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Mit drei Buchstaben nach Rostock: M-U-T

Von: Roman Sobierajski
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Eine Augenweide für eingeflei
Eine Augenweide für eingefleischte Freunde der Farbe Gelb: Die leeren Ränge auf dem neuen Tivoli lassen die Alarmglocken schrillen. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Schnellschüsse, Panikattacken? Fehlanzeige. Auch nach fünf Pflichtspielniederlagen in Folge weist der Wochenplan für Alemannias Profis keine erwähnenswerten Besonderheiten auf: am Sonntag das Auslaufen und die medizinische Pflege für die Spieler, die gegen Cottbus im Einsatz waren, am Montag eine Trainingseinheit für die Reservisten.

Intensive Gespräche zwischen Sportdirektor Erik Meijer und den Spielern hat es nach dem blutarmen Auftritt auch nicht gegeben: „Ich bin hier nicht als Kinderpsychologe beschäftigt”, meint der Ex-Profi, „das sind alles erwachsene Leute, die einem gut bezahlten Hobby nachgehen. Die sollen untereinander reden.”

Geredet wird trotzdem genug rund um den Tivoli, auch der Aufsichtsrat traf sich am Wochenende, um die elende Lage zu besprechen - und gibt keinerlei Erklärungen ab. „Wir haben Stillschweigen vereinbart. Es ist eine genaue Analyse erfolgt und wird auch weiter verfolgt werden”, erklärt Aufsichtsrats-Mitglied und Vereinspräsident Dr. Alfred Nachtsheim. „So einen blutleeren Auftritt vor den eigenen Fans können wir uns nicht leisten.”

Worum sich die Überlegungen der Vereinsverantwortlichen drehen, ist nicht schwer zu erraten: Gegen den Ostklub fanden nur knapp 14.000 Zuschauer den Weg zum Tivoli, selbst diese Zahl als Zuschauerschnitt dürfte nicht reichen, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Und sollte die Mannschaft das Stadion noch weiter leerspielen, wird die Luft noch dünner.

Bei den Gremien-Mitgliedern und auch aus Reihen der Sponsoren soll Bas Sibum als einer der Hauptgründe für die spielerische Misere ausgemacht worden sein, doch Erik Meijer sieht eher weiter vorne in der Mannschaft die Probleme. „Natürlich sieht ein Spieler wie Sibum schlecht aus, wenn er nach spielerischen Lösungen sucht und keine findet, wenn sich alle im Schatten ihrer Verteidiger verstecken und nach dem Spiel die Schuhe voller Kreide haben, weil sie 90 Minuten nur an der Linie geklebt haben.”

„In Rostock zählen nur drei Buchstaben”, gibt Erik Meijer dann doch den Grundschullehrer: „M - U - T. Das müssen alle im Kopf haben. Es wird eine lange Reise, alle haben unterwegs genug Zeit nachzudenken, wie sie sich präsentieren. Wir müssen hinten kontrolliert stehen, aber sobald es über die Mittellinie geht, müssen wir mutig spielen. Das beinhaltet auch das Risiko, Fehler zu machen.”

Kurzfristige Lösungen sind entweder nicht gewollt (Meijer: „Ich könnte einfach die ganze Mannschaft rauswerfen, oder doch nur den Trainer. Aber es stehen bestimmt nicht 25 andere Schlange, die zu uns passen und unseren finanziellen Rahmen akzeptieren”), oder auf die Schnelle nicht bezahlbar, wie etwa die Verpflichtung eines weiteren Mittelfeldspielers in dieser Transferperiode bis zum Ende des Monats („Vielleicht hat meine Frau ja noch Geld im Portemonnaie”).

Das neue Stadion (siehe unten)zwingt dem Klub einerseits das Handeln auf, soll aber gleichzeitig das Sprungbrett für eine sportlich rosigere Zukunft sein. „Wir fangen jeden Monat mit 500.000 Miesen an”, rechnet Meijer die finanzielle Belastung um - und macht dennoch ein breites Kreuz: „Ich stehe als Sportlich-Verantwortlicher für das Konzept mit einem jungen Trainer, einer jungen Mannschaft, einem jungen Manager und einem neuen Stadion”, erklärt der 42-Jährige.

„Es gibt für das, was wir hier erleben, kein Patentrezept. Und wenn unser Konzept nicht funktionieren sollte, dann dauert es nicht lange, dann wird weitergefragt, nämlich nach der Rolle von Erik Meijer.”
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