Sing Kino Freisteller

Weit vom Anspruch eines Spitzenteams entfernt

Von: Klaus Schmidt
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Wiesbaden. Da gab es eine kleine, überschaubare Fraktion, die sich natürlich auch ärgerte über diesen reichlich misslungenen Start in die Rückrunde. Logisch, dass sich der neue Sportdirektor Andreas Bornemann zu seinem Einstand durchaus mehr versprochen hatte als ein 0:1 beim SV Wehen Wiesbaden.

„Nicht unverdient” sei der Sieg gegen Alemannia, die phasenweise ja „ganz ordentlich” gespielt habe, und Jerome Polenz kam mit dem Eindruck vom Platz, diese Partie „war kein Vergleich zum Pokalspiel” vor vier Monaten.

Und dann gab es die deutlich größere Aachener Abordnung, die sich kaum Mühe machte, den Schaum zu verbergen, den dieser Jahresauftakt zu Recht produziert hatte. „Mit langen Bällen kannst du hier nicht spielen”, sagte Torhüter Thorsten Stuckmann. „Wir haben nicht wirklich Mittel gefunden, um Wehens Abwehr zu knacken”, klagte der Kapitän Matthias Lehmann an, „zwei, drei Andeutungen waren da”, mehr nicht. Auch Trainer Jürgen Seeberger sprach von einem „verdienten Verlierer.

Mit diesem Zweikampfverhalten werden wir uns gegen jeden Gegner schwer tun.” Und Benny Auer widersprach dem Kollegen Polenz in aller Deutlichkeit: „Wir haben in dieser Saison nur ein noch schlechteres Spiel gezeigt, und das auch nur in Nuancen: Das war hier im Pokal. Es ist wieder mal deprimierend, ich bin leer im Kopf und habe einfach kein Rezept.” Wehen 2.0.

Gegen eine Mannschaft, die von einem Aufstiegsaspiranten spätestens nach einer halben Stunde ruhiggestellt sein müsste, ging Alemannia wieder mal so ziemlich alles ab: Ballsicherheit, spielerische Ideen, Grell, Torgefahr. Polenz und Auer tauchten vor Walke auf, ganz nett anzuschauen, aber nicht zwingend. König mit seinem Kopfball an den Pfosten (15.) war da schon von anderer Qualität.

Es dauerte bis zur 32. Minute, ehe Lehmann alles Risiko für einen Volleyschuss nahm, knapp rauschte der Ball am Tor vorbei. Das war eine dieser Andeutungen, von denen der Kapitän später sprach; auch sonst hatte „Matze” sich wenig vorzuwerfen und war ergo „not amused”, dass der Trainer ihn vom Feld holte. „Natürlich bin ich darüber nicht erfreut. Aber ich muss es hinnehmen.” Kopfschüttelnd an die Seitenlinie.

Das Endergebnis hatte da schon Bestand. Es glich einer Karikatur, dass die limitierten Gastgeber plötzlich frech pressten und einen schwachen Moment von Pekka Lagerblom zum unverhofften Glück nutzten: Marcel Ziemer, in Kaiserslautern nicht mehr gebraucht, weil er dort alles traf, nur das Tor nicht, luchste dem Finnen den Ball ab und schoss kurz vor der Pause ein.

Damit lag das Kind noch nicht im Brunnen, doch Alemannia behielt „das Auswärtsgesicht - es gab kaum eine Reaktion, dieses Spiel noch umdrehen zu wollen”: Jürgen Seeberger registrierte zwar etwas mehr Zug zum Tor, als der Ball endlich flach gehalten wurde, die beste Chance zum Ausgleich hatte allerdings Nemeth nach einer Kopfballvorlage von Vukovic. Und als der Zeiger Richtung vier Minuten Nachspielzeit drehte, stürmte sogar Stuckmann in den gegnerischen Strafraum.

Die Verzweiflung des Immer-noch-Tabellenfünften, der in dieser Form höhere Ansprüche besser unter Verschluss halten sollte, ging in Ratlosigkeit über. „Viel leichter als Wehen kann es uns keine Mannschaft machen”, sagte Benny Auer, der nichts hören wollte von „tief stehendem” und „schwer zu spielenden Gegner”.

Viel vorgenommen, keine Lösungen gefunden: „Heute wäre es besser gewesen, im Bett zu bleiben. Oder Klavier-Unterricht zu nehmen oder Geige zu spielen”, bloß kein Fußball. Der Cut über dem rechten Auge nach einem Kopfballduell wäre Auer dann auch erspart geblieben. „Meine Frau wird sich freuen. Und die Rückfahrt wird sicher auch noch lustig.”
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