Aachen - Erik Meijer: „Das ist eine knallharte Niederlage!”

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Erik Meijer: „Das ist eine knallharte Niederlage!”

Von: Christoph Pauli
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Glücklich ist anders: Alemann
Glücklich ist anders: Alemannias Manager Erik Meijer erklärt am Dienstag die Beurlaubung von Trainer Peter Hyballa und dessen Assistenten Eric van der Foto: Michael Jaspers

Aachen. Der Vorrat an guter Laune war aufgebraucht. Erik Meijer hat sein typisches „Wird-schon-wieder-Gesicht” ausgeknipst. Alemannias Manager sitzt auf dem Podium, hat ein Make-Up aus Granit aufgelegt.

Nach 15 Monaten hat er am Morgen Peter Hyballa beurlaubt, dem er die erste Chance im Profizirkus gegeben hat. Mit ihm muss auch Co-Trainer Eric van der Luer gehen, der so ganz nebenbei auch das Nachwuchsleistungszentrum leitet. Größer können die Personalien kaum ausfallen.

Vor sechs Wochen wollte Meijer im Auftrag des Aufsichtsrats noch Hyballas auslaufenden Vertrag verlängern. Jetzt passiert das Gegenteil. Es muss viel passiert sein seitdem. „Diese Entscheidung war schwer, weil Peter Hyballa unverändert ein hervorragender Trainer ist, aber sie musste im Sinne des Vereins sein. Die Tabellensituation ist prekär, die Art und Weise wie wir spielen ist es auch.”

Sportlich haben die Trainer keine Argumente seit Saisonbeginn gesammelt, Niederlage türmte sich auf Niederlage, es folgten drei torlose Remis. Immerhin: Seit einem Monat ist das Team ungeschlagen. Aber Meijer spricht auch am Dienstag von der „Lachnummer der 2. Liga”. Die Länderspielpause hatte er abgewartet, aber diese furchtbare erste Halbzeit in Paderborn forcierte die Entscheidung.

Das schlechte Spiel steht aber dann nicht im Abgangszeugnis von Peter Hyballa an erster Stelle. Vielmehr habe „das Vertrauensverhältnis zwischen Trainerteam und Mannschaft in den letzten Wochen stark gelitten.Wir glauben nicht mehr daran, dass die Basis für einen gemeinsamen sportlichen Erfolg gegeben ist.”

Am Montagmorgen hat Hyballa die Mannschaft durchgerüttelt, er hat das Spiel analysiert, hat „die Profis versucht an der Ehre zu packen”, sagt er. Er ist scharf geworden, Teil seines Plans. „Wir stehen zu Recht auf diesem Tabellenplatz”, hatte er wiederholt. Am Nachmittag hat Meijer erst mit dem Spielerrat gesprochen, später mit der Mannschaft.

Montagabend tagte das Scherbengericht, sprich der Aufsichtsrat. Die Entscheidung war da längst gefallen, auch wenn Gast Peter Hyballa die Veranstaltung verließ mit „einem guten Gefühl, es gab viel Bestätigung”.

Am Morgen danach war der Vollgas-Trainer, der so ausdauernd auch sein Umfeld nerven kann, beurlaubt. Der jüngste Trainer der Liga reagierte „enttäuscht aber nicht verbittert” nach seiner ersten Entlassung im Profibereich. Er wundert sich über die Stellungnahme des Vereins, sprach auch am Dienstag noch von einem „intakten Verhältnis” zu seinem Team.

Hat wieder eine Mannschaft ihren Trainer entlassen, ist die Form der Ansprache, das Training zu hart, zu direkt? Die Mannschaft muss schweigen an diesem Morgen. Meijer hat Maulkörbe verteilen lassen.

Der junge Coach hat sich mit Vorliebe an den älteren Spielern gerieben, hat sie kritisiert, attackiert, provoziert. „Das kommt jetzt wie ein Bumerang zurück”, vermutet Eric van der Luer. In der Mannschaft gibt es Grüppchen, die einen mögen den Trainer nicht, die anderen den Co-Trainer nicht, das alles hat Meijer erfahren.

Das Verhältnis der beiden Trainer gilt auch als belastet, die Harmonie vergangener Tage ist gewichen. Vor der Saison hat Hyballa angesagt, dass er eine deutliche Hierarchie haben will, die Aufgaben sind verteilt worden. Die Männer haben professionell zusammengearbeitet, der Spaß ist auf der Strecke geblieben.

Das schwierige Verhältnis landete nach der Partie gegen Cottbus auf der Tagesordnung des Aufsichtsrats, Hyballa verzichtete auf einen neuen Co-Trainer. Meijer kettete die Beiden aneinander: „Entweder funktionieren beide oder keiner”, hat er festgelegt.

Jetzt ist die Frage beantwortet.Eric van der Luer wurde von der Entwicklung ebenfalls am Dienstagmorgen überrascht, schon auf dem Weg zur Kabine wurde er umgeleitet ins Büro des Managers, wo auch Geschäftsführer Frithjof Kraemer wartete. Die Beurlaubung von Hyballa wurde ihm mitgeteilt. „Ich habe den Herren mitgeteilt, dass ich das für einen Fehler halte und mich dass mich das enttäuscht.”

Es kam noch ärger für den Niederländer. „Erik Meijer teilte mir mit, dass er mich im Paket mit Hyballa sieht, und ich auch beurlaubt bin.” Im Paket? Waren die Trainer, die sich nicht kannten, nicht vor der letzten Saison zwangsverheiratet worden? Eher ungläubig nahm van der Luer die Entscheidung hin. Verstehen will er sie nicht. „Ich fühle mich richtig verarscht, die Begründung ist vorgeschoben. Nur ein kleiner Teil der Mannschaft ist gegen mich, und ich kann und will auch nicht der Freund aller Spieler sein.”

Für van der Luer ist ein bissschen die Welt zusammengebrochen. Er verweist auf viele Verdienste, er habe Spieler wie Holtby und Höger entwickelt, viele Klinken geputzt, damit der Verein wenigsten Trainingsplätze findet. „Ich habe viel Geld in den letzten Jahren für den Klub reingeholt.” Das verbitterte Fazit von ihm: „Ehrliche Arbeit wird immer weniger geschätzt in diesem Verein.”

Das Duo Hyballa/van der Luer wird es auch an anderer Stelle nicht mehr geben. Die Wege trennen sich. Noch einmal war Hyballa am Morgen bei seiner Ex-Mannschaft. An die Spieler apellierte er eindringlich in seiner letzten Ansprache: „Jetzt seid ihr dran. Lasst euch nicht hängen!”

Sein Selbstbewusstsein ist nach der ersten Entlassung im Profibereich nicht ramponiert. „Ich bin bisher immer auf der linken Spur gefahren, und das bleibt auch so.” Meijers Gesichtszüge blieben am Dienstag auf Halbmast: „Das ist eine knallharte Niederlage heute. Auch für mich.”
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