Thomas Stehle wieder im Kader

Von: Roman Sobierajski
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Nach 15 Monaten wieder im Alemannia-Trikot: Thomas Stehle. Foto: imago/Wienold

Aachen. Diesen Passagier von Flug 4U014 von Köln-Bonn nach Berlin-Schönefeld am Freitag mittag wird kaum jemand auf der Rechnung gehabt haben: Alemannia Aachens Trainer Michael Krüger berief überraschend Thomas Stehel in das 18er-Aufgebot, das am Samstag 725 Kilometer entfernt beim Tabellennachbarn Energie Cottbus antritt. 15 Monate nach seinem letzten Zweitliga-Einsatz beim letzten Spiel der Hinrunde in der Saison 2008/09 in Augsburg ist „die Axt” wieder geschärft genug, um als personelle Alternative für den Profi-Kader infrage zu kommen.

„Der ursprüngliche Plan war, dass ich mir Spielpraxis in der zweiten Mannschaft hole und dort nach meiner langen Verletzungszeit meinen ersten Arbeitsversuch starte. Und das auch nicht mehr als eine halbe Stunde. Das wäre der nromale Weg”, schildert der 29-Jährige den Ablauf.

Doch es kam überraschend anders: Wohl auch aufgrund der aktuten Personalnot hat Michael Krüger nach dem Training Thomas Stehle zur Seite genommen und ihm mitgeteilt, dass der Arbeitsversuch bei Bedarf ebenso gut im Profikader starten könne. „Für mich ist es natürlich schöner, dass ich mein Comeback vielleicht im Ligabetrieb gebe.”

Ein Comeback, dem eine im schnelllebigen Profi-Fußball fast unendlich scheinende Quälerei vorausging. Anfang Januar 2009 warfen die Ärzte atroskopisch einen Blick in das lädierte linke Knie und entschieden sich für die sofortige Operation: Der Knochen wurde mehrfach angebohrt, aus dem Markraum tritt dann Blut aus, das Stammzellen enthält und sogenannten Faserknorpel bildet.

Der Eingriff verlief bei Thomas Stehle erfolgreich, dennoch wurde die Geduld in den folgenden Monaten einer harten Belastungsprobe unterzogen: „Zwei Monate lang bin ich auf Krücken herumgelaufen und durfte das operierte Bein überhaupt nicht belasten, damit der Knorpel härter werden kann”, schildert Stehle seinen langen Weg zurück. Dann folgten drei Monate auf dem Fahrrad-Ergometer und Krafttraining für den Oberkörper.

„Ende Mai habe ich dann ich dann mit der Reha begonnen, zur Hälfte in der Mediapark-Klinik in Köln, zur anderen Hälfte beim Physiotherapeuten Rainer Sieven, der ganze Arbeit geleistet hat”, beschreibt der Innenverteidiger den nächsten Meilenstein. Trotzdem dauerte es noch bis zum Jahresende, bis Thomas Stehle überhaupt wieder Zeit bei Alemannia Aachen verbrachte. Seit Jahresanfang wurde das Trainingspensum kontinuierlich gesteigert, den Monat März will der 29-Jährige nutzen, um sich wieder einzugliedern.

Viele Chancen zur Bewährung hat Thomas Stehle nicht mehr: Ex-Sportdirektor Andreas Bornemann hatte im Juni des vergangenen Jahres noch einmal um ein Jahr mit Stehle verlängert, sein Vertrag läuft also ebenfalls in knapp vier Monaten aus. „Erste Kontakte mit Erik Meijer hat es schon gegeben. Aber wichtig ist jetzt zunächst einmal das Knie, dann sehen wir, wie ich mich bewähre”, steckt Thomas Stehle für sich den Fahrplan ab. „Aber eines ist klar: Wenn ich wieder zurück bin, dann stehen nicht 40 Prozent Stehle auf dem Platz, sondern 100 Prozent.”
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