Gespräche sind schon weit...aber noch nicht am Ziel

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Die Zahl seiner „Schäfchen” ist (noch) übersichtlich: Alemannia-Manager Andreas Bornemann im Trainingslager der Aachener am Walchsee. Foto: Roman Sobierajski

Walchsee. Kaum im Trainingslager in Österreich angekommen, hat Alemannia Aachens Manager Andres Bornemann unserem Redakteur Roman Sobierajski ein erstes Interview gegeben.

Herr Bornemann, warum sind Sie so spät im Trainingslager angekommen? Sind Sie dem Dauerregen aus dem Weg gegangen?

Bornemann: Genau, ich habe aufmerksam die Wettervorhersage studiert.

Und hier haben alle gedacht, Sie seien noch in Sachen Neuverpflichtungen unterwegs...

Bornemann: Ach, so... Nein, im Ernst. Ich denke, ich erzähle keine Geheimnisse, wenn ich sage, dass wir auf der ein oder anderen Position auf dem Transfermarkt noch etwas tun wollen. Auch unabhängig von den beiden aktuellen Verletzungen, die uns natürlich hart getroffen haben.

Dass Sie noch weitere Spieler verpflichten wollen, galt auch schon, als sich Aimen Demai und Jerome Polenz noch nicht verletzt hatten. Es besteht Bedarf auf der linken Defensivseite, im linken und im rechten Mittelfeld.

Bornemann: Aber die Wahrheiten ändern sich schnell im Fußball. Betrachtet man die Entwicklung der letzten Wochen, einschließlich des Spiels in Erkelenz gegen Vaslui, hat sich Andreas Korte sehr gut eingebracht. Wir werden das sehr aufmerksam beobachten. Aber wir haben auch einen Patrick Milchraum, der kann diese Position spielen und hat das auch gezeigt in der Vorbereitung. Und Andreas Lasnik sollten wir auch nicht vergessen. Aber klar, wir sind rein zahlenmäßig mit Linksfüßen etwas dünn besetzt, aber das geht den meisten Vereinen so.

Erstaunlich, in der letzten Saison war Alemannia Aachen auf der linken Seite fast überbesetzt, fast alle Angriffe liefen zumindest in der Hinrunde über links.

Bornemann: Wir sind mit Achenbach, Milchraum und Lasnik noch in einer recht komfortablen Situation, da ist noch nichts Dramatisches. Aber Lewis Holtby hat dort schon eine große Lücke hinterlassen.

Was allerdings absehbar war, oder?

Bornemann: Was absehbar war. Die 1a-Alternativen sind uns leider auf der Zeitschiene verloren gegangen. Das ist halt so, damit muss man leben.

Gibt es auch Namen zu diesen Alternativen?

Bornemann: Ich werde nicht alle Namen nennen. Aber ein Sydney Sam, der vom Hamburger SV an Kaiserslautern ausgeliehen war, wäre sicherlich ein Kandidat für die offensive Außenbahn gewesen. Zudem spielt er auch gerne seitenverkehrt, also als Linksfüßer über die rechte Seite. Leider ist mir in dieser Phase auch noch durch den Abgang von HSV-Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer der Ansprechparner verloren gegangen. Und Deniz Naki, das war ja bereits zu lesen, hätte ja auch großes Interesse gehabt nach Aachen zu wechseln. Beide Spieler hatten allerdings auch Alternativen. So war es für mich nachvollziehbar, dass beide nicht bereit waren, eine Zeitschiene zu akzeptieren, die mit dem Holtby-Transfer endet.

Also war der Eindruck falsch, zu denken, so bald der Wechsel von Lewis Holtby perfekt ist, wird umgehend ein Ersatz präsentiert?

Bornemann: Das ist ohnehin missverständlich rübergekommen. Wenn wir sagen, dass wir die linke offensive Mittelfeld-Position besetzen wollen, kann man nicht sagen, wir ersetzen Holtby Eins-zu-Eins. Die Frage ist, kann jemand auf dem Niveau von Lewis an dieser Stelle spielen? Das ist schwierig.

Natürlich ist das schwierig, sonst wäre Schalke wohl kaum interessiert gewesen...

Bornemann: ...stimmt. Und wir wollen uns nicht in der Breite verstärken, sondern die Dinge, die wir machen wollen und werden, sollen uns in der Qualität weiterhelfen. Und die kosten eben ein bisschen Geld und sind nicht so leicht zu haben. Aber ich bin zuversichtlich, dass uns noch etwas Vernünftiges und Gutes gelingen wird. Es gibt noch einige Namen bei uns auf der Liste, mit denen auch Gespräche geführt wurden und mit dem ein oder anderen sind wir auch schon etwas weiter.

Kann man „etwas weiter” auch konkretisieren oder prozentual schildern? Sind Sie auf dem halben Weg, oder wo stecken die Verhandlungen?

Bornemann (lacht): Was hat man im Fußball, wenn man einen Spieler zu 99 Prozent hat und der dann vor der Unterschrift falsch abbiegt auf der Autobahn? Nichts. Wenn man erst einmal soweit ist, dass der abgebende Verein bereit ist, der Spieler auch kommen will und sich mit dem Berater über gewisse Dinge geeinigt hat, dann ist man schon weit, aber noch nicht am Ziel.

Zumindest hat man ja den „österreichischen Neuzugang” Andreas Lasnik, der in der vergangenen Saison immer erste Wahl war. Zumindest, wenn es darum ging, den Kader von 19 auf 18 zu reduzieren. Der dann schon fast in Almelo war und nun in allen Tests eine bedeutende Rolle gespielt hat.

