Tabellenletzter - und dennoch auf einem guten Weg?

Von: Christoph Pauli
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Ende des Murmeltiertages: Marc
Ende des Murmeltiertages: Marco Stiepermann versteht die Fußballwelt derzeit Foto: Baering

Aachen. Nach der Partie schaute Erik Meijer so finster wie Clint Eastwood in dunkelsten Italo-Western. Blicke wie Flammenwerfer. „Es ist ungerecht”, sagte Alemannias Manager später nach dem 1:3 auf St. Pauli, „und damit kann ich nicht umgehen.”

Ein Tor in drei Spielen reicht nicht einmal für einen Punkt, der Tabellenletzte legt einen maximalen Fehlstart hin, dazu kommt das Aus im DFB-Pokal. Eine erste Bestandsaufnahme.

Was macht das Team besser?

Es ist robuster geworden, wehrt sich besser gegen körperbetont spielende Teams. Es lässt sich nicht mehr so schnell einschüchtern - auch ein Verdienst vom burschikosen Bas Sibum. Und die Mannschaft reagiert cool auf Rückstände. Sie schüttelt sich und macht weiter, zeigt einen großen Willen. Sowohl in Aue als auch beim FC St. Pauli erhielt sie ihre Chancen, um sie entschlossen zu vergeben.

Ist das die große Schwäche des Teams?

Insgesamt wirkt die Mannschaft noch sehr unruhig. Sie erkämpft sich viele Bälle, um sie auch schnell wieder herzugeben. Das Team findet selten seinen Rhythmus, auch ein „Verdienst” von Bas Sibum. Es macht oft den Eindruck, dass die Spieler die besondere und nicht die einfache Lösung suchen. Die Ballverlustquote ist zu hoch.

Außer Stiepermann gibt es kaum einen Spieler, der notorisch auf Torsuche ist. Abschlüsse sind zu selten und dann zu unkonzentriert. Bislang fehlt auch ein zielstrebiger Konterstürmer im Mammut-Kader, vielleicht kann Fabian Bäcker die Rolle bald übernehmen.

Hat das auch mit Qualität zu tun?

Die Frage lässt sich nach drei Spieltagen nicht seriös beantworten. Alemannia muss zwar sparen, um dem Finanz-Tod zu entrinnen, aber das Hungertuch ist in Aue, Braunschweig oder auch Karlsruhe bestimmt nicht kleiner. Es sind viele Spieler aus unteren Ligen nach Aachen gekommen, die von ihren Vereinen nicht in den Profi-Bereich befördert wurden. Die Talente brauchen Zeit, dürfen Fehler machen, müssen entwickelt werden.

Worin besteht die Gefahr?

Die Mannschaft hat seit einem guten Monat nicht mehr gewonnen. Das Gefühl, dass Arbeit belohnt wird, stellt sich nicht ein. Der Trend der Vorbereitung kommt inzwischen unwiderlegt und damit eindeutiger daher: Aachen schießt zu wenige Tore. Das Team weiß noch gar nicht, wie stark es ist. „Wir sind auf einem sehr guten Weg”, vermutete Stiepermann auch nach der nächsten verlorenen Partie. Aber das Selbstvertrauen wird nicht größer, wenn das Team im Süden der Tabelle kleben bleibt.

Warum spielte Benny Auer nicht?

Wenn man sich einen Spieler wie ihn „leistet”, muss man das System auf ihn abstellen. Seine Welt ist der Strafraum. Hier nimmt er Chancen wahr, die andere nicht einmal erahnen. Hier kann er Bälle verarbeiten, als sei er beim Militärischen Abschirmdienst ausgebildet. Wenn diese Qualität nicht gefördert wird, ist Auer überflüssig. Das ist vorerst kein gutes Zwischenzeugnis: Die Mannschaft hat noch zu selten eine Idee, wie sie ihren Torjäger in Szene setzen kann. Dabei geht er schon seit Jahren in Aachen auf die Pirsch. Auf der anderen Seite fehlt den Mittelfeldspielern oft auch eine Anspielstation, weil sich Auer unzureichend bewegt. Der Kapitän ist die stärkste Waffe, bislang ist sie stumpf.

Wird sich die Nicht-Berücksichtigung von Auer auswirken?

Die Laune des Stürmers war überschaubar. In Aachen war er bisher immer gesetzt, jetzt wurde er gesetzt. Die Idee des Trainers war nachvollziehbar, so richtig aufgegangen ist sie nicht. Ersatz Sergiu Radu schwirrte fleißig über die Wiese, eine Offensivaktion blieb nicht in Erinnerung. Der Trainer hat in einer schwierigen Situation selbstbewusst eine Lösung gewählt, die zu Debatten führt. Er hätte es sich bequemer machen können, aber dafür ist er nicht da.

Gibt es noch andere Probleme?

Der Posten des rechten Verteidigers ist noch nicht abschließend vergeben. Mario Erb hat eine starke Vorbereitung als Innenverteidiger gespielt. Er hilft aus, bis Falkenberg genesen oder das Vertrauen in Strifler größer geworden ist. Noch fehlt Kreativität auf der rechten Seite. Und auf Links ist Alper Uludag, der in dieser Woche mit der türkischen U 21 auf Tour ist, nicht gut in die Saison gerutscht. Zudem fehlt noch ein Spiellenker, Neuzugang Hadouir wird morgen Abend in Eupen länger getestet.

Was ist mit Peter Hyballa?

Natürlich muss sich der Trainer nach dem verkorksten Start hinterfragen. Eine öffentliche Debatte wäre allerdings grotesk, weil sein Team bislang fußballerisch nicht schlecht unterwegs war (Ausnahme Braunschweig). In den übrigen Partien feierten die gegnerischen Trainer glückliche Siege. Das ist natürlich kein Dauertrost, da es auch für Aachen keine Tabelle gibt, die die B-Note berücksichtigt.
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