Aachen - Michael Krüger vor dem Rückrunden-Start: „Team unter Strom halten”

Michael Krüger vor dem Rückrunden-Start: „Team unter Strom halten”

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Gut gerüstet für die kurze Winterpause in heimischen Gefilden: Aachens Trainer Michael Krüger.

Aachen. Als erster Profiverein war Alemannia Aachen nach dem Ende der Hinrunde wieder in den Trainingsbetrieb eingestiegen. Zudem suchte der Zweitligist nicht die Sonne des Südens, sondern bereitete sich auf dem heimischen Tivoli auf die Rückrunde vor, die für die Mannschaft von Aachens Trainer Michael Krüger heute mit dem Heimspiel gegen den Karlsruher SC beginnt.

Unser Redakteur Roman Sobierajski sprach mit dem 55-Jährigen über die verkürzte Pause sowie Hoffnungen und Erwartungen für die zweite Hälfte der Saison.

Herr Krüger, die Winterpause war extrem kurz, nicht nur wegen der anstehenden Weltmeisterschaft. Zumindest für die nächste Saison ist ebenfalls nur eine kurze Unterbrechung vorgesehen. Wie sieht Ihre Erfahrung aus?

Krüger: Sollte in Zukunft die Winterpause regelmäßig so kurz ausfallen, stellt man sich darauf ein. Wir haben uns lange Gedanken gemacht, wie man damit umgeht. In der Folge haben wir den Spielern mit Hinblick auf das enge Zeitfenster im Winter zur Regeneration bereits in den Länderspielpausen zwei freie Tage gegeben.

Es gibt auch die Trainingskonzeption, in den Länderspielpausen verstärkt konditionell mit den Spielern zu arbeiten. Ist dieser Ansatz nun Vergangenheit?

Krüger: Jeder Trainer muss seine eigenen Erfahrungen machen, wie er damit umgeht. Wir werden am Montag nach dem Spiel gegen Karlsruhe mit den Spielern einen Laktattest machen, um zu sehen, wo wir stehen.

Warum nicht vor dem Spiel?

Krüger: Der Laktattest steckt einem schon ein, zwei Tage gehörig in den Knochen. Aber ich bin guter Dinge. Die Spieler haben in den Pausen individuelle Trainingspläne mitbekommen, einige haben sogar mehr gemacht als gefordert.

Sie fordern vor dem Rückrunden-Auftakt gegen Karlsruhe Leistung und Leidenschaft. Wie wollen Sie diese Leidenschaft wecken?

Krüger: Dieses Team muss man unter Strom halten. Harter Konkurrenzkampf ist gut für die Leistung, keiner darf sich sicher sein, seinen Platz zu behalten. Die Jungs müssen einfach arbeiten. Vielleicht liegt eine Erklärung dafür in der Zusammenstellung unseres Kaders mit sehr vielen jungen Spielern. Ich habe auch schon Mannschaften trainiert, bei denen man den Druck nicht permanent so hoch halten musste.

Der Konkurrenzkampf im Mittelfeld ist ohnehin groß. Für einige Positionen stehen mehrere gleichwertige Lösungen zur Verfügung.

Krüger: Das stimmt. Egal, welches System wir spielen, es müssen immer einige Spieler draußen bleiben, auch wenn sie von ihrer Qualität und Leistung her eigentlich spielen müssten. Man muss als Trainer aber auch wechseln können, ohne dass die Qualität leidet.

Im Sturm ist nach dem Wechsel von Oussalé der Druck auf die verbliebenen Spieler doch eher gesunken, oder?

Krüger: Im Sturm hat Babacar Gueye gezeigt, dass er die nötige Fähigkeiten hat und durchaus erfolgreich anstelle von Benny Auer spielen kann.

Bedeutet das, dass Sie weiterhin am System mit einer Spitze festhalten, oder ist auch ein 4-4-2 möglich mit Auer und Gueye?

