Aachen - Torfabrik außer Betrieb

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Torfabrik außer Betrieb

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Auer
Stürmer mit Ladehemmung: Benny Auer. Foto: imago/Team 2

Aachen. „Das Geheimnis des Fußballs ist ja der Ball”, wusste einst der Ehrenspielführer Uwe Seeler zu berichten. Man mag dem HSV-Idol an dieser Stelle kaum widersprechen. So ein Spielgerät führt ein perfides Eigenleben. Das geheimnisvolle an Alemannia Aachen ist seit Monaten, dass dieser Ball partout nicht ins gegnerische Tor kullern will.

Angreifer gehen durch solche Phasen, wenn das Selbstvertrauen, dieser unzuverlässige Begleiter, sie im Stich lässt. Das Fatale beim Zweitligisten ist nur gerade, dass alle Spieler diese Phase durchlaufen, so dass die Torausbeute groteske Züge angenommen hat.

Alemannias zweibeinige Torfa­brik ist (vorübergehend) geschlossen. „Wir haben noch nicht die richtige Mischung gefunden, um Benny Auer einzubinden”, urteilt Manager Erik Meijer, selbst verrenteter Angreifer. Die verunsicherte Mannschaft zieht sich weiter zurück, die Wege zum vordersten Angreifer werden weiter. „Wir sind in der jetzigen Situation nicht so selbstbewusst, dass wir dominant auftreten können”, sagt Meijer. So werden die Möglichkeiten für den Kapitän rarer, der bei passender Gelegenheit zudem bevorzugt patzt. Das erschwert die Lage dramatisch. „Die Spieler arbeiten gerne für Benny, wenn er dafür in passender Währung zurückzahlt”, sagt Währungshüter Meijer. Die passende Währung sind Tore, aber da klemmt es gerade nachhaltig. Nicht mal Kleingeld ist im Umlauf. Die Folge: „Benny ist unzufrieden, er schleppt einen Rucksack mit sich.”

Das Verständnis von Meijer für seinen Nachfolger ist aber endlich. „Wir wissen, was Benny kann, wir wissen aber auch, was er nicht kann.” Er teilt die Kritik seines Trainers, dass Auer zuletzt nicht gut unterwegs ist. „Das hat sich schon in der Vorbereitung angedeutet.” Der Manager nimmt seinen Kapitän in die Pflicht. „Er muss sein Spiel anpassen, muss besser anspielbar sein, sich mehr bewegen.”

Treffer sind am Tivoli so selten wie Orchideen auf der Müllkippe. Aber zumindest ein „Eigentor” hat Meijer ausgemacht. Die Intervention von Auers Berater, der eine fortgesetzte Demontage seines Zöglings ausgemacht haben will, stuft er als „Frechheit” ein, die herbe Kritik von Jörg Neblung weist er zurück. „Wenn er etwas mitzuteilen hat, kann er gerne zum Vier- oder Sechsaugengespräch vorbeikommen.”

Meijer hofft, in den nächsten Stunden ein Angebot vom FC Metz für Aimen Demai zu erhalten, um finanziellen Spielraum zu erhalten. Der aussortierte Verteidiger hat dort in den letzten Tagen mit positiver Resonanz vorgespielt.

Eine kleine Stürmerliste wird bis Mittwoch abgearbeitet, wenn das Transferfenster wieder für Monate verrammelt und verriegelt wird. Namen wie Torghelle, Thurk, Asamoah stehen nicht auf dem Einkaufszettel, dafür aber zum Beispiel Sören Bertram, vom Seeler-Klub Hamburger SV. Der 20-Jährige war zuletzt an den FC Augsburg ausgeliehen. Nach dem Lehrjahr ist er nun wieder im Norden, müht sich, auf der linken Außenbahn die Nationalspieler Jansen und Aogo zu verdrängen. Das ist ein schwieriges Projekt, so dass ei­ne weitere Ausleihe nicht unmöglich erscheint.

Trost findet der Tabellenletzte der 2. Liga immer noch bei Uwe Seeler, auch wenn die Sonne seit Wochen nicht mehr in Aachen scheint. Sein ewig gültiger Rat: „Ich bin dafür, jetzt erst mal mit der Relation im Dorf zu bleiben.”
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