Radarfallen Blitzen Freisteller

Glückssieg in der letzten Spielsekunde

Von: Roman Sobierajski
Letzte Aktualisierung:
alem01_fo
Vorne „steht” Benny Auer sicher auf der Hand, hinten auf dem Oberschenkel des Gegenspielers. Das Resultat dieser artistischen Einlage ist der Führungstreffer für Alemannia Aachen. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Aachens Trainer hat eine Fähigkeit, die im Neuen Testament gewöhnlich eine ungleich größere Rolle spielt als in der Ausbildung zum Fußballlehrer: Er kann „Blinde” sehen machen.

„Feisthammel ist so blind, der vergibt im Training mit schöner Regelmäßigkeit jede Chance, die sich bietet, und jetzt macht er sogar im Spiel ein Tor”, schüttelte Peter Hyballa nach dem 2:1-Sieg über den VfL in letzter Sekunde noch leicht ungläubig den Kopf. „Ich hatte gegen ihn eine Wette um 50 Euro laufen, dass er in dieser Saison keinen Treffer erzielt. Jetzt schießt er sogar mit links dem Torwart durch die Beine. Naja, das Geld ist jetzt weg.”

Den finanziellen Verlust dürfte der 34-Jährige leicht verschmerzen nach vier Liga-Punkten und dem Pokalsieg innerhalb von nur einer Woche. So bleibt das Team auch im siebten Pflichtspiel in Folge ungeschlagen, auch wenn Hyballa (noch?) die Fähigkeit abgeht, Lahme wieder zum Rennen zu bringen. „Unsere zentrale Achse ist nicht gut ins Rollen gekommen, bei Tolgay Arslan hat man gemerkt, dass ihm der Mittwoch gegen Mainz in den Knochen steckt”, befand Aachens Trainer.

Dabei hatte die Alemannia gegen die immer noch auswärts sieglosen Osnabrücker strukturiert und überlegen losgelegt und sich einige gute Torchancen herausgespielt. Ein sehenswerter Schuss von Zoltan Stieber verfehlte das Osnabrücker Tor nur knapp (12.), Manuel Junglas senste bei seiner Doppelchance zunächst über den Ball und scheiterte dann am VfL-Torwart (25.).

Elfmeter-Pfiff blieb aus

Zu diesem Zeitpunkt führte die Alemannia allerdings schon vor 19.553 Zuschauern mit 1:0 nach der Alemannia-Tor-Standard-Produktion der letzten Wochen: Eine präzise Stieber-Flanke wuchtete Benny Auer mit dem Kopf in die Maschen (14.) und tilgte damit auch den Makel, dass die Alemannia bislang das einzige Team in der Liga ohne Kopfballtreffer war.

„Stieber ist momentan wirklich überragend, als Stürmer kann man froh sein, so einen an seiner Seite zu haben”, lobte Auer den Vorlagengeber. „Es wird wohl schwierig werden, ihn noch länger zu halten.”

Da David Hohs die Torchance von Niels Hansen vereitelt hatte (10.), ging die Alemannia mit der Führung in die Pause, fand aber nach dem Seitenwechsel nicht mehr recht zur Spielstruktur zurück. Dafür kamen die Gäste stärker auf - und glichen durch einen kuriosen Treffer sogar aus. „Dass Stieber gute Vorlagen gibt, ist bekannt”, resümierte Peter Hyballa. „Dass Björn Lindemann gute Freistöße schießt, aber auch.”

So war es dann auch ein Standard der Gäste, der zwar im Strafraum keinen Abnehmer fand, dann aber genau in den Torwinkel titschte (58.). „So muss ein Freistoß eigentlich kommen”, lobte Tobias Feisthammel, „da kann man David Hohs noch nicht einmal einen Vorwurf machen.”

Die Chance, in Führung zu gehen, verwehrte Schiedsrichter Christian Bandurski den Osnabrückern, da sein Elfmeter-Pfiff ausblieb, nachdem Benjamin Siegert im Aachener Strafraum zu Fall gekommen war. „Der Kontakt war da”, bestätigte Feisthammel, „der fällt über mein Standbein, so etwas kann man auch pfeifen.”

Da den Aachenern die Schnelligkeit und die letzte Präzision in den Pässen fehlte, lautete die Lösung, mit langen Bällen auf Stieber und Auer zu operieren. Ein Konzept, dass allerdings auch nicht zu zählbaren Erfolgen führte, so dass das Spiel vor allem in den letzten zehn Minuten vor Schluss hin und her wogte. „Als Trainer kann man dann nur noch ein bisschen Boulevard-Coaching machen, aber ich wäre mit dem einen Punkt zufrieden gewesen”, gab Hyballa zu.

Dass dennoch der Siegtreffer fiel, resultierte aus einer dieser typischen „Kurz-vor-Schluss”-Situationen: Aimen Demai schlug aus dem Halbfeld einen Freistoß in den Strafraum, Thomas Stehle sperrte seinen Gegner weg, „mir fällt der Ball vor die Füße, und ich mache ihn rein”, beschrieb ein erstaunter Tobias Feisthammel die Entstehung.

Das Fazit des Spiels zog der Kapitän: „Emotion und Leidenschaft stimmten, das Spiel war fast noch schlechter als gegen Ingolstadt. Aber die drei Punkte sind eminent wichtig für uns”, fasste Benny Auer zusammen. Der Appell in eigener Sache kam dann vom Trainer: „Das hier geht an alle Spielerberater und Chefscouts der Bundesligisten. Die Jungs müssen noch lernen und ein paar Spiele hierbleiben.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert