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Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Eine (fast) ausweglose Situation bewältigt: Jochen Seitz feiert Alemannias unerwartete Rückkehr gegen Rostock. Foto: Wolfgang Birkenstock.

Aachen. Auf dem Weg ins Stadion ergab sich unverhofft die Gelegenheit, einen Blick in die Zukunft zu werfen. Die Baustellenzufahrt am neuen Tivoli war noch geöffnet und -schwups - kletterten hunderte Neugierige die bislang kaum berührten Betonstufen herauf. Das neue Stadion wächst minütlich, bald trägt es schon sein Dach.

Zufrieden zogen die Schaulustigen nach dem unerwarteten Einblick weiter und kehrten in die Gegenwart zurück. Im alten Tivoli wartete..., ja was für eine Mannschaft wartet hier eigentlich auf die Zuschauer?

Insiderfrage

Die Frage können auch absolute Insider wie Benny Auer nach dem furiosen 3:3 gegen Hansa Rostock nicht beantworten. „Ich weiß noch nicht, ob wir ein Team haben, das um den Aufstieg oder nur um einen einstelligen Tabellenplatz kämpft”, ist der Torgarant immer noch nicht entschieden.

Zuvor hatte die Mannschaft eindrucksvoll dokumentiert, dass sie nicht nur schwache Auswärtsspiele abliefern kann. Auch auf dem neuen Tivoli-Rasen war sie gegen einen vermeintlich labilen Gegner deutlich überfordert.

Das Passspiel war unpräzise, Schüsse und Flanken eine Rarität wie eine blaue Mauritius, nur selten stellten sie einen Gegner. Und immer noch ist es leicht, die Mannschaft aus dem Rennen zu nehmen. Sind die zentralen Mittelfeldspieler außer Form oder zugestellt, verkümmert das Offensivspiel durchaus besorgniserregend.

Das Team hat in solchen Situationen noch keine Lösung parat, hastig wird stattdessen der Zufallsgenerator zugeschaltet. „Die Mannschaft hat Schwierigkeiten, sich umzustellen, wenn unerwartete Ereignisse wie ein starker Gegner oder ein Rückstand sich einstellen”, hat Manager Andreas Bornemann die mentale Schwäche beobachtet.

Die Mannschaft ist Tabellenfünfter, was sich nach den letzten Darbietungen eher wie Platz 10 anfühlt. ABER - und das schrieb Trainer Jürgen Seeberger groß an diesem Abend, ABER sie löste sich mit großer Willenskraft und einem halben Dutzend gut gelenkter Freistößen aus dem Schwitzkasten der Gäste.

Die Mannschaft gab sich selbst dann nicht auf, als das Debakel gerade Anlauf nahm. Vermutlich hätten noch ein, zwei Freistöße am Freitag gar zur maximalen Punkteaussbeute gegen Hansa gereicht.

Am Ende wurde ein unerwarteter Punktgewinn bejubelt. Der Dialog mit dem Publikum ist gerade wieder einmal etwas schwierig, ein Teil der Anhängerschaft murrt, weil die Leistungen gerade wieder einmal schwankend sind. Schon die erste Begrüßung im neuen Jahr verlief eher unfreudig. Pfiffe statt Applaus.

„Das ist nicht das Aachener Publikum, das ich kenne”, wunderte sich Lokalpatriot Markus Daun später. „Mir macht das wenig. Ich habe in meineen 28 Jahren schon viele Krakeeler erlebt, aber für die jungen Spieler ist das nicht förderlich.”

So viele junge Spieler konnten am Freitag allerdings nicht irritiert sein. Die Mannschaft ist durchaus erfahren, hatte am Start ein Durchschnittsalter von 27,3 Jahren. Zur Belegung der These dürfte allenfalls der hypernervöse Vortrag des Jüngsten, Jerome Polenz, 22, gelten, den Schiedsrichter Thomas Frank mit einer harten Roten Karte vorzeitig beendete.

Die Beteiligten inklusive des Trainers hadern mit einer „überzogenen Erwartungshaltung”, aber gleichsam bedienen sie das Publikum permanent. Anstatt dankbar im Dom ein paar Kerzen anzuzünden, gab es auch am Freitag immer noch Verweise auf die Möglichkeiten der verrückt spielenden Tabelle.

Der neue Manager Andreas Bornemann versucht unterdessen, den Rucksack ein wenig zu erleichtern. Nach Sichtung aller Aachener Liga-Spiele siedelt er die Leistungsstärke des Teams realistisch eher zwischen „Platz 6 bis 8” in der Tabelle ein.

Statt des Aufstiegsgeredes soll nun der alte Herberger öfter bemüht werden: „Das nächste Spiel ist das schwerste.” Oder: „Wir denken nur von Spiel zu Spiel.”
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