Krüger: Ich sitze hier an meinem Schreibtisch mit ganz vielen Papieren und tüftele an der Aufstellung für heute Abend, welche Formation wir spielen werden. Voraussichtlich werde ich mich nach dem heutigen Training endgültig entscheiden.

Wie kann man wieder Stimmung in das neue Stadion bringen?

Krüger: Die Atmosphäre auf dem alten Tivoli war schon etwas sehr Spezifisches. Die Mannschaft soll sich zerreißen, zeigen, dass sie stolz ist, das Alemannia-Trikot zu tragen. Emotionen spielen hier in Aachen eine ganz wichtige Rolle.

Hypothetische Frage: Wenn Sie wählen könnten zwischen Stimmung oder Punkten, was würden Sie nehmen?

Krüger: Von Luft und Liebe allein kann ich nicht leben, wir brauchen auch Ergebnisse. Im Zweifelsfall würde ich die Punkte vorziehen.

Viele Mannschaften haben Probleme nach dem Umzug in ein neues Stadion. Hat Ihre Mannschaft diese Phase hinter sich?

Krüger: Grundsätzlich muss man es einfach so sehen: Der alte Tivoli ist passé. Wir haben jetzt ein neues, wunderbares Wohnzimmer. Es gibt keinen Grund, warum man sich darin nicht wohl fühlen sollte.

Welche Spieler haben sich in der Vorbereitung in den Vordergrund gespielt?

Krüger: Patrick Milchraum hat - in Anführungszeichen - über einen längeren Zeitraum konstante Leistung gezeigt, und ich habe ihm gesagt, dass er auf einem guten Weg ist. Er kann ein ganz wichtiger Spieler für die Mannschaft werden. Auch Lukasz Szukala hat hervorragend trainiert und in den Testspielen gute Leistungen gezeigt. Aber unsere Innenverteidigung hat in der Hinrunde gut gestanden, das reißt man ohne Not nicht auseinander.

Gibt es noch andere Kandidaten?

Krüger: Im Mittelfeld sind die jungen Spieler auf dem Vormarsch. Es wird um Nuancen gehen bei der Frage, wer nun spielt, etwa, ob wir im eigenen Stadion oder auswärts antreten müssen.

Es ist also keine generelle Frage, ob nun die jungen Ungestümen oder eher die etablierten Strategen zum Zuge kommen?

Krüger: Nein, wir wollen heute aggressiv auftreten, das Spiel eng halten, schnell nach vorne spielen. Auch wenn beim KSC einige Leistungsträger fehlen, hat die Mannschaft zu einer Einheit zusammengefunden. Entscheidend wird sein, wer den längeren Atem hat, dementsprechend werde ich aufstellen.

Torausbeute und Chancenverwertung in der Hinrunde können nicht überzeugen. Wie wollen Sie dieses Manko ändern?

Krüger: Die Ausbeute ist wirklich nicht befriedigend. Das betrifft Benny Auer, aber auch Milchraum, Kratz, Junglas und Gueye haben wenig oder gar nicht getroffen. Wäre das anders, würden wir einige Plätze weiter oben stehen.

Haben Sie so etwas wie ein Saisonziel für die Rückrunde?

Krüger: Möglichst weit nach oben spielen, auf einen Tabellenplatz möchte ich mich dabei nicht festlegen. Vieles hängt von den ersten vier Spielen ab.

Wie viele Punkte aus den ersten vier Begegnungen würden Sie denn als befriedigend betrachten?

Krüger: Unsere Heimspiele sind nicht ohne, wir müssen zudem zu St. Pauli. Aber ich lege mich mal fest: Acht Punkte aus den vier Spielen wären ein guter Start. Es würde uns die Sache natürlich wesentlich erleichtern, wenn gegen Karlsruhe ein gut herausgespielter und klarer Sieg gelänge, ein 2:0 oder 3:0, von mir aus kann es auch ein 4:1 sein.
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