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Jepsen: „Man kann auch weiterleben, ohne Fußball zu spielen”

Von: Roman Sobierajski
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Verteidigt seine Position: Allan Jepsen zieht es zurück zur Familie in die Heimat. Foto: imago/Reichwein

Aachen. Der Mann kam aus heiterem Himmel, der Mann spielte ununterbrochen - und nun verlässt der 32-Jährige Alemannia Aachen ebenso unerwartet. Eben, weil er nicht nur ein Mann ist, sondern auch Ehemann und Vater. Dabei hat Allan Jepsen noch nicht einmal eine Alternative zum Vertragsangebot der Schwarz-Gelben vorliegen, wenn er nach dreieinhalb Monaten nach dem letzten Saisonspiel wieder seine Koffer packt und ins heimischen Aarhus zurückkehrt.

Den Grund dafür benennt der Linksverteidiger in einem einzigen Satz: „Man kann auch weiterleben, ohne Fußball zu spielen.” Wenn man als Zuhörer Probleme haben sollte, diesen Satz zu verdauen, dann kann der in der Öffentlichkeit stets gut gelaunte Jepsen auch weitere Details hinzufügen: Jeden Tag mit den drei-, sechs- und neunjährigen Töchtern - wie es sich für einen Musterprofi gehört alle in der spielfreien Zeit im Juni auf die Welt gekommen - über Computer zu kommunizieren, sei gut und schön, aber nicht genug. „Ich vermisse die Kinder sehr”, sagt der Familienmensch. Zudem wollen die Jepsens ein Haus bauen, zu viele Probleme, die nicht aus der Ferne zu regeln sind.

„Die Entscheidung war eigentlich einfach”, sagt Jepsen, der in seinen 13 Einsätzen im schwarz-gelben Trikot immer über die volle Distanz spielte. „Das Angebot war einfach zu niedrig, um die Familie nach Deutschland zu holen”, meint der 32-Jährige, der trotzdem dieser teils trostlosen, teils turbulenten Halbserie einiges Positive abgewinnen kann. „Ich bin gekommen, um Fußball zu spielen, insofern wurden alle meine Erwartungen erfüllt”, zieht er ein persönliches Fazit.

Das Niveau der 2. Liga sei fast so hoch wie das der Ersten Liga in Dänemark, die Topvereine könnten mühelos dort mithalten.

„Dass Alemannia Aachen nun auf dem 12. Tabellenplatz rangiert, das ist nicht genug für diesen Verein”, sieht er die Mannschaftsleistung kritisch. „Wir waren viel zu unstabil, manchmal gut, manchmal richtig schlecht. Aber das kommt vom Kopf, nicht vom Fußballerischen.” Dass er selbst mit seiner Spiel- und Lebenserfahrung als stabilisierender Faktor verpflichtet wurde und diese Rolle nicht vollständig ausfüllen konnte, kreidet sich der selbstkritische Däne an: „Insofern weiß ich nicht, ob ich genug gemacht habe.”

Dass die Fans ihrem Unmut Luft machten und auch die Berichterstattung in den Medien zunehmend kritischer wurden, „ist für mich keine Überraschung. Im Fußball wird es immer Unruhe geben, dagegen kann man nichts machen”, meint der 32-Jährige, der vor zwölf Jahren beim Hamburger SV bereits Deutschland-Erfahrung gesammelt hat, gelassen.

Eine große Abschiedsparty hat der stets unbekümmert wirkende Defensivspieler nicht geplant. „Viele zu feiern gibt es ja eigentlich nicht, wenn man ehrlich ist”, meint Allan Jepsen, der eine Ausbildung als Physiotherapeut anfangen will, sollte kein Angebot als Fußballprofi eintrudeln. So bleiben für Jepsen zwei Dinge hängen, wenn seine Zeit in Aachen beendet ist: „Ich habe hier viele nette Menschen kennengelernt, auch im Umfeld der Alemannia”, ist die eine. „Man darf die Familie nicht unterschätzen”, lautet die ausschlaggebende.
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