„Fast alle Verantwortlichen bei Alemannia haben versagt“

Von: Christoph Pauli
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Die Sanierer melden sich mit einem Zwischenfazit. Das Insolvenzverfahren wird sich wohl über die gesamte Hinrunde erstrecken. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Spieler für die Regionalliga gibt es noch nicht bei Alemannia Aachen. Das Anforderungsprofil steht aber schon fest. „Sie sollten stressresistent sein“, sagt Manager Uwe Scherr. Sie kommen schließlich in einen Verein, der noch monatelang mit ungeklärtem Ausgang im Insolvenzverfahren sein wird.

Den selbst aufgestellten ehrgeizigen Plan, das Verfahren bereits am 1. Juli beendet zu haben, haben Sachwalter Rolf-Dieter Mönning und Geschäftsführer Michael Mönig aufgegeben. Der Abstieg nimmt das Tempo heraus. Inzwischen sprechen die Sanierer davon, dass sich das Verfahren noch über die gesamte Hinrunde erstrecken wird.

Mönig war im Herbst ursprünglich als Unternehmensberater zum Klub gekommen. Nachdem er ein Defizit von 4,2 Millionen Euro festgestellt hatte, bekam er vom Aufsichtsrat die durchaus lukrative Geschäftsführung übertragen. Wie auch in anderen Fällen versucht der Insolvenzanwalt aus Münster in Aachen mit seinem Duz-Freund Mönning den klammen Klub zu sanieren. Mönigs Mandat endet, wenn sich ein neuer Geschäftsführer findet. Die Fahndung nach einem Nachfolger ist nicht so einfach, der Verein bietet aktuell nicht gerade die besten beruflichen Perspektiven.

In einem offenen Brief haben sich Mönig und Mönning „an die Alemannen“ gewendet. Das ist eher ein ungewöhnlicher Vorgang, denn auch an Mitteilungen haben die Sanierer intensiv gespart in den letzten Monaten. Selbst ein Darlehen, das sie beim DFB abriefen, war den Juristen keine Zeile wert bislang. Sie beschreiben die „einzigartige wirtschaftliche und sportliche Talfahrt“, die den Klub in die 4. Liga spült. Die Ursachen werden noch unter die Lupe genommen, „aber schon jetzt ist deutlich, dass eine verfehlte Personalpolitik, kaufmännische Fehlentscheidungen und ein weitestgehend bereits in der Zweitliga-Saison zusammengestellter überteuerter Kader ihren Anteil am Niedergang haben“, schreiben die Herren.

Unter falschen Angaben zum Lizenzantrag sei versucht worden „zu retten, was seit Monaten nicht mehr zu retten war“, steht in der Zusammenfassung. Es setzt verbale Ohrfeigen für die Verantwortlichen im Klub. „Fast alle, die für die Alemannia Verantwortung trugen, haben versagt.“

Die Anwälte bitten die Fan-Gemeinde um weitere Unterstützung, an Herausforderungen mangelt es unverändert nicht. Ein Insolvenzverfahren mit 10.000 Gläubigern muss gestemmt werden. „Ein riesiger Kraftakt“, der dazu führen soll, dass Alemannias Spielbetriebsgesellschaft schuldenfrei wäre.

„Wir sind krisenerfahren“

In der Regionalliga blühen deswegen noch keine Orchideen für Alemannia. „Da stehen keine Spaziergänge an. Unter den Bedingungen eines Insolvenzverfahrens eine schlagkräftige und wettbewerbsfähige Mannschaft auf den Rasen zu stellen, ist die nächste Herausforderung.“ Mönig und Mönning beschreiben den Verein als „insolvent, aber handlungsfähig“. „Wir sind seit Jahren krisenerfahren, kennen solche Situationen und werden geordnete Strukturen hinterlassen.“

Die beiden Juristen, die nicht einmal Stammgäste bei Alemannias Spielen sind, stellen die Weichen beim Klub auch sportlich. Die Gespräche mit Trainer René van Eck und Manager Uwe Scherr sind angelaufen. Eher moralische Motive denn sportliche Wertschätzung führen die Sanierer dafür an. „Es ist mehr als nur eine Frage des Anstands, zunächst mit denen zu sprechen, die unter ganz anderen Vorzeichen nach Aachen geholt wurden und dennoch nicht weggelaufen sind, als es knüppeldick kam.“

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