Krüger: „Sechs Monate sind wie im ICE-Tempo verlaufen”

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Upps, 23 Punkte bis zur Tabellenspitze: Michael Krüger hat als Trainer in Aachen eine Halbserie absolviert. Foto: imago/Harder

Aachen. Am siebten Spieltag der Saison übernahm Michael Krüger das Amt des Alemannia-Trainers. Gegner damals wie heute: Fortuna Düsseldorf. Unser Redakteur Roman Sobierajski sprach mit dem 55-Jährigen vor dem Spiel.

Beim Hinspiel gegen Fortuna Düsseldorf standen Sie erstmals als Trainer von Aachen an der Seitenlinie. Wie lange ist das her?

Krüger: Offiziell bin ich seit dem 22. September 2009 im Amt.

Und gefühlt?

Krüger: Seit fünf Jahren.

Was glauben Sie, ist der Grund, dass Ihnen die Zeit in Aachen in Fußball-Maßstäben wie eine halbe Ewigkeit vorkommt?

Krüger: Es gab kaum Phasen, in denen man sich mal zurücklehnen konnte. Dafür gab es viele Höhen und Tiefen, Probleme, Verletzungen. Hinzu kamen personelle Veränderungen, die das Arbeiten sehr unruhig gemacht haben. Zuviel Ruhe macht auch keinen Spaß, aber die letzten sechs Monate sind im ICE-Tempo verlaufen.

Blieb Ihnen denn zumindest Zeit, ein Fazit der letzten Monate zu ziehen?

Krüger: Als ich kam, hatte ich mir schon ausgerechnet, dass wir uns höher platzieren könnten. Ich hatte mir natürlich vorher die Namen der Spieler angeschaut, einige kannte ich bereits. Da schien mir sportlich einiges möglich, aber ich kannte den Charakter der Mannschaft und der Spieler noch nicht.

Ist es nicht Teil der Arbeit eines Trainers, auch den Charakter einer Mannschaft zu formen?

Krüger: Den Charakter eines Spielers kann man nicht ändern, der liegt in den Genen. Und der Charakter einer Mannschaft hängt von den Typen ab, die man zur Verfügung hat. Charakterlich sind die Spieler alle in Ordnung, aber was mir manchmal fehlt, ist so ein positiver Stinkstiefel, einer der vorangeht. Das ist unglaublich wichtig. Das heißt natürlich nicht, dass wir nicht trotzdem intensiv daran arbeiten, die Mannschaft besser zu machen.

Gefragt sind also Führungsspieler, solche, die die Glocke um den Hals hängen haben?

Krüger: Man braucht in der Mannschaft ein, zwei Spieler, die den Ton oder die Richtung angeben, Verantwortung übernehmen, in guten wie in schlechten Zeiten. Das kann ich nicht befehlen.

Passt zu dieser Aussage die Frage nach dem Rücktritt von Cristian Fiel vom Kapitäns-Amt?

Krüger: Nachvollziehen kann ich diesen Schritt schon. Auch Kapitäne müssen mit unangenehmen Phasen klarkommen, nicht nur die Rosinen herauspicken. Cristian Fiel ist ein stolzer Spieler, deshalb diese Entscheidung. Ich denke, er hätte sich als Kapitän auch persönlich noch weiterentwickeln können. Aber seit seinem Rücktritt scheint er befreit aufzuspielen.

Zu Beginn ihrer Tätigkeit haben Sie gesagt, die Mannschaft sei gepolt, offensiv zu denken und vernachlässige die Offensive. Die Ergebnisse sprechen nicht gerade dafür.

Krüger: Das habe ich nach dem Pokalspiel gegen Eintracht Frankfurt gesagt, als sich die Mannschaft eine Unzahl von Chancen erspielt, aber eben auch sechs Treffer gefangen hat.

Bleibt trotzdem festzuhalten: Die Mannschaft hat aus den letzten 17 Spielen nur 22 Punkte geholt.

Krüger: Wir haben vorne aus unseren Möglichkeiten zu wenig gemacht und zuletzt auch in der Defensive individuelle Fehler produziert. Nur wenn man defensiv gut steht, kann man auch erfolgreich spielen. Selbst Mannschaften wie Kaiserslautern und St. Pauli profitieren zunächst erst einmal von den Fehlern des Gegners, und erst dann geht die Post ab. Bedingungslose Offensive wird bestraft in der Zweiten Liga.

Einen Erfolg hat die Mannschaft immerhin vorzuweisen: Sie steht auf dem dritten Platz in der Fairness-Tabelle.

Krüger: Das passt eigentlich gar nicht zu uns. Aber zumeist tut uns der Gegner körperlich weh, und wir nehmen das hin. Ich sehe Alemannia nicht als Kloppertruppe, aber wir müssen aggressiver in die Zweikämpfe gehen. Selbst bei Heimspielen sehen die Gegner mehr Gelbe Karten als wir. Das führt auch zu unserer bescheidenen Torausbeute. Es fehlt die Durchschlagskraft, der Willen, das Tor machen zu wollen.

Ist das der Leitfaden für den Kader der kommenden Saison, mehr Aggressivität einzubauen?

Krüger: Wir haben kein Geld, um Ablösen zu bezahlen. Trotzdem ist das Ziel, charakterliche und sportliche Qualität zu verpflichten, um den Fußball zu spielen, den die Fans hier in Aachen sehen wollen.

Eine Sicht, die Sie mit Sportmanager Erik Meijer teilen?

Krüger: Wir haben beide die gleiche Auffassung. Warum hat das Aachener Publikum solche grundsoliden Arbeiter wie Meijer, Landgraf und Plaßhenrich geliebt? Weil Sie das Maximum aus ihren Möglichkeiten herausgeholt haben. Nicht jeder Spieler kann nach Aachen kommen und hier spielen. Hier ist 24 Stunden rund um die Uhr Alemannia das Thema. Das muss man wissen.

Vielleicht kommt Ihnen die bisherige Zeit deshalb so lang vor.

Krüger: Vielleicht auch, weil ich mich hier vom ersten Moment an wohl gefühlt habe.
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