Purzelbaum vor dem Torschuss

Von: Christoph Pauli
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Zum Schreien? Timo Achenbach (links) und Benny Auer feiern den einzigen Treffer gegen Koblenz. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Die gute Nachricht kam aus der Krankenabteilung. Die Knöchelverletzung von Timo Achenbach scheint nicht so gravierend, die Kapsel ist getroffen. Sein Einsatz am Sonntag gegen Ahlen ist nicht völlig ausgeschlossen.

An guten Nachrichten mangelt es ansonsten bei Alemannia. Platz 13 ist das triste Fazit nach 30 Spieltagen. Auch die Partie gegen Koblenz war definitiv kein Stimmungsaufheller.

Die aktuelle Mannschaft sei pflegeleicht, leistungsbereit und durchaus willig, sagen die Trainer. Vermutlich zu willig. „Wenn wir vor jedem Torschuss einen Purzelbaum einfordern würden, würde der auch gemacht”, sagt Co-Trainer Eric van der Luer. Da ist eine nette Gruppe von Ex-Manager und Ex-Trainer zusammengestellt worden, die keinem wehtut. Unbequemere Charaktere wie Matthias Lehmann haben es schon nicht mehr in diesen Kader geschafft.

Bei der Auswahl ist nur leider übersehen worden, dass der pflegeleichten Gruppe ein paar Anführer guttun würden. Das ist der große Webfehler dieses Kaders. Im Jargon des Sportdirektors klingt das so: „Es fehlen ein paar Drecksäcke”, meint Erik Meijer.

Die Mannschaft will, aber sie hat keinen inneren Kompass, sie geht selten selbstbewusst mit veränderten Situationen um. Die liegen aber am Wesen der Sportart: Rückstände, Platzverweise, Verletzungen, ungerechte Entscheidungen - das sind die spieltäglichen Ingredienzien. Die Mannschaft hat ein gemeinsames Ziel, aber unterschiedliche Pläne, das Ziel zu erreichen.

Zu besichtigen war das auch gegen Koblenz. Die Offensivspieler versuchten Druck auf den Gegner zu machen, während die Defensivabteilung nicht energisch rausrückte, um die Räume zu verkleinern. So wurde auch Koblenz nur selten gestellt. „Das zieht sich durch die Saison”, sagt Krüger.

Alemannia hat dieses Mannschaftsdilemma, das dann auch zum Trainerdilemma wird. Michael Krüger hat es nicht geschafft, seinem Team Temperament und Konstanz beizubringen. Das Team ist in der Lage, eine berauschende Leistung gegen Augsburg abzuliefern, und ein paar Tage später in gleicher Besetzung gegen Rostock zu dilettieren.

Der angestrebte „Pfefferfußball” sieht anders aus. „Wir werden in den letzten Wochen verstärkt am Pressing arbeiten, auch im Hinblick auf die neue Saison. Aber hundertprozentig werden wir es nicht so hinbekommen, wie ich mir das vorstelle”, sagt Trainer Michael Krüger.

Die Debatte trägt längst resignative Züge. Es wird sich nicht mehr viel Epochales ändern an den letzten vier Spieltagen. Der Klassenerhalt muss noch her, dann wird eine Mannschaft auseinandergehen, die es nicht einmal im ersten Jahr am neuen Tivoli geschafft hat, Euphorie zu zünden. Längst bleiben hunderte Fans bei Heimspielen zuhause, obwohl sie eine Dauerkarte besitzen.

Das ist die schwierige Ausgangslage für den Berufseinsteiger Erik Meijer, der nun mit weniger Geld eine bessere Mannschaft finden soll. Zudem ist der finanzielle Rahmen immer noch nicht abschließend abgesteckt. Der Sportdirektor ist aber gelernter Stürmer und geht die Aufgabe so zupackend und zuversichtlich an, als sei er noch der Sturmführer in kurzen Hosen. „Habt Vertrauen”, hat er in den letzten Wochen mehrfach betont. Die Fahndung nach neuen Spielertypen, die die guten alten Tivoli-Tugenden mitbringen, läuft. „Wir wissen, wo unsere Probleme liegen”, sagt Krüger. „Wir wollen unsere Spielweise verändern, wollen in allen Partien mehr Druck aufbauen.”

Kurzum: Die Mannschaft 2010/2011 soll für mehr Temperament und Mut stehen.
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