Nachts im Museum Freisteller
Präsentiert von der Actimonda

Michael Krüger kehrt an den Nil zurück

Von: Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
krügerbild
Sudan, Teil II: Michael Krüger kehrt nach Afrika Foto: Imago/Hoch zwei

Aachen/Khartoum. Im Sommer saß Michael Krüger in seinem Häuschen in Hannover. Und wartete. Für einen Trainer ist das kein guter Zeitpunkt, weil bereits alle deutschen Profiklubs ihre Hausaufgaben gemacht hatten. Nur eine Trainerstelle war noch offen.

Aber dass Alemannia Aachen sich noch mal beim 56-Jährigen melden würde, war eher unwahrscheinlich. Nach neun Monaten hatte er dort mit dem letzten Spieltag einen honorigen Abgang.

Krüger verabschiedete sich stilvoll und hoffte, dass er wieder Klubs der Zweiten oder Dritten Liga auf sich aufmerksam gemacht hatte.

Das Telefon klingelte. Es waren alte Bekannte. Der Vorstand von Al Merreikh, ehemalige Spieler. Sie wollten Krüger zur Rückkehr bewegen. Beim sudanesischen Klub hatte er eine gute Zeit, holte das Double, war erfolgreich, stand kurz vor dem Denkmal.

Das war die eine Seite. Aber er erlebte auch einen Rebellenangriff mit Maschinengewehren und Panzerfäusten. „Erst das Militär hat uns in letzter Sekunde gerettet”, sagt er damals. Anfang März 2009 trennten sich die Wege. „Kommunikationsprobleme”, urteilte der sudanesische Klub. Das war wohl nur ein Teil der Wahrheit.

Der Abschied vom Topverein fiel Krüger damals nicht schwer. „Freundlich und nett ist er ja, der Sudanese, aber organisieren und Management, dass kann er einfach nicht.”

Das Urteil wurde nach Krügers Weggang bestätigt. Der Verein verschliss vier Trainer in ein paar Monaten, schied gerade gegen einen leichten Gegner im Afrika-Cup aus. Bei Krüger ging ein Hilferuf ein. „Die Fans wollten, dass der Bekloppte zurückkommt.”

Er ließ sich zum Abenteuer bis zum Saisonende am 30. November überreden, kehrte vor einem Monat an den Nil zurück. Beim ersten Heimspiel verdoppelte sich die Zuschauerzahl gleich auf 25.000.

„Die gesamte Organisation, die Disziplin, die Struktur - alles liegt wieder am Boden. Eine Sisyphusarbeit”, ist der erste Eindruck. Sein Dienstauftrag: wieder Schwung in den Laden zu bringen.

Wenn der Meistertitel oder der Pokalsieg noch nebenher abfallen könnten, wäre das auch im Sinne der Vereinsmanager. Krüger ist da eher skeptisch, zwar führt sein Verein die Premier League mit vier Punkten Vorsprung an, aber der ewige Rivale Al Hilal hat zwei Spiele weniger, kann noch vorbeiziehen.

Der Coach arbeitet wieder mit dem deutschen Torwarttrainer Christian Schweichler zusammen. Für die beiden geht gerade der afrikanische Sommer zu Ende. Immer noch wird es tagsüber 38 Grad warm, aber der Herbst macht sich langsam breit. Das Freizeitprogramm sei etwas einseitig, meint Krüger. Immerhin kann er fast alle europäischen Fußball-Ligen via TV verfolgen.

Das Rückflugticket ist auf den 2. Dezember ausgestellt. Er weiß noch nicht, ob er zur nächsten Saison zurückkehren will. Der Gewinn der Champions League reizt ihn, weil das noch keinem sudanesischen Klub gelungen ist, das Engagement ist auch finanziell interessant, bestätigt er.

Aber im deutschen Herbst klingeln deutsche Manager auch schon mal gerne durch, wenn die ersten Trainerstellen wieder neu besetzt werden müssen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.