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Trainer Michael Krüger spricht von einem „Fluch”...

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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„Schmerzensgeld statt Gehalt: Aachens Trainer Michael Krüger geißelte das Anspruchsdenken trotz Personalnot. Foto: imago/Reichwein

Aachen. Rasenschäden in beträchtlicher Höhe vermeldete vor ein paar Wochen Swasiland. Zahlreiche abergläubische Spieler hatten in Torraum und Mittelkreis den Rasen bei Vollmond weitflächig aufgerissen, um dort ihre Talismane zu verbuddeln. Der Sportminister erstatte Anzeige gegen unbekannt.

Am Tivoli beschien der volle Mond am Montagabend einen gut gepflegten Mittelkreis. Keine Spur von Verwüstung. Nach zuverlässigen Recherchen dieser Zeitung hatten sich weder Spieler noch Trainer in der Nacht vor dem Spiel in die Spielstätte eingeschlichen, um mit einem alten Fußballschuh oder verdreckten Schienenbeinschonern den Fluch zu besiegen. Fluch?

„Ja, es hat den Anschein, als habe jemand einen Fluch auf diese Mannschaft gelegt, weil er nicht einverstanden ist, dass wir den alten Tivoli verlassen haben”, orakelte Michael Krüger am Montagabend. Alemannias Trainer hat eine gewisse Erfahrung mit okkulten Bräuchen in Afrika gesammelt.

Der Fluch behielt seine Wirkung, 0:1 endete die Partie gegen Fortuna Düsseldorf. Überflüssigerweise! Zurück blieb ein Trainer, der eine „bittere, sehr schmerzhafte Derby-Niederlage” verkraften musste. „Was ich hier wegstecken muss, ist unglaublich.” Die Rückschläge des Tages lassen sich in wenigen Zeilen festhalten.

Am Spieltag meldete sich Benny Auer mit Rückenproblemen ab, in der Halbzeit Mirko Casper mit einer Zerrung. Er wurde ersetzt durch Daniel Adlung, der sich umgehend eine Spielsperre abholte. Nach dem Spiel übergab sich Cristian Fiel in der Kabine.

Es war wieder eine Partie der Aachener, in der Aufwand und Ertrag in keinem gesunden Verhältnis standen. „Das tut richtig weh”, sagt Krüger. Und doch war eine Mannschaft am Start, die besser war als das euphorisierte Team des Aufsteigers.

Es ist ein bisschen schwierig, die Arbeit des Trainers zu beurteilen, auch wenn unter seiner Anleitung bereits eine Halbserie gespielt wurde. Krüger liegt mit 1,22 Punkten im Schnitt hinter vielen seiner Vorgänger zurück (Hecking 1,71; Seeberger 1,70; Berger 1,46; Buchwald 1,36; Hach 1,30). Viele Aspekte, die ihn entlasten, trug er selbst nach dem Spiel vor. Zudem hat er noch keine ausgedehnte Vorbereitung mit der Mannschaft hinter sich.

Natürlich gibt es aber auch betont irdische Ursachen für die Misere. Die Mannschaft schaffte es gegen Fortuna zum Beispiel nicht, das Tempo zu verschärfen, sie war nicht sonderlich kreativ. Ihre besten Momente hatte sie immer, wenn ein ruhender Ball anstand. Ohne Benny Auer fehlt ein Vollstrecker, fast erwartungsgemäß fand sich auf die Schnelle kein neuer Torschütze. So stand die nächste unglückliche Niederlage am Ende des Vollmondtages fest.

Seinen Freundeskreis im Verein vergrößerte Krüger an diesem Abend nicht, auch weil er erstmals eine eher drastische Sprache wählte. Die Saison sei noch nicht gelaufen, er wolle noch ein paar Siegprämien einstreichen, „mein Gehalt ist eh kein Gehalt, es ist Schmerzensgeld”.

Einmal in Fahrt geißelte er auch das unveränderte Anspruchsdenken von wem auch immer, das die Personalnot nicht berücksichtige. „Mir ist die wirtschaftliche Lage ja auch bewusst. Schließlich kostet unser Postkasten hier ein paar Euro sechzig”, meinte Krüger mit Blick auf das gelbe Stadion.

Es drohen noch ein paar Spieltage in Tristesse. Immerhin hat die Gruppe noch pekuniäre Ziele. Der Hauptsponsor schreibt einen größeren Scheck ab Platz 9, auch im TV-Ranking soll Boden gut gemacht werden. Und Journalisten, die es noch einmal wagten, die Worte „Alemannia, dümpeln, Niemandsland” in einem deutschen Hauptsatz zu verwenden, drohte Krüger gleich einen persönlichen Fluch an.
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