Wurde der DFB getäuscht? Der Verband ermittelt weiter gegen Kraemer

Von: Christoph Pauli
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Hat er den Verband vorsätzlich getäuscht? Alemannia Aachens ehemaliger Geschäftsführer Frithjof Kraemer. Foto: sport/Fishing 4

Aachen. Im Gerichtssaal der Kammer für Handelssachen ist der DFB noch nicht gesichtet worden. Aber der Fußball-Verband hört wohl gut mit, wenn am Aachener Landgericht über die Feststellungsklage von Alemannias fristlos gekündigtem Geschäftsführer Frithjof Kraemer verhandelt wird.

Der Verband hat Argwohn geschöpft, nachdem er weitere Details erfahren hat. Den Verein hat der DFB bereits bestraft. Wegen der „grob fahrlässigen, nicht wahrheitsgemäßen Angaben“ im Lizenzierungsverfahren wurden Alemannia zwei Punkte in der abgeschlossenen Saison unterwegs wieder abgeknöpft. Das Verfahren ist damit noch nicht beendet.

Der DFB geht aktuell der Frage nach, ob Kraemer nicht vorsätzlich die Liga-Aufsicht getäuscht hat. Der Kontrollausschuss ermittelt weiter, obwohl der Verein bereits sanktioniert wurde. Denn auch Kraemer droht von Seiten des Verbandes eine standesrechtliche Strafe, sollte sich ein Vorsatz herausstellen. „Im laufenden Verfahren geben wir keine Auskünfte“, sagt DFB-Sprecher Stephan Eiermann lapidar.

Stellungnahmen angefordert

Der Verband hat das Problem, dass er auf Akten und Gutachten von Gericht, Staatsanwaltschaft oder Insolvenzverwalter zunächst keinen Zugriff hat. Er kann allenfalls die Beschuldigten mit der Bitte um Stellungnahme anschreiben, was aktuell auch geschehen sein soll.

Im Kern geht es dem Kontrollausschuss um den Darlehensvertrag, den der Klub vor der Saison mit dem Vermarkter Ufa abgeschlossen hat. Der Deal hatte ein Volumen von vier Millionen Euro, die das Unternehmen Alemannia zur Verfügung stellte. Das zinsfreie Darlehen wurde für den Fall der Insolvenz besichert durch die Namensrechte am Tivoli und die Cateringrechte.

Die Millionen flossen

Der DFB hatte im Frühsommer von Alemannia mehr Liquidität verlangt, der Klub sollte vier Millionen frei verfügbares Bargeld dokumentieren, was am 30. Mai auch geschah. Die Lizenz wurde dem Absteiger erst gewährt, nachdem der Vertrag vorgelegt worden war. Stunden später wurde die Summe wieder aufgeteilt, ohne dass die GmbH davon direkt profitierte.

Zwei Millionen legte die Stadt auf ein Treuhandkonto an, um damit die Fan-Anleihen abzusichern – vergeblich, wie man inzwischen weiß. Die übrigen Millionen flossen ein paar Tage nach Lizenzerteilung als erste Rate zurück an den Vermarkter, so wird es im Gerichtssaal berichtet. Hat also ein großes Täuschungsmanöver stattgefunden, um dem schon im Sommer drohenden Lizenzentzug zu entgehen? Wurde die Insolvenz schon damals vertuscht?

Nach Informationen unserer Zeitung hat der DFB bereits Zeugen wie Alemannias ehemaligen Con-troller nach Frankfurt vorgeladen. Ungeklärt ist zudem: Wer wusste von dieser möglichen Idee zur Lizenzerschleichung?

Zumindest das Tafelsilber ist beim Verein geblieben, bestätigte Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning, als jetzt der nächste Vermarkter Infront vorgestellt wurde. Der Vertrag mit der Ufa wurde inzwischen aufgelöst zu unbekannten Konditionen. Die Namensrechte sind im Verein geblieben.

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