Flo Müllers Tagebuch: Der Patient macht Fortschritte

Von: Christoph Pauli
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Horrortag: Nach exakt einem Jahr wurde bei Alemannia-Profi Florian Müller erneut ein Kreuzbandriss im linken Knie diagnostiziert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Der Patient macht Fortschritte. Der Patient macht Schritte ohne Krücken. Das ist eine erste kleine Erfolgsmeldung für Florian Müller. Erfolgsmeldungen gab es im Sportlerleben von Florian Müller in den vergangenen Monaten nicht sehr viele.

Über ein Jahr war Alemannias Flügelspieler mit einem Riss des vorderen Kreuzbandes ausgefallen. Die Leidenszeit wurde verlängert durch die üblichen muskulären Probleme, nicht alle Fasern erinnerten sich noch an die Belastungen durch den Leistungssport.

Vor einem Monat stand das Comeback an. „Die Leidenszeit hat ein Ende”, sagte der 23-Jährige vor der Partie bei Hertha BSC Berlin. „Für diesen Moment habe ich ein Jahr gearbeitet.”

Ein Auswärtsspiel später war die Euphorie auf grausame Art zerstört. Beim VfL Bochum führte Müller einen Zweikampf, wie sie im Dutzend bei jeder Partie vorkommen. Er wurde wieder unglücklich am Knie getroffen. „Ein paar Zentimeter höher, hätte ich nur eine Prellung gehabt.” So aber...

Die ersten vorsichtigen Befunde ließen noch Hoffnung aufkommen, erst im Kernspin kam die niederschmetternde Diagnose. „Es hat ein paar Stunden gedauert, bis ich mich gefangen habe”, sagt Müller mit Abstand. „Das ist eine Katastrophe, es hätte keinen sympathischeren Spieler treffen können”, urteilte Trainer Peter Hyballa.

Natürlich hat er viel Zuspruch erhalten, und glücklicherweise ist seine Freundin Nena im Sommer zu ihm nach Aachen gezogen, und dennoch: In solchen Momenten, die sich zu Monaten ausdehnen, ist ein Mannschaftssportler ein Einzelsportler. Er muss die Kraft selbst aufbringen.

Ein Jahr hat der Eisenhüttenstädter bereits verloren, aber vielleicht ist es diesmal ein Vorteil, dass er den Leidensweg bereits kennt, auch mit den üblichen Rückschlägen umgehen kann. Er ist ein geduldiger Patient, sagen seine medizinischen Betreuer. „Aber es gibt Phasen, in denen mich alles ankotzt”, erinnert sich der Aachener.

Gravierender kann eine Verletzungen für einen Fußball-Profi nicht sein. Ein Riss war bis vor einem Jahrzehnt gleichbedeutend mit dem Karriereende. Die Analogie gibt es nicht mehr.

Müller tröstet sich mit Kollegen, die mehrfache Kreuzbandrisse überstanden haben. Tim Wiese in Bremen, oder Pierre de Wit in Kaiserslautern.

Der 23-Jährige hat keine Zweifel, dass die erste mit der zweiten Verletzung zu tun haben könnte. Er vertraut wieder seinem Operateur, Dr. Peter Schäfferhoff, wartete mit der OP sogar noch zwei Wochen, bis der Vereinsarzt des 1. FC Köln aus dem Urlaub zurückkam. Wieder wurde aus dem hinteren Oberschenkel eine Sehne entnommen, die das zerfetzte Band ersetzen soll. Ein Nagel, der sich selbst auflöst, fixiert das Ersatzband.

Wieder fährt der Patient zur Reha im Kölner MediaPark. Noch hat die Woche fünf Arbeitstage, später noch einen mehr, wenn die Belastung erhöht werden kann. Der Patient Müller hat einen dichteren Stundenplan als der Profi Müller.

Aktuell wird die Oberschenkelmuskulatur über Elektroden stimuliert, um einen rapiden Kraftabbau zu bremsen. Die Physiotherapeuten strecken und beugen sanft das lädierte Bein. „The same procedure as every year.”

Sein Vertrag läuft aus im Sommer, mit höherer Wahrscheinlichkeit wird Müller in dieser Saison nicht mehr für Aachen auflaufen können. Der erfahrene Reha-Patient setzt sich nicht unter Druck, auf einen Monat kommt es bei der schweren Verletzung nicht an. Nur so viel: „Ich komme wieder. Mein Ziel bleibt die erste Liga.”

Sein Verein lässt ihn nicht in Stich, es gibt bereits Signale, dass sein Vertrag auch im Krankenstand verlängert wird.

Die Redaktion wird Florian Müller in den nächsten Monaten regelmäßig begleiten, um von seinen Erfolgen, Rückschlägen, Hoffnungen und Zweifeln zu berichten.
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