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Vermisste Euphorie meldet sich zurück

Von: Roman Sobierajski
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Aachen. Völlig unerwartet war sie da, hatte sich lautlos und unbemerkt angeschlichen - und wurde trotzdem von 20.155 Zuschauern und elf Spielern in Schwarz-Gelb begrüßt wie eine alte Freundin: Die lange vermisste Euphorie wollte sich dann doch noch einmal zurückmelden bei der Abschiedstour des Tivolis.

Die von den Zuschauern hochgereckten Achten aus Pappe, die die Zahl der noch verbleibenden Heimspiele symbolisierten, nahmen dann netterweise zudem auch schon einmal die Zahl der Tore am Ende dieses ereignisreichen Nachmittags vorweg und machten den 20. Spieltag mit dem 6:2-Sieg über Nürnberg für Aachen komplett.

„Fast komplett”, korrigierte Alemannia-Trainer Jürgen Seeberger anschließend und hob damit vornehmlich auf die beiden Gegentore von Isaac Boakye (29. und 67.) ab, die einer gewissen Unordnung entsprangen. Aber da sonst alles stimmte, brachten die Treffer für das Team von Michael Oenning nur ein wenig Ergebnis-Kosmetik.

Aus dem Alemannia-Vortrag lässt sich mühelos ein Lehrfilm drehen: Die Offensiven liefen unermüdlich ihre Gegner an, die Doppel-Sechser Cristian Fiel und Matthias Lehmann vollendeten das Pressing, die Standard-Situationen wurden konsequent genutzt. Und weil die Abteilung Attacke eine fast hundertprozentige Chancenverwertung an den Tag legte, kam der „Club” - acht Spiele ungeschlagen und bislang mit nur 17 Gegentoren die defensive Bank der Zweiten Liga - ganz böse unter die Räder.

Torjubel Richtung Mama

Entschieden war die Begegnung bereits zur Halbzeit: Lewis Holtby sorgte nicht nur für Entzücken bei dem halben Dutzend Erstliga-Scouts, sondern auch bei allen, die nicht gerade Anhänger des 1. FC Nürnberg sind: Zwei satte Links-Schüsse (10. und 14.) sorgten dafür, dass Aachens Youngster erst im Torjubel Richtung Mama abdrehte, dann beim zweiten Treffer den Tribünenzaun enterte - und Nürnberg erst einmal an dem Zwei-Tore-Rückstand zu knabbern hatte.

Mirko Casper stellte mit seinem ersten Profi-Tor (41.) den alten Abstand wieder her, nachdem Boakye zwischenzeitlich verkürzt hatte, und Benny Auer sorgte fast mit dem Pausenpfiff mit seinem elften Treffer dafür, dass sich auf Gästeseite in der Pause niemand mehr große Hoffnungen machen musste. „Der dritte Treffer war extrem wichtig”, analysierte Seeberger, der seinem Team als Aufgabe für Halbzeit zwei den fünften Treffer in das Pflichtenheft schrieb. Dank Szilard Nemeth (58.) und Cristian Fiel (73.) kam es zur Übererfüllung des schönen Plans.

„Eine Schwalbe...”, führte Auer nüchtern an, macht bekanntlich noch keinen Aufstieg, und so will das Team trotz bekannter Auswärtsschwäche nach Ingolstadt reisen (Auer: „Wenn der Busfahrer sich nicht verfährt”). Doppel-Torschütze Holtby gestand ein, er habe „vor Nervosität in der Nacht vor dem Spiel kaum geschlafen”, auch wenn er sich ausgeschlafen präsentierte. „Aber wir hatten einen superguten Tag und haben jetzt das nötige Selbstvertrauen, um in Ingolstadt zu punkten.”

Auch Mirko Casper blieb nach der ersten Torprämie seiner Karriere völlig auf dem Teppich. „Das war ein interessantes Spiel, in letzter Zeit war ja einiges los”, meinte der 26-Jährige spitzbübisch grinsend. „Aber die Mannschaft hat funktioniert, wir haben defensiv gut gestanden und über 90 Minuten eine Klasse-Leistung gezeigt.”

Vielleicht sollte man bei der Abreise Richtung Ingolstadt nur daran denken, die Euphorie mit in den Mannschaftsbus zu setzen.
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