Erik Meijer sucht lauter kleine Erik Meijers

Von: Christoph Pauli
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Der Mann braucht breite Schultern: Erik Meijer bekommt einiges aufgeladen bei Alemannia. Foto: Uwe Anspach

Aachen. An dem Dezemberabend, als Erik Meijer als neuer Sportchef vorgestellt wurde, passierten einige hämische SMS die Stadtgrenzen. „Jetzt ist also der Stürmer des Jahrhunderts auch noch Manager”, lautete die Botschaft von Andreas Bornemann.

Der 38-jährige ist verbittert vom Hof gegangen, nachdem ihm der Aufsichtsrat nach elf Monaten Zeit „Perspektivlosigkeit” attestiert hat. Das Erbe ist nicht sonderlich prickelnd für Meijer. Die Mannschaft ist nicht so richtig in Schwung gekommen, das Nachwuchsleistungszentrum ist keinen Schritt weitergekommen, das Publikum ist enttäuscht.

Meijer hat gerade eine Herkules-Aufgabe übernommen, und unklar bleibt, ob er die Dimension wirklich erahnt hat. Er hat sich in das Abenteuer gestürzt, ohne die finanziellen Rahmenbedingungen zu kennen. Jetzt fehlt ihm etwa eine Million Euro im nächsten Etat. Der Klub ist beim Spieleretat wieder in der Zeit vor Bornemann angekommen, der mit seinen Transfers zudem noch das Gehaltsgefüge gesprengt hat.

Der Verein ist nicht sonderlich liquide und hat bei der Stadt um Hilfe nachgefragt. Natürlich gehörte auch Meijer zu den Bittstellern. Der Niederländer hat bei der Gelegenheit gesagt: Aachen sei ein bisschen CHIO, ein bisschen Karlspreis, ein bisschen AKV, „und ganz viel Alemannia”. Das war nicht sonderlich diplomatisch, aber typisch. Meijer ist direkt, nimmt kein Blatt vor den Mund. Und irrt er wirklich? Ist die finanzielle Unterstützung in vielen anderen konkurrierenden Städten nicht üppiger?

Der Verein hat mit ihm seinen größten Joker gezogen. Kein anderer hat diesen Rückhalt, kein anderer kann den Klub so „beruhigen”. Aber alle diese Aufgaben und Erwartungen muss nun ein Anfänger in dem Metier schultern. „Es sind starke, junge Schultern”, zeigt Meijer sein spitzbübisches Grinsen.

Der neue Manager hat die Gesprächsrunden mit Geschäftsführung/Marketing, mit Mitarbeitern, mit den Scouts, mit den Trainern wieder eingeführt. Meijer will die Leute wieder ins Gespräch miteinander bringen. Im Grunde sind solche Termine nicht der Rede wert, aber unter Bornemann waren sie eben nicht der Standard.

Meijer ist ein Rookie, ein Neuling. Ein eigenes Team konnte er ebenfalls aus Kostengründen nicht installieren. „Ich vertraue den Menschen, die hier sind”, sagt er und lobt stellvertretend seine engste Mitarbeiterin Susanne Czennia. Er ist gerade dabei, zu inventarisieren. Spieler, Trainer, Stab - er beobachtet zunächst einmal. Alles läuft auf Bewährung.

Das Nachwuchsleistungszentrum hat Priorität bekommen. „Wir müssen es schaffen, Spieler selbst auszubilden, damit wir uns nicht mehr außerhalb bedienen müssen.”

Die wichtigste Aufgabe: Die Mannschaft muss runderneuert werden. Sie braucht eine Hierarchie, sie lechzt nach mehr Torgefahr und stellenweise auch nach mehr Dynamik und Tempo. Das Gesicht der Mannschaft wird sich deutlich verändern. „Wir haben uns teilweise geirrt bei der Auswahl der Spieler.” Meijer ist auf der Suche nach den drei großen „A”: Er will Spieler haben, die agieren, die aggressiv und „ein A...loch” sein wollen. Meijer sucht lauter kleine Meijers. 16 Spielerverträge laufen aus, das versteht der Maastrichter eher als Chance, seine Ideen schnell umsetzen zu können.

Die Datenbank ist prall gefüllt mit interessanten Nachwuchskräften, aber sie wurde bislang zu selten bemüht. Meijer ist von der Arbeit der Scouts überzeugt. „Wenn zwei Beobachter von dem Spieler überzeugt sind, fahre ich noch vorbei. Geht auch mein Daumen hoch, sprechen wir den Spieler an und zwar direkt ihn.”

Die ersten Erfahrungen mit den Beratern hat er bereits gemacht, Meijer spricht von „absurden Vorstellungen”, gegen die man „bundesweit” angehen sollte.

Der Verein soll wieder eine eigene Identität bekommen, er soll eine Idee haben, was ihm wichtig ist. Die Arbeitsgrundlage ist Alemannia seit geraumer Zeit abhanden gekommen. „Fakt ist, der Klub gibt die Richtung vor. Trainer sind meistens nur Passanten.” Alemannia und damit Meijer entscheidet, „wenn das anders ist, brauchst du sonst wie auf Schalke eine neue Ersatzbank, weil dein Kader 36 Leute umfasst”. Meijer hat sich vieles aufgebürdet, sein Ehrgeiz steht in Flammen.

Die Begeisterung in, aber auch für den Verein ist etwas eingeschlafen in den letzten zwei Jahren - trotz des neuen Tivolis. Das muss man auch erst einmal schaffen: Aus der Premierensaison fast ohne jeden Schwung herauszukommen.

Der Berufseinsteiger will die Begeisterung wieder schüren. „Wir brauchen viele Leute, die mit anpacken: die Unternehmen, die Stadt, die Fans.”

17 Verträge laufen am Tivoli aus

Tor: Hohs

Abwehr: Jepsen, Olajengbesi (hat bis 2012 verlängert), Szukala, Polenz, Casper, Stehle

Mittelfeld: Milchraum, Fiel, Nemeth, Plaßhenrich, Lasnik, Adlung (ausgeliehen), Uludag

Sturm: Auer, Özgen

Co-Trainer: Kronhardt
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