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Inde Hahn: Ein Traumlos mit Schattenseiten

Von: Klaus Schmidt
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Die Pokal-Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Das schöne Herbstwetter wurde gestern beim FC Inde Hahn genutzt, um die provisorischen Tribünen am Kunstrasenplatz aufzustellen. Foto: Wolfgang Birkenstock
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Mitten im „Getümmel“: Helmut Jentges, erster Vorsitzender des FC Inde Hahn, überwacht den Fortgang der Aufbauarbeiten. Foto: Wolfgang Birkenstock

Hahn. Schon am Montagmorgen pünktlich um 8 Uhr wurde sichtbar, dass diese Woche eine außergewöhnliche wird für den FC Inde Hahn. Die ersten Lkw zogen den Kitzenhausweg hinauf, blaue Sitzschalen als Ladung. Der Fußball-Bezirksligist richtet seine Anlage her für das größte Ereignis in der über 67-jährigen Vereinsgeschichte.

Alemannia Aachen kommt, am Samstag ist um 14 Uhr Anstoß zum Erstrundenspiel des Mittelrhein-Pokals. Helmut Jentges, 73, hat alle Höhen und Tiefen in Hahn mitgemacht. 20 Jahre lang war er Geschäftsführer, wollte sich dann eigentlich zurückziehen und wurde schließlich zum 1. Vorsitzenden, nachdem der Amtsinhaber verstorben war. Nun ist sich Jentges sicher, wenn die großen Schwarz-Gelben kommen: „Etwas Besseres werde ich nicht mehr erleben.“

Als nach der Auslosung der erste Jubel verhallt und eine Nacht drüber geschlafen war, wuchs beim FC Inde die Erkenntnis: „Da kommt was auf uns zu. So ein Traumlos hat nicht nur Positives, sondern auch Schattenseiten. Die einfachste Lösung wäre gewesen, am Tivoli zu spielen.“ Alemannias Vorschlag, die Fixkosten rund um das Spiel zu teilen, stieß verständlicherweise auf Ablehnung. „Wir hätten auf jeden Fall Minus gemacht“, sagt Helmut Jentges. „Wenn schon Minus, dann machen wir es bei uns – haben aber ein einmaliges Erlebnis geboten.“ Rote Zahlen wird der Klub indes nicht schreiben, „wir machen ein Plus“. Aus Catering, eigens für dieses Spiel verkaufte Werbebanden – und vor allem, weil die Errichtung der Tribünen für 2586 Zuschauer von Sponsoren finanziert wird. „Diesen Klotz“, sagt Jentges, „haben wir aus den Beinen.“ Wie teuer dieser Klotz ist, dazu möchte der Vereinsboss nichts sagen, nur so viel: „Das Risiko hätte keiner tragen können.“

An richtig guten Meisterschaftstagen begrüßt Inde Hahn 200 Zuschauer, die teilweise auf schwarzen und gelben Schalen vom alten Tivoli sitzen. Am Samstag erlebt der Ort eine Kulisse, wie sie noch nie dagewesen ist – und auf absehbare Zeit wohl auch nicht wieder kommen wird. Seit der Auslosung sind rund zehn Leute aus dem Verein mit den Planungen und der Organisation befasst, Helmut Jentges berichtet von 15-Stunden-Tagen. „Man muss überlegen, in welcher Zeit das alles über die Bühne geht.“ Auf der Klub-Website läuft der Countdown bis zum Anstoß, die Webcam zeigt die Fortschritte beim Aufbau der Tribünen. Der Siebtligist hat sich einiges einfallen lassen, aber über Einzelheiten möchte Jentges noch nicht sprechen – der Überraschung wegen.

Beim FC Inde Hahn ist im letzten Jahrzehnt einiges vorangegangen. Spielte der Klub früher auf einem Platz mit zwei Metern (!) Gefälle, so erhielt er 2004 als (damals belächelter) Vorreiter in der Region einen Kunstrasen. Sportlich ging es nie höher hinaus als bis in die A-Liga; vor vier Jahren gelang der erstmalige Aufstieg in die Bezirksliga, nach dieser Saison soll es in die Landesliga gehen. „Alles andere würde mir auch keiner abkaufen“, sagt Jentges.

Die Mannschaft von Trainer Oliver Heinrichs, die gegen den großen Nachbarn Hertha Walheim Stadtmeister und Kreispokalsieger wurde, gilt als überqualifiziert für ihre jetzige Klasse. Es sagt zwar keiner, doch insgeheim träumen sie vom großen Pokal-Coup. „Da müssten wir allerdings einen Tag erwischen, an dem wir 120 Prozent erreichen, und Alemannia müsste total daneben sein“, sagt Jentges. Der Platz ist klein, ständig pfeift ein Wind über die Anlage – es sind ganz spezielle Bedingungen.

Helmut Jentges hofft, dass keine Tageskasse mehr geöffnet werden muss. „Ich gehe davon aus, dass das Spiel ausverkauft sein wird.“ Am Ende des Samstags wollen sie sagen können: Alle Mühen haben sich gelohnt, wir haben getan, was wir tun konnten. Bevor wieder der Alltag ruft, nächsten Donnerstag, gegen Sparta Gerderath.

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