbachern spielten nicht nur Max Kruse oder Granit Xhaka weit unter Wert. „Wir hatten so viele Ballverluste, unglaublich“, beschwerte sich Coach Favre. Man muss sich also an den nächsten Schritt als Spitzenteam heranrobben. „Das heute durfte nicht passieren“, sagte Patrick Herrmann in Anbetracht der neuen Erwartungshaltung. Die nächste Aufgabe gegen den Tabellenzweiten Leverkusen am Freitag wird nicht leichter.

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