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Peter Hyballa: „Wir sind zu Recht Tabellenletzter”

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
Das Abstiegsgespenst hat David
Das Abstiegsgespenst hat David Odonkor noch nicht gesehen, aber die Lage am Tivoli wird nicht Foto: Imago/Team 2

Aachen. Es dauerte nicht lange, da fiel auch diesmal der Satz: „Fußballerisch sind wir besser.” Seit sieben sieglosen Spielen wird diese Erkenntnis weitergereicht, obwohl die Realität vom Gegenteil kündet. Tabellenletzter!

Das nächste torlose Remis in Paderborn konnte nicht einmal mit schwarz-gelben Vereinsbrillen als Fortschritt interpretiert werden, auch wenn die Mannschaft nun seit einem Monat ohne Niederlage ist.

„Fußballerisch sind wir besser”, hat Aachens Trainer Peter Hyballa selbst häufiger gesagt als ein ergrauter Pfarrer das „Vater unser”. Nach diesem Spiel kommt der Satz erst einmal auf den Index. „Ich kann es nicht mehr hören.” Willkommen in der Realität. Die klingt nüchtern und ernüchtert: „Wir sind zu Recht Tabellenletzter”, urteilte der enttäuschte Trainer knallhart am Ende des Spieltags.

Notorisch hat er seine Profis seit Wochen öffentlich geschützt, die Ansagen werden robuster: „Die Spieler sind nicht wegen des schönen Wetters in Aachen, da muss mehr kommen. Wir müssen bei einigen das Phlegma herausbekommen.”

In Paderborn machte sich die Mannschaft zeitweise durchaus angreifbar: Die Aggressivität fehlte zumindest einen Durchgang, selbst Befreiungsschläge hatten nichts Befreiendes. Es war eine Halbzeit nahe an der Betäubungsgrenze. Würde man nach sieben Spieltagen den besten Feldspieler küren wollen, käme man ins Grübeln. Fast jeder Spieler, ob jung oder alt, kurz- oder langfristig im Verein, spielt unter Wert. Vielleicht hätte Abwehrchef Seyi Olajengbesi den kleinen Pokal noch als erster verdient. Immerhin ist die Mannschaft seit drei Spielen ohne Gegentreffer, was zuletzt auch etwas mit Glück und dem starken Keeper Boy Waterman zu tun hatte.

Auch nach dem siebten Spieltag ist die Mannschaft noch nicht in der Spur. Von einem „Katastrophenstart” spricht längst der Trainer. Ein Tor in sieben Spielen mag zwar die Sponsoren freuen, die für jeden Treffer Freibier oder Brötchen für die Fans ausgelobt haben. Für den Trainer ist es natürlich ein Greuel. Wäre eine Hochrechnung möglich, käme das skurrile Ergebnis von 5 Treffern und 15 Punkten am Saisonende heraus.

Umschalten ist das Zauberwort, das alle Trainer elektrisiert. Den Ball erobern, Blinker raus und auf den schnellsten Weg den Angriff starten. Das ist der Trend der Zukunft sagt Peter Hyballa. Die Statistik belegt dies: Immer mehr Treffer fallen in diesen Phasen, wenn der Gegner sich schnell neu orientieren muss. So weit die Theorie.

Alemannias wichtigster Umschaltspieler steht im Mittelfeld. Doch Bas Sibum ist ein anderer Spieler, der die erbeuteten Bälle am liebsten erst einmal sichert, Pass nach hinten, Pass zur Seite. Der Ballschlepper hat andere Fähigkeiten, er spielt unangenehm hart, coacht seine Mitspieler an, hält bei Bedarf den Gegner mit einem Foul auf - aber nur ganz selten beschleunigt er das Aachener Spiel. Häufiger ist er ein retardierendes Moment.

Ohnehin hatte Hyballa in Paderborn eine Mittelfeldreihe mit guten Zweikämpfern Junglas, Kratz und Sibum gebildet. Dynamische Balldiebe zwar, die aber kaum Torgefahr ausstrahlen. Es fehlt eine kreative Hand, ergo kreativer Fuß. Für den Part ist Anouar Hadouir eingeteilt, der aus den unterschiedlichsten Gründen seiner Bestimmung bislang nicht nachgekommen ist. „Wenn er gut trainiert, wird er am Sonntag gegen Fürth spielen”, kündigt der Trainer an. Und auch der lange verletzte Kim Falkenberg könnte dann erstmals im Kader landen. „Er ist ein Häuptling, den können wir gut gebrauchen.” Und auch David Odonkor, der das Spiel im Wortsinn „beflügelte”, ist eine Option gegen die beste Mannschaft der Liga.

Vielleicht wird der Trainer gegen den Tabellenführer wieder zum eigentlich bewährten 4-4-2-System zurückkehren. In Paderborn hatte er ein System mit den Außenstürmern Marco Stiepermann und Reinhold Yabo gesetzt. Beide Leihspieler sind anders ausgebildet. Stiepermann ist eher ein zweiter laufstarker Stürmer, der durch die Mitte kommt und auf direktem Weg sein Glück sucht. Und auch Reinhold Yabo ist eher ein technisch starker zentraler Spieler.

An der grundsätzlichen Überzeugung, dass sie mit „Riegel-Peter” (Eigenspott) noch den richtigen Trainer auf dem Hof haben, hat sich bei Alemannia nichts geändert. Vor zwei Monaten führte Manager Erik Meijer auch auf Betreiben des Aufsichtsrats ein erstes Gespräch, um den auslaufenden Vertrag zu verlängern. Das Thema ist mindestens vertagt, die dann folgenden Wochen haben alle Beteiligten völlig überrascht.
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