Aachen - Erik Meijer: „Wir holen keinen Trainer, der auf dem Karussell sitzt”

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Erik Meijer: „Wir holen keinen Trainer, der auf dem Karussell sitzt”

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Hält Ausschau nach jungen Talenten: Erik Meijer. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Aktuell leitet Erik Meijer eine große Fahndungsabteilung. Neue preiswerte Spieler für Alemannia werden gesucht, zudem könnte der Klub noch einen Cheftrainer vertragen. Unser Redakteur Christoph Pauli unterhielt sich mit Aachens Manager.

Zu Beginn eine Quizfrage. Welcher prominente Aachener hat im Dezember 2008 gesagt: „Für den Nachfolger von Jörg Schmadtke wird es schwer?”

Meijer: Erik Meijer.

Das haben Sie als Mitglied der Findungskommission festgestellt. Gilt die Einschätzung auch noch für den Nachnachfolger?

Meijer: Die Situation ist nicht leichter geworden. Jörg hat es damals in kürzester Zeit geschafft, eine erfolgreiche Mannschaft zusammenzubekommen, die keine Ablösesummen gekostet hat und funktioniert hat.

Ist die aktuelle Ausgangslage 2010 mit der damaligen vergleichbar?

Meijer: Es gibt schon Parallelen. Damals hat Jörg zu mir gesagt: „Geld habe ich nicht, Meijer.” Mit dem gleichen Spruch bin ich jetzt auch unterwegs.

Wissen Sie inzwischen abschließend, wieviel Geld in Ihrem Zwiebelportemonnaie ist?

Meijer: Ich kenne die Summe. Da wir im TV-Ranking so schlecht abgeschnitten und den Bonus der AachenMünchener nicht bekommen haben, muss ich gewaltige Einschnitte akzeptieren.

Gibt es die Idee, dass private Investoren dem Verein weiterhelfen?

Meijer: Das wird nur ein Thema, wenn es eine konkrete Idee gibt, einen Spieler, der ansonsten für uns unerreichbar wäre, zu holen.

Es gibt das Gerücht, dass Alemannia aktuell wieder mal einen Trainer sucht. Wie läuft die Fahndung?

Meijer: Wir machen uns schon länger Gedanken, holen uns Informationen, haken nach. Wir brauchen einen Typ, der zu Alemannia passt. Er kann Deutscher sein, muss er aber nicht, er kann einen Namen haben, muss er aber nicht.

Was für einen Trainer stellen Sie sich vor?

Meijer: Er muss eine Spielidee mitbringen. Und er muss mit jungen Leuten und ein paar erfahrenen Spielern die Herausforderung annehmen. Er muss auch akzeptieren, dass die nächste Saison eine Brückensaison werden könnte, je nachdem wie schnell die Gruppe zusammenwächst.

Die Ausgangslage ist komplizierter als zuletzt. Scheidet ein Kandidat wie der bei einigen Medien gehandelte Ulf Kirsten nicht schon deswegen aus, weil er keinerlei Erfahrung im Profibereich besitzt?

Meijer: Stimmt. Dazu würde ich mir ungern einen Freund ins Haus holen. Das kann, muss aber nicht gut gehen.

Wäre Eric van der Luer schon ausgerufen, falls er die notwendigen Voraussetzungen hätte?

Meijer: Das wäre eine Überlegung wert. Er hat die Qualität. Aber es wäre nicht weise, ihm diese Aufgabe jetzt zu übertragen, während er noch parallel seinen Fußball-Lehrerschein erwirbt.

Erschwert es die Suche nicht, dass der neue Trainer weiß, dass sein Kronprinz schon da ist?

Meijer: Nein. Wir versuchen von Anfang an, ein Gefühl zu entwickeln, was zusammenpassen kann.

Ist Leverkusens Peter Hermann eine Idee?

Meijer: Ich finde diese Personalie sehr interessant, aber die Frage ist, ob er einen Wechsel anstrebt und ob Leverkusen ihn gehen lassen würde.

Planen Sie einen Coup, soll es eine spektakuläre Lösung geben?

