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Pokal-Sensation: Hahn rupft Alemannia

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
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Inde Hahn überzeugte mit einem klaren Sieg. Foto: Wolfgang Birkenstock

Hahn. Manch einer mag gedacht haben: Die nehmen den Mund ganz schön voll. „Am Samstag holen wir uns die Krone“, hatte Kevin Klinkenberg, Kapitän des FC Inde Hahn, angekündigt. Das waren keine leeren Worte: Mit 2:1 (1:0) warf der Fußball-Bezirksligist die drei Klassen höher spielende Aachener Alemannia aus dem FVM-Pokal und sorgte damit für die Sensation im nachgeholten Spiel der ersten Runde.

Es war die größte Pokal-Blamage einer Elf vom Tivoli seit dem 17. September 1991, als sich die damals drittklassigen Schwarz-Gelben auf Kreisebene mit 0:1 bei Rhenania Alsdorf bis auf die Knochen blamiert hatten.

Am Samstagnachmittag kam es nun auf der mit 2400 Zuschauern nicht ganz ausverkauften Hahner Sportanlage Am Kitzenhausweg nach dem Abpfiff zu Tumulten. Aufgebrachte Alemannia-Anhänger warfen Schals und Plastikbecher auf den Kunstrasen, forderten „Schubert raus“ und rüttelten massiv an den Zäunen, die vor der Kabine aufgebaut waren. Das Ordnungspersonal hatte die Lage allerdings im Griff.


Während Inde-Trainer Oliver Heinrichs voller Stolz und völlig zu Recht von einem „verdienten Hahner Sieg“ sprach, war Peter Schubert fassungslos. „Ich bin sprachlos ob der Dinge, die da gerade passiert sind“, rätselte der Alemannia-Coach über den Offenbarungseid. „Wir haben alles angesprochen, was hier zu bringen ist. Und dann liefert die Mannschaft ein so blutleeres Spiel ab. Wir haben alles vermissen lassen.“

Wer da noch geglaubt habe, trotzdem gewinnen zu können, „der ist schief gewickelt“.
Der zu erwartenden Leidenschaft des FC Inde setzte Alemannia praktisch nichts entgegen. Mit hoher Disziplin und Laufbereitschaft nahm das Heinrichs-Team die Herausforderung an und wurde in der 24. Minute erstmals belohnt.

Nach einem Eckball des Ex-Aacheners Gökhan Batmaz köpfte Rechtsverteidiger Hiroki Ogiso zum 1:0 ein – Aachens Schlafmützigkeit bei gegnerischen Standards wurde jetzt sogar von einem Siebtligisten ausgenutzt. Eine Minute vor der Pause zirkelte Batmaz einen Freistoß Richtung Tor, wieder Kopfball Ogiso, diesmal rettete der Pfosten für den Favoriten. „Im Gegensatz zu uns hat Alemannia keine Einstellung zum Spiel gefunden“, darauf hatte auch Oliver Heinrichs spekuliert.

Aachens beste Chance vergab Marco Neppe in der 50. Minute mit einem Kopfball, den Hahns Keeper Christian Schnorrenberg mit einer spektakulären Reaktion über die Latte lenkte. Als dann Alemannias Kapitän Michael Lejan vor dem eigenen Strafraum von gleich drei Inde-Kickern gestellt wurde und den Ball verlor, war es um den Regionalligisten praktisch geschehen. Peter Szczyrba traf aus halblinker Position mit einem Flachschuss zum 2:0 (66.).

Zwar verkürzte Lejan sieben Minuten später mit einem direkt verwandelten Freistoß, doch mehr hatte Aachen nicht zu bieten. Einziger Wermutstropfen für die Hahner Pokal-Helden: In der Nachspielzeit prallte Christian Schnorrenberg mit Abedin Krasniqi zusammen, verlor kurzzeitig das Bewusstsein, musste minutenlang behandelt und ins Klinikum gebracht werden. Mit einer heftig blutenden Platzwunde, einem Zahn weniger und einer Gehirnerschütterung.


„Der Schnorri weiß, dass wir für ihn mitfeiern“, sagte Trainer Heinrichs, bevor es am Abend auf die „Piste“ gehen sollte. Peter Schubert tat eine Stunde nach der Blamage das, was er noch machen konnte: Er stellte sich den mittlerweile ruhiger gewordenen Fans. „Keine angenehme Situation. Aber der Frust ist ja völlig berechtigt.“ Antworten sind jetzt gefragt, schon am nächsten Samstag wieder – auf dem Platz in der Liga gegen Rot-Weiß Oberhausen.

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