Bornemann: So ist eben der Fußball. Andy Lasnik hat kein Geheimnis daraus gemacht, dass er mit der letzten Saison nicht zufrieden war als dritte Wahl im linken Mittelfeld. Durch den Weggang von Lewis hat sich eine neue Situation ergeben - für ihn wie für uns.

Was waren die Gründe dafür, sich von Matthias Lehmann zu trennen?

Bornemann: Matze Lehmann ist gekommen mit der Idee, hier Bundesliga spielen zu wollen. Vielleicht hat er selbst gemerkt, dass für ihn nach drei Jahren nicht die Entwicklung so gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hat. Wir wollen versuchen, dass aus dieser Position heraus mehr Torgefahr entwickelt wird. Mit Demai und Burkhardt haben wir den Abgang nicht nur kompensiert, wir haben uns richtig verbessert.

War die Verpflichtung von Burkhardt auch eine Reaktion auf die Schwäche der vergangenen Saison, tiefstehende Mannschaften nicht auseinander spielen zu können?

Bornemann: Es ist schön, in dieser zentralen Position Spieler mit hoher Ballsicherheit zu haben, die auch versuchen, Spielsituationen möglichst offensiv zu lösen. Dadurch wird das Spiel einfach flüssig, und das kann Thorsten Burkhardt sehr gut. Wenn er fünf, sechs Tore macht oder an deren Entstehung beteiligt ist, dann sind wir schon einen Schritt weiter als im letzten Jahr.

Ist eine generelle Umstellung des Spielsystems geplant, oder ist das eine Journalistenfrage?

Bornemann: Man kann jedes System offensiver oder defensiver interpretieren. Wenn aus unserem Grundsystem heraus Burkhardt offensiver wird oder eine echte Zehn in einer Raute spielt, ist einiges an Variation möglich. Burkhardt kann in der zentralen Achse alle Postionen spielen, defensiv als Sechser, als Acht und als Zentraler hinter den Spitzen. Das macht ihn wertvoll.

Es bereitet Ihnen also keine Kopfschmerzen, dass hier im Trainingslager gerade einmal 18 Feldspieler auf dem Platz stehen?

Bornemann: Nein, wir haben Andreas Korte und Waldemar Schattner von der U23 hochgezogen und sehen, wie sie sich entwickeln. Szilard Nemeth wird auch im Lauf der Woche wieder in die harten Übungsformen einsteigen können. Die beiden Verletzten oder zumindest einer wird hoffentlich wieder in einem frühen Stadium der Vorrunde eingreifen können. Zudem sind wir sicher, dass wir noch ein, zwei Dinge auf dem Transfermarkt realisieren können. Das raubt mir nicht den Schlaf, und es gibt auch keinen Grund dazu. Ginge heute die Saison los, würden wir eine gute Mannschaft auf den Platz kriegen. Wir wussten schon vorher, dass wir mit der Kadergröße relativ eng planen müssen, das war in der Vorsaison nicht anders.

Sind Schattner und Korte denn nun voll in den Profikader integriert?

Bornemann: Warten wir die Entwicklung doch einfach ab. Ich bin ein Verfechter davon, die Übergänge zwischen der U23 und dem Profikader fließend zu gestalten. Wir haben eine Profimannschaft und eine zweite Profimannschaft, das sind doch keine Amateure. Der Weg nach oben in den Lizenzspieler-Kader ist immer offen und möglich.

Wenn die Einigung mit möglichen Neuzugängen auf einem guten Weg ist, ist dieser Weg dann absehbar bald beendet?

Bornemann: Wenn das Ende darin besteht, dass nur noch eine Unterschrift auf einem Stück Papier nötig ist, kann es im Zweifelsfall sehr schnell gehen, Ich hätte nichts dagegen, dass man bei den Dingen, die so weit gediehen sind, eine schnelle Lösung hinkriegt. Es hakt aber noch an einigen Stellen, und deshalb ist es auch noch nicht fix.

Ärgert es den sportlich Verantwortlichen nur mit einem kleineren Teil aus dem Holtby-Transfer unterwegs sein zu können?

Bornemann: Ohne die Zahlen, die durch die Gegend geistern, bestätigen zu wollen: Wir wollen Alemannia Aachen insgesamt nach vorn bringen und die gesamte Entwicklung mit Stadion und Nachwuchs-Zentrum voran treiben und verbessern. Das kann sich dann schnell auch beim Sport auswirken, auch monetär. Sind die Voraussetzungen geschaffen, erfolgreich Fußball spielen zu können, dann haben wir alle etwas davon. Mit dem Geschäftsführer gibt es an keiner Stelle Uneinigkeit darüber, dass wir in erster Linie ein Fußballverein sind. Wir arbeiten daran, dass zeitnah möglichst viel von dem Geld, das erlöst wird, auch beim Fußball ankommt.

Als Sportdirektor ist es immer schwierig, die Lücke zwischen den Erwartungen mit kurzfristigen Erfolgen auf dem Platz und den Investitionen in die Zukunft des Fußball-Unternehmens zu schließen. Alemannia Aachen benötigt einfach von Zeit zu Zeit Einmaleffekte, um sich schrittweise verbessern zu können. Ich finde das etwas Positives, das kann man auch als Anhänger des Vereins positiv begleiten.
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