Meijer: Es wird nicht superspektakulär, es soll perspektivisch werden. Matthäus oder Basler wird es hier nicht geben. Ich präferiere jemanden zu nehmen, der nicht auf dem Karussell sitzt.

Wie ist die Nachfrage?

Meijer: Fast alle derzeit arbeitslosen Trainer wollen nach Aachen, weil das ein toller Verein ist.

Sie sind seit Monaten im Gespräch mit Sef Vergoossen, dem erfahrenen früheren Trainer von u.a. Roda, Maastricht, Eindhoven, der seine Karriere längst beendet hat. Ist er nur ein Ratgeber?

Meijer: Er ist ein Helfer für mich in meiner Position, eine Art Ziehvater. Sef war schon bei MVV Maastricht mein Trainer, wir haben immer Kontakt gehalten.

Ist er ein Kandidat?

Meijer: Ich bin noch vor zwei Wochen mit einer schönen Torte bei ihm gewesen. Ich suche eigentlich einen jungen Sef Vergoossen. Bei ihm weiß jeder Spieler, wo er dran ist. Er hat eine klare Linie und ist - ganz wichtig - ein guter Menschenkenner.

Der Verein ist ausnahmsweise nicht unter Zeitdruck, lassen Sie sich noch lange Zeit?

Meijer: Wenn das Portemonnaie kleiner wird und ich nicht die besten Spieler holen kann, um aufzusteigen, muss man noch mehr aufpassen. Alles, was wir planen, muss funktionieren. Ich würde gerne vor der Jahreshauptversammlung am 12. Juni jemanden präsentieren, um an diesem Abend etwas von unseren Ideen erklären zu können. Motto: Wir backen zwar jetzt kleinere Brötchen, aber sie schmecken immer noch verdammt gut.

Sie müssten möglichen Zugängen auch schmackhaft machen, dass es die liebgewonnene Einrichtung von Auflaufprämie in Aachen nicht mehr gibt. Treffen Sie auf Verständnis, oder platzen Ideen schon an diesem Punkt?

Meijer: Nein, ich nehme nur Spieler, die bei Alemannia spielen wollen. Dafür müssen sie arbeiten und erfolgreich sein. Reine Auflaufprämien halte ich in der 2. Liga generell für fast nicht mehr zahlbar.

Was ist aus der Idee geworden, Marcel Heller zurückzuholen?

Meijer: Ich habe ihm mehrfach auf die Mailbox gesprochen, er hat nie geantwortet. Da scheint das Interesse nicht sehr groß zu sein.

Die Ausgangslage beim A-Jugendlichen Pierre-Michel Lasogga von Bayer Leverkusen ist besser?

Meijer: Er hat ein Angebot, mit dem er sich anfreunden würde. Er würde nach Aachen umziehen, die Entscheidung trifft jetzt Leverkusen. (Anm. der Redaktion: Lasogga kann nicht ausgeliehen werden, weil sein Vertrag nur noch ein Jahr läuft. Entweder müsste Leverkusen ihn freigeben oder seinen Vertrag verlängern.)

Ist das Interesse an Daniel Adlung nach der Verpflichtung von Zoltan Stieber erloschen?

Meijer: Daniel Adlung ist für uns nicht zu bezahlen.

Haben Sie Verträge vorgefunden, die Sie so nicht abschließen würden?

Meijer: Einen Spieler für solche Summen auszuleihen, halte ich nicht für akzeptabel.

Es soll auch andere Spieler mit komfortablen Verträgen geben, die ihnen üppige Prämien zusichern, egal, ob sie spielen oder verletzt sind.

Meijer: Dazu äußere ich mich nicht. Ich mache jetzt Verträge, die leistungsbezogen sind.

Ist es sinnvoll, mit Spielern, die komfortable Klauseln haben, nachzuverhandeln?

Meijer: Schwierig. Ich stelle nur fest, wenn wir zum Beispiel Babacar Gueye nehmen, dass er bislang noch nicht gezeigt hat, was wir von ihm erwarten. Das Invest hat sich noch nicht bezahlt gemacht